Waffenschutzinitiative
Es sei erfasst, was erfasst werden müsse

Am Abstimmungssonntag hat das Schweizer Volk die Initiative «Schutz vor Waffengewalt» mit 56,3Prozent abgelehnt. Nun kündigt Justizministerin Simonetta Sommaruga Massnahmen an, die den Missbrauch von Waffen erschweren sollen.

Alex Rudolf
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Wie wird die Gesellschaft mit den Schusswaffen umgehen? (ZIM)

Wie wird die Gesellschaft mit den Schusswaffen umgehen? (ZIM)

Limmattaler Zeitung

Andererseits strebt sie eine bundesweite Vereinheitlichung des Waffenregisters an. Die Reaktionen auf diese beiden Vorschläge könnten unterschiedlicher nicht sein.

Remo Lüscher, Präsident der Pistolenschützen Dietikon (PSD), ist vom Ergebnis der Abstimmung erfreut. «Menschen die Freude daran haben, Schusswaffen zu sportlichen Zwecken zu nutzen, sollen nicht abgestraft werden», sagt er. Dass Justizministerin Sommaruga eine Verschärfung des Waffengesetzes vornehmen will, stört Lüscher hingegen nicht. «Ich kenne viele Menschen, die eine Schusswaffe besitzen, ich vertraue auf deren Verstand. Daher habe ich keine Probleme mit der Optimierung der Markierung und der Vereinheitlichung des Waffenregisters», sagt er.

Was Remo Lüscher jedoch wichtig erscheint, ist, dass die Kantone mit vereinten Kräften arbeiten. «Für dieses einheitliche Register braucht es eine gute, sichere Software. Das Geld, welches die Kantone in ihre eigenen Register investieren, wäre dort sicherlich gut eingesetzt», erklärt er.

Keine In-Sportart

Der Schiessverein in Dietikon sieht dies ähnlich. Präsident Rolf Neeracher unterstützt das bundesweit einheitliche Waffenregister, da es «der Sache nur dienlich sein kann», sagt er. «Wir haben offene Ohren für die Vorschläge, die Frau Sommaruga bringt – solange sie unseren Sport nicht beinträchtigen», erklärt er weiter. Mit dem Resultat sei er natürlich zufrieden, aber die Annahme der Initiative im Kanton Zürich, zeige ihm, dass der Stellenwert des Schiesssportes kein grosser mehr sei. «Da wir keine In-Sportart sind, haben wir bei der Rekrutierung von Mitgliedern einen schweren Stand. Es ist hart, wenn man dann noch Hindernisse wie Volksabstimmungen überwinden muss», sagt er.

Auch habe er die mediale Berichterstattung über die Vorlage als ziemlich voreingenommen empfunden. «Ich denke, dass in den Printmedien vermehrt über die Befürworter und deren Argumente berichtet worden ist, daher bin ich natürlich doppelt froh, dass die Initiative abgelehnt wurde», so Neeracher.

Markierung und Register bringen nichts

Peter Pfenninger, Präsident des Feldschützenvereins Oberengstringen (FSV), ist sehr froh über das Ergebnis. Ein Wermutstropfen sei es schon, dass die urbanen Gebiete die Vorlage angenommen hätten, aber der Schiess- und Jagdsport sei dort schlichtweg nicht verankert, sagt Pfenninger. Für Simonetta Sommarugas Vorschläge hat er kein Verständnis: «Eine Markierung der Waffen bringt nichts, da die illegal erworbenen Waffen, die das Problem darstellen, sowieso mit keiner Markierung versehen werden», sagt er. Dieses Problem könne man fast nicht in den Griff bekommen, erklärt er. Das genau gleiche Problem sieht Pfenninger bei der bundesweiten Vereinheitlichung des Waffenregisters. «Die Waffen, welche dort registriert sind, sind legal. Die Illegalen werden überhaupt nicht in diesem Register verzeichnet», sagt er weiter.

Peter Schöpfer, Präsident des Bezirksschützenverbandes Zürich und Dietikon, beurteilt die Lage ähnlich wie Peter Pfenninger. Die beiden von Sommaruga vorgeschlagenen Massnahmen machen in seinen Augen keinen Sinn. «Die kantonalen Waffenregister haben erfasst, was erfasst werden muss, und die Waffen, welche im Umlauf sind, sind auch bereits genügend markiert», sagt er dazu.

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