Molecular Partners
«Es war ein kurzfristiger, aber kein unüblicher Entscheid»

Das Biotech-Unternehmen «Molecular Partners» wollte am Mittwoch an die Börse gehen, zog sein Vorhaben am Dienstabend jedoch zurück. Über die Gründe gibt CEO Christian Zahnd Auskunft.

Alex Rudolf
Merken
Drucken
Teilen
Christian Zahnd.

Christian Zahnd.

Aargauer Zeitung

Herr Zahnd, was hat Sie zum Rückzug vom Börsengang bewogen?

Christian Zahnd: Bereits Wochen vor dem geplanten Börsengang waren wir auf sogenannten Roadshows unterwegs durch Europa und Nordamerika. Dabei haben wir bei Investoren für den Kauf unserer Aktien geworben — das Feedback war jeweils sehr gut. Während der Roadshows sind die Kapitalmärkte global massiv eingebrochen. Dies hat uns viel Dynamik aus dem Prozess genommen — auch wenn das Interesse immer noch gross blieb, war es ein ungünstiges Umfeld.

Was heisst das konkret?

Die Werte der Portfolios grosser Investoren haben sich generell verschlechtert. Wir festgestellt, dass sie eher auf bestehende Portfolios fokussieren und weniger an neue Investments denken.

Dies war eine sehr kurzfristige Entscheidung.

Sehr kurzfristig, aber nicht unüblich. Viele Unternehmen, auch aus der Biotech-Branche, haben während der letzten Wochen ihre geplanten Börsengänge abgesagt oder verschoben. Unsere potenziellen Investoren glauben aber an uns: Keines der vielen eingegangenen Angebote hat unsere vorgegebene Preisspanne von 28 bis 35 Franken pro Aktie unterschritten.

Also hat die Biotech-Branche zu Unrecht den Ruf, instabil zu sein?

Der Erfolg von Biotech-Unternehmen ist oft vom Erfolg einiger Produkte abhängig, was zu erhöhten Schwankungen führen kann. Die generelle Instabilität der Kapitalmärkte in den letzten Tagen hat aber nichts mit der Biotech-Branche zu tun. Ein positives Zeichen für uns ist, dass die europäischen Investoren unserem Börsengang sehr offen gegenübergestanden sind, obwohl Börsengänge eines Biotech-Unternehmens hier weniger etabliert sind als in den Vereinigten Staaten.

Ist ein Börsengang nun vom Tisch?

Ich bin überzeugt, dass eine Publikumsöffnung für Molecular Partners ein logischer und sinnvoller Schritt ist, auch wenn wir den Börsengang vorerst verschoben haben. Wir stehen mit rund 100 Millionen Franken an liquiden Mitteln gut da und sind daher nicht kurzfristig auf neues Fremdkapital angewiesen. Ergibt sich aber die Möglichkeit zu einem starken Börsengang, werden wir uns diesen Schritt sicherlich nochmals überlegen.

Die erhofften 120 Millionen, die der Börsengang ins Unternehmen hätte spülen sollen, wären in die Forschung und Entwicklung von eigenen Produkten gesteckt worden. Denjenigen, die nicht in einer Forschungszusammenarbeit mit einem Pharma-Multi zustande kommen. Wird dieser Plan nun auf die lange Bank geschoben?

Unsere rund 100 Millionen Franken an liquiden Mitteln reichen für die Entwicklung eigener Produkte.

Ganz ohne Abstriche? Sie können also mit der gleich grossen Kelle anrühren, obwohl 120 Millionen Franken weniger in der Kasse sind?

Ja. Der Börsengang war als strategisch langfristiger Schritt gedacht. Daher hat er keine kurzfristigen Konsequenzen auf den Geschäftsplan.