Schlieren
«Es ist wunderbar, dass wir wieder loslegen können» – Auch die Faustballer grüssen mit Ellbogen

In einer Woche starten die Faustballer in ihre verkürzte Feldsaison. Ein Augenschein im Training der Schlieremer in Zeiten von Corona.

Ruedi Burkart
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Auch die Faustballer grüssen mit Ellbogen
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Männer-Trainer Marcel Kunz (links) und Präsident Daniel Laubi (rechts).
Das neue und treue Teammitglied: Desinfektionsmittel.
Faustball in Zeiten von Corona.

Auch die Faustballer grüssen mit Ellbogen

Bilder: Ruedi Burkart

Eine Plastikflasche mit Desinfektionsmittel steht beim Eingang zur Faustballanlage hinter der Unterrohrhalle in Schlieren auf einem runden Tischchen. Es ist das einzige auf den ersten Blick sichtbare Zeichen dafür, dass sich auch die regionale Sportwelt immer noch mit dem Coronavirus auseinandersetzen muss. Sonst gemahnt nichts an aussergewöhnliche Zeiten.

Auf dem herrlich grünen und bestens bespielbaren Rasen wärmen sich die Aktivteams der Männer und Frauen auf. Es steht ein weiteres Teamtraining im Hinblick auf die am 27. Juni startende Feldsaison an. «Es ist wunderbar, dass wir wieder loslegen können», freut sich Daniel Laubi. Der 58-jährige frühere NLA-Akteur präsidiert seit 2008 die Faustballriege des STV Schlieren und nimmt einen Augenschein. Zur Begrüssung reckt er, ganz regelkonform, dem Schreibenden den einen Ellbogen entgegen und lächelt. Star-Virologe Daniel Koch hätte seine helle Freude.

Vieles ist wieder wie in der Vor-­Corona-Zeit. Aber: Die Garderoben konnten diese Woche nicht benützt werden. Grund war jedoch nicht etwa ein Mikro-Lockdown in Schlieren. Sondern weil in der angrenzenden Sporthalle Unterrohr Floristenprüfungen stattgefunden haben, durften die Faustballer Halle und Garderoben sowie den eigenen Klubraum nicht betreten. Geduscht werden musste daheim. «Dafür haben wir natürlich vollstes Verständnis», sagt Laubi. Bei Bedarf mussten für einmal die öffentlichen Toiletten gleich neben dem Platz benutzt werden.

NLA-Frauen spielen ohne zwei prägende Figuren

Auf dem Rasen starten die Trainings. Auf der einen Seite orchestriert Rolf Bühler die Übungen des NLA-Frauenteams. Bühler ist ein Schlieremer Faustball-Urgestein und spielte früher lange Jahre in den höchsten beiden Ligen für die Limmattaler, zudem amtet er seit 2015 bei internationalen Partien als Schiedsrichter, arbitrierte beispielsweise vor zwei Jahren an der Frauen-Weltmeisterschaft oder letzte Saison am Europacup der Männer. «Der Rolf ist ein Fachmann und für uns ein Glücksfall», sagt Präsident Laubi. Mit einer drastisch verjüngten Truppe will man in erster Linie den Klassenerhalt schaffen. Ein Selbstläufer wird das kaum werden.

Mit Simone Estermann und Sabine Pfister gaben zwei Lichtgestalten des Schlieremer Faustballs altersbedingt ihren Rücktritt. Mit den beiden früheren Nationalmannschafts-Akteurinnen verbinden die Limmattaler ihre grössten Erfolge. Ab den späten 1990er-Jahren waren die Schlieremerinnen kaum zu besiegen, egal ob auf dem Rasen oder in der Halle. Sie reihten einen Erfolg an den nächsten. Auf die Frage, ob Estermann und Pfister einen Rücktritt vom Rücktritt geben könnten, schüttelt Laubi den Kopf. «Sie werden nicht mehr auf den Rasen zurückkommen.» Man wird sehen.

Richten sollen es in den kommenden Wochen und Monaten junge, hoffnungsvolle Talente. «Wir glauben an das Team.» Fakt ist: In den letzten Jahren konnten die Schlieremerinnen nie mehr an die glorreichen früheren Zeiten anknüpfen, in welchen sie fast unbesiegbar waren. Achtmal holten sie den Titel auf dem Feld, neunmal im Winter in der Halle. Damit halten sie weiterhin den Rekord an Meistertiteln. Klar, dass man in Schlieren keine Gedanken an einen möglichen Abstieg aus der Nationalliga A verschwendet. Nur: Ob das schmale Kader mit aktuell nur sieben Spielerinnen den Ansprüchen in der höchsten Liga genügen wird?

Die NLB-Männer müssen sich noch finden

Bei den NLB-Männern hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten ebenfalls einiges getan. Die «Stimmungsmannschaft», wie sie Laubi charakterisiert, muss sich erst noch finden. «Sie können an einem guten Tag jeden Gegner schlagen, an einem schwachen Tag aber auch kaum ein Bein vors andere bringen.» Apropos: Beine machen soll dem Team eine Limmattaler ­Faustball-Koryphäe. Marcel Kunz leitete früher auch schon Schlierens NLA-Männerteam. «Ein Platz im ­Mittelfeld wäre für diese Mannschaft ein ziemlich gutes Ergebnis», sagt Kunz. Mehr dürfe man schlicht nicht ­erwarten.

Auch die Faustballriege des STV ­Schlieren wurde von der Corona-Krise gebeutelt. Die Einnahmen von ­Sponsoren gingen drastisch zurück, ­bereits geleistete Zahlungen an das ­gestrichene Trainingslager müssen als Verlust abgebucht werden, das neu angeschaffte Dress muss der Verein auch noch bezahlen. Bei einem ­Gesamtbudget von 100'000 Franken rechnet man laut Laubi mit einem ­Minus von rund 40'000 Franken in der Kasse.

«Wir unterstützen unsere Sponsoren»

Erst recht schaut man jetzt ­positiv in die Zukunft. Und hält für die treuen Geldgeber ein Zückerchen ­bereit. Laubi: «Wir drehen dieses Jahr den Spiess um und unterstützen unsere Sponsoren. Wir zeigen uns in der ­Krise solidarisch und verzichten dieses Jahr auf die Zahlung von Geldern.»