Der Verkehr stockt, die Strassen sind überlastet. Die Anzahl Staustunden auf dem Schweizer Strassennetz steigten jedes Jahr an. Am Gubrist beispielsweise hat sich die Zahl der Staustunden von 2004 bis heute verdreifacht. Obwohl die Blechlawinen immer grösser werden, sitzen in einem Pendlerauto im Schnitt nur 1,1 Personen. «Eine bessere Besetzung der Fahrzeuge würde ökonomisch wie auch ökologisch Sinn machen und die Umwelt entlasten», sagt Argjent Kaba, der zusammen mit Pascal Leuthold und Roger Ringger die Firma «Idosh» gegründet hat.

Die Carpooling-Plattform mit eigens entwickelter App wurde in Schlieren entwickelt und funktioniert ganz einfach: Wer eine Fahrt plant, veröffentlicht seine Route mit wenigen Klicks. Benutzer, die auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit sind, können sich anschliessen.

Sowohl Fahrer wie Mitfahrende legen sich ein Konto an, bei dem sie einige Angaben zur eigenen Person machen. Zu sehen sind Mailadresse und Handynummer aber erst, wenn die Anfrage zur Mitfahrt angenommen wurde. «Wer möchte, kann sogar seinen Musikgeschmack oder andere Hobbys mit der Community teilen. So hat man bestimmt schon ein Gesprächsthema für unterwegs», sagt Kaba.

Idee nach Partynacht in USA

Die Idee zur App ist Kaba gekommen, als er vor zwei Jahren in Kalifornien unterwegs war und selbst eine solche Mitfahrgelegenheit benötigt hätte. Da es aber noch keinen entsprechenden Anbieter dafür gab, kam dem Schlieremer die Idee, eine solche Applikation zu entwickeln. Als Informatiker war der technische Part für den 27-Jährigen kein Problem. In allen anderen Belangen wird er vom Betriebsökonom Leuthold und dem Wirtschaftsinformatiker Ringger unterstützt.

Für das junge Start-up steht die Umwelt im Vordergrund. «Es macht keinen Sinn, dass jeder alleine fährt», sagt Ringger. Klar sei, dass die Verkehrsüberlastung in der Schweiz jetzt schon zu hoch sei und es in naher Zukunft dringend eine Lösung brauche. «Nichts ist naheliegender, als die bereits vorhandene Infrastruktur besser zu nutzen», sagt er. Mit den Ressourcen Platz, Luft und Zeit effizienter umzugehen, sei das Ziel von Idosh. Zudem mache es auch mehr Spass, nicht alleine fahren zu müssen, fügt Leuthold an. Oben drauf könne man auch noch Kosten sparen und lerne neue Leute kennen.

Idosh spricht vor allem junge Menschen an. Seit der Lancierung im Mai 2017 wurden bereits über 3000 Downloads getätigt. Die Idee funktioniere natürlich nur, wenn es genügend Angebot und Nachfrage gebe, so Kaba. Deshalb sei das Unternehmen ständig auf der Suche nach neuen Wirtschaftspartnern.

Momentan ist die App noch kostenlos. Die Gründer möchten längerfristig den Fahrer aber für die Mitnahme von weiteren Pendlern belohnen, indem ihm die Hälfte der Fahrtkosten zurück erstattet werden. «Reich wird damit niemand», so Leuthold. Aber darum gehe es auch nicht. Ziel sei es, etwas Gutes für die Umwelt zu tun.

Uber ist keine Konkurrenz

Uber sehen die drei Gründer nicht als Konkurrenten an. Das Modell sei ganz ein anderes, so Kaba. «Wir wollen keine Anreize schaffen irgendwo hin zu fahren, wo man nicht sowieso hinfahren müsste. Auf Idosh werden nur Strecken angeboten, die man sowieso fährt.» Es sei gut, dass es Uber und AirBnB gebe. Beide Unternehmen würden die Zielgruppe vergrössern, indem sie die Schweizer für die Sharing-Economy sensibilisieren. «Dadurch gewinnen neue potenzielle Kunden das Vertrauen und sind eher bereit, ihre Ressourcen mit anderen zu teilen», sagt Kaba.

Die Gründer von Idosh glauben fest daran, dass sich in naher Zukunft noch einiges ändern wird auf den Schweizer Strassen. «Der Staat sollte Fahrer, die nicht alleine im Auto sitzen, belohnen», so Kaba. Er erzählt von diversen Lösungsansätzen wie solchen in Los Angeles, wo auf den sogenannten «Diamond Lanes» nur noch Autos fahren dürfen, die genügend Leute an Bord haben.

Zwar sei auch den hiesigen Politikern bewusst, dass ein Umdenken stattfinden muss. «Es wagt sich aber keiner an das Thema heran», bemängelt Kaba. Wenn es nach dem Jungunternehmer gehen würde, wären die weiteren Schritte klar. «Toll wäre es, wenn das Auto in fünf Jahren nicht mehr zündet, wenn man alleine im Auto sitzt», sagt er und lacht.