Tanz-Trends
Es kommt zum Generationentanz

Aus «Dance Shop» wird «Moove Dance Studio» und aus klassischem Ballett Hip-Hop.

Lorena Sauter
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Limmattaler Zeitung

In Penny Pelgers Tanzschule «Dance Shop» in Dietikon weht ein frischer Wind: Zwei junge, ausgebildete Tänzerinnen haben nämlich die Schule der 68-Jährigen übernommen. «Ich habe viel erlebt, nun war es an der Zeit, die Verantwortung weiterzugeben», sagt die Dietikerin. Ihre Nachfolgerinnen und ehemaligen Schülerinnen Houefa Phillip (29) und Morena Toma (25) freut es: «Schon lange träumten wir von einer gemeinsamen Tanzschule.»

Und dieser Traum ist nun wahr geworden. Seit dem 1.Oktober heisst die Tanzschule nicht mehr «Dance Shop», sondern «Moove Dance Studio» und wird von den beiden Dietikerinnen geführt.

Phillip und Toma tanzen schon seit ihrer Kindheit und absolvierten an der Zürcher Tanz Theater Schule die Berufsausbildung in zeitgenössischem Bühnentanz mit Diplomabschluss.

Toma verbrachte schon ihr halbes Leben in der Tanzschule in Dietikon. Als Siebenjährige besuchte sie erstmals den Ballettunterricht bei Pelger. Ein «richtiger» Wirbelwind, so Pelger, sei sie gewesen. Seit einigen Jahren unterstützte die 25-Jährige Pelger bereits mit dem Hip-Hop-Unterricht für Kinder. So kam es auch zu der Idee Pelgers, Toma als künftige Leiterin ihrer Tanzschule anzufragen.

Hart und steinig

Die «ewige Erzieherin», wie sich Pelger selbst beschreibt, ist «gottenfroh» in Toma und Phillip zwei vertrauenswürdige Nachfolgerinnen gefunden zu haben. Doch ein bisschen Wehmut bleibt: «Es macht schon weh. Ich habe mit meiner Tanzschule sehr viel erlebt.» Wie jeder Wechsel sei auch dieser mit einem seltsamen Gefühl verbunden, sagt sie. Phillip und Toma arbeiten weiterhin Teilzeit auf ihrem gelernten Beruf und unterrichten jeweils zwei Abende die Woche im «Moove Dance Studio» an der Kirchstrasse. Daneben finanzieren sich die jungen Frauen ihr Leben mit diversen Engagements im Tanz. «Das Ziel ist, dass wir eines Tages von unseren Auftritten und der Tanzschule leben können», sagt Phillip. Doch der Weg dorthin ist steinig, das Business hart: Tanzjobs gibt es sehr wenige, die Konkurrenz hingegen ist gross. «Leider ist es auch so, dass der Tanz vom Staat sehr spärlich unterstützt wird und in den Medien kaum Beachtung findet», ergänzt Pelger.

Konsumgesellschaft

Mit der Übergabe der Schule ändert nicht nur der Name, sondern auch das Angebot: Vermehrt wird auf moderne Tanzstile gesetzt. So unterrichten Phillip und Toma Hip-Hop, Jazz und Modern. Trotzdem wird auf Tradition gesetzt und Pelger leitet auch weiterhin die Ballettstunden. Grund für den modernen Schwerpunkt sei die Nachfrage, so die beiden neuen Leiterinnen. Vermehrt würden die Jungen Hip-Hop tanzen wollen, das Ballett drohe ins Abseits zu geraten. Der Trend zum modernen Tanz konnte auch Pelger jahrelang beobachten: «Es gibt immer wieder Wellen, die einen Tanzstil hochleben lassen. In den letzten Jahren war das klar der Hip-Hop.» Die Medien, in erster Linie das Fernsehen, hätten einen erheblichen Beitrag dazu geleistet, mutmassen die drei Frauen. Während früher viele Tanztheater und Ballettfilme ausgestrahlt worden seien, würden heute fast ausschliesslich moderne Tanzfilme wie «Step up» am Fernsehen laufen.

Doch nicht nur die Vorliebe der Tanzrichtungen änderte sich: «Die heutige Gesellschaft konsumiert vorwiegend, die aktive Bewegung steht oft im Hintergrund», erzählt Pelger. Erstaunlich ist, dass dies bereits die jungen Tanzlehrerinnen Phillip und Toma beobachten: «Die Kinder sind weniger beweglich, haben weniger Durchhaltewillen und sind kaum ehrgeizig.» Auch Erwachsene würden sich kaum trauen, etwas Neues zu probieren. «Die Hemmungen steigen mit dem Alter», so Toma. Dabei sei der Tanz bestes Ausdrucksmittel der Gefühle und tue der Seele gut. «Bei uns ist jeder willkommen. Ob Anfänger oder Könner – jeder soll den Tanz geniessen und einfach nur sich selbst sein.» Was andere denken, sei egal. Im Mittelpunkt stünden das Körpergefühl und der Spass, sich im Takt der Musik zu bewegen.