Limmattal

Es regnet Absagen – Die Hotels müssen mit bis zu 14 Stornierungen in einer Viertelstunde rechnen

Aus Respekt und Sorge vor dem Corona-Virus bleiben die Gäste den Limmattaler Hotels fern.

Aus Respekt und Sorge vor dem Corona-Virus bleiben die Gäste den Limmattaler Hotels fern.

Auch auf die Hotellerie wirkt sich die Angst vor dem Corona-Virus negativ aus. In drei Limmattaler ­Hotels prasseln kurzfristige Stornierungen ins Haus. Die Folgen der fehlenden Gäste werden aber unterschiedlich gravierend eingestuft. Entlassungen sind in dieser schwierigen Zeit kein Thema.

Hotel Geroldswil: Roberto Carpentieri, Hotelführer

Das Hotel Geroldswil

Das Hotel Geroldswil

«Im Moment ist die Situation dramatisch. Vier Absagen an einem Morgen sind zur Regel geworden. Der Februar war noch ok, aber jetzt im März sieht es düster aus. Es sind nicht nur die Stornierungen, die zu Einnahmenausfällen führen, sondern auch die Anfragen, die gleichzeitig nicht mehr eintreffen. Wir können bis jetzt nur Auskünfte darüber geben, was in den Büchern steht. Es sind nicht nur grössere Reisegruppen, die aus Respekt vor dem Virus absagen. Auch unser Restaurant wird weniger besucht. Die Einnahmen liegen weit unter dem Durchschnitt. Kündigungen auszusprechen ist keine Lösung, aber vorgezogene Freitage und Ferien. Das Problem ist, dass wir nicht wissen, wie lange dieser Zustand andauert. Zudem ist die Grenze von 150 Personen bei Anlässen schnell erreicht. Unsere Räumlichkeiten sind auf 500 Personen ausgerichtet. All die geplanten Veranstaltungen werden reihenweise abgesagt. Gewisse Firmen starteten bereits Umfragen. Wenn natürlich 80 Prozent im Vorfeld sagen, dass sie nicht kommen werden, dann ist die Absage der Veranstaltung verständlich. Dass diese Anlässe verschoben werden, ist für uns der einzige Hoffnungsschimmer.»

Hotel Tivoli Schlieren: Filiz Di Liberto, Direktorin

Hotel Tivoli in Schlieren

Hotel Tivoli in Schlieren

«Kaum hat der Bund am Freitag entschieden, dass keine Veranstaltungen mehr mit mehr als 1000 Leute durchgeführt werden dürfen, löste das bei uns eine Welle aus. Es
ging keine 15 Minuten, da waren schon 14 Stornierungsanfragen eingetroffen. Aber man muss tolerant sein und wir haben Verständnis. Die Gäste haben Respekt vor dem Virus und wir versuchen die Risikogruppe, unsere Eltern und Grosseltern, zu schützen. Es ist verständlich, dass auch wirtschaftliche Einbussen in Kauf genommen werden. Man ist als Führungsperson gefordert und es gilt zu optimieren. Es ist keine einfache Aufgabe. Aber es gab schon Zeiten, da florierte die Hotellerie. Im Moment sieht sie sich hingegen mit einer schwierigen Situation konfrontiert. Bei uns liegen die Einbussen bei 40 bis 50 Prozent. Dass wir zwei Zielgruppen ansprechen, hält uns über Wasser. Geschäftsleute reisen zwar nicht mehr, aber auf der anderen Seite bleiben die Bauarbeiter. Sie nehmen ihre Termine weiterhin wahr. Einsparungen beim Personal sind überhaupt kein Thema. Wir haben Mitarbeiter, die
so lange schon bei uns sind. Kurzfristige Entlassungen, das geht gar nicht. Zudem wissen wir auch nicht, wann sich die Situation wieder entspannt.»

Hotel Sommerau: Chiara Frapolli, Direktionsassistentin

Hotel Sommerau in Dietikon

Hotel Sommerau in Dietikon

«Gravierend ist die Situation bei uns nicht. Stornierungen gibt es bei individuellen Buchungen kaum. Aber Gruppenreisen aus dem Ausland werden abgesagt. Vor allem geplante Reisen von Gästen, die zuerst durch die Schweiz wollten und dann vorhatten, nach Italien weiterzuziehen. Solche Absagen kamen für uns aber nicht überraschend. Wir waren vorbereitet. Zudem stornieren viele Personen, die den Aufenthalt verschieben. Das heisst, wir verlieren im Moment Gäste, die zu einem späteren Zeitpunkt kommen werden. Der Respekt vor dem Virus und die Unsicherheiten sind spürbar. Angst zu streuen bringt aber nichts. Das gilt auch für das Personal. Eine offene Kommunikation und gewisse Vorsichtsmassnahmen sind wichtig. Wir achten uns noch mehr auf die Hygienevorschriften. Aber diese Standards werden auch ohne das Corona-­Virus eingehalten. Man soll auch nichts heraufbeschwören. Erstens merken es die Gäste sofort, wenn bei uns eine Unsicherheit herrscht und zweitens würde auch keine schöne Arbeitsatmosphäre mehr herrschen. Wir versuchen im Moment, das Beste aus dieser negativen Zeit herauszuholen. Wir haben mehr Zeit für unsere Gäste und arbeiten Pendenzen ab.»

Autor

Cynthia Mira

Cynthia Mira

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