«Es macht einfach süchtig», sagte die 54-jährige Patricia Scrocco aus dem französischen Saint-Louis. Ihr Geständnis stösst bei den 25 Anwesenden auf Zustimmung, denn sie alle teilen dieselbe Leidenschaft: trüffeln, also nach Trüffeln suchen.

Dies kann man am besten zwischen Mitte Juli und Mitte Dezember. Zur Eröffnung der Saison trafen sich knapp zwei Dutzend Trüffelliebhaber am Samstag zum Grillfest der Schweizerischen Trüffelvereinigung (STV) in der Weininger Waldhütte. Das Grillfest, zu dem sowohl Mitglieder als auch Externe eingeladen waren, fand zum fünften Mal statt.

«Man sucht nach etwas, was man nicht sieht. Das ist unglaublich spannend», sagt Scrocco. Die 31-jährige Rosanna Tortomano aus Urdorf nickt zustimmend: «Das Essen treibt uns. Die schwarze Knolle ist ein Genuss für die Seele.» Trüffel sei nicht gleich Trüffel. Es gebe tausend verschiedene Arten und Sorten. Der wertvolle Pilz habe je nach Wachstumsort eine andere Textur und einen anderen Geschmack. «Aber man kann sich darüber streiten.» Um diese Unterschiede wahrnehmen zu können, müsse man ein Kenner sein.

«Ich war fünfzehn Jahre alt, als ich das erste Mal eine Knolle in der Hand hielt und ich war sofort fasziniert», sagt Fredy Balmer, Präsident der Schweizerischen Trüffelvereinigung. Das sei 1965 gewesen während seiner Lehre zum Koch. «Ich durfte helfen, den Trüffel zu verarbeiten.» Ein paar Jahre später habe er mithilfe der Trüffelfliege Suillia pallida begonnen, nach der Delikatesse zu suchen. Dort, wo die Fliege auffliege, sei der Edelpilz zu finden. Diese Art zu suchen, brauche jedoch viel Übung.

Sie kennen die Fehler

«Wir importieren jährlich zwanzig Tonnen Trüffel. Diese Menge haben wir auch hier bei uns im Boden. Wir müssen sie einfach finden», sagt Balmer. Deshalb biete die STV Seminare und Grundkurse an. Diese Ausbildungen seien wichtig, weil Laien Fehler machen könnten. Ein bekanntes Problem sei nämlich folgendes: «Viele finden einen Trüffel, graben ein Loch und schliessen es dann nicht mehr.» Als Folge davon entstünden dort wegen Frost oder Dürre keine neuen Trüffel mehr.

Die Anwesenden kennen noch einen weiteren Laienfehler: Man darf nie in das Suchgebiet der Kollegen. «Das ist ein ungeschriebenes Gesetz», sagte der 75-jährige Alfred Frey aus Pierterlen. Er beobachtet seinen Hund. Es ist ein typischer für die Trüffelsuche trainierter Lagotto Romagnolo. «Als ich in Rente ging, suchte ich nach einer Rasse, die nicht stinkt, keine Haare verliert und nicht zu gross, aber gesellig ist.» So stiess er auf den Trüffelhund.

Er ging in Kurse und knapp drei Jahre später fand sein Hund den ersten Trüffel. «Man muss das Tier lesen können. Es atmet, schaut und kommuniziert völlig anders.» Dies sei jedoch bei jedem Vierbeiner anders. Freys Hund schnaube anders und zeige mit dem Schwanz gerade nach oben, sobald er eine Spur gefunden habe. «Wenn er etwas findet, gibt es natürlich ein Guetzli. Es soll ein Spiel sein, kein Zwang.»

«Unser Carino findet noch keine wild wachsenden Trüffel. Nur die, die wir versteckt haben. Aber wir wissen nicht, ob er sie findet, weil er der Geruchsspur des Pilzes oder unserer nachgeht», sagte die 65-jährige Ursula Schmitt aus Fahrwangen. Die Herausforderung beim Training bestehe darin, den Suchinstinkt nach wild wachsenden Trüffeln auszulösen. Das brauche Zeit. Sie werde sich weiter Tipps von erfahrenen Trüffeljägern holen.

Das Grillfest war ein Austausch unter Gleichgesinnten: Es wurde gefachsimpelt, geplaudert, gelacht und köstlich gegessen. Die über dem Feuer gekochte Chalet-Suppe mit Trüffel rundete das gemütliche Beisammensein ab.