Geroldswil
«Es ist unmöglich, dass ich aufhöre»: Künstlerin Emmi Braunbock feiert ihren 80. Geburtstag

Die Künstlerin Emmi Braunbock feiert ihren 80. Geburtstag mit einer Jubiläumsausstellung.

Zoé Iten
Merken
Drucken
Teilen
Jeden Tag verbringt Emmi Braunbock ein paar Stunden im «Atelga».

Jeden Tag verbringt Emmi Braunbock ein paar Stunden im «Atelga».

Zoé Iten

Selbst das kleinste Auto der Welt hätte in Emmi Braunbocks Garage keinen Platz. Auf Tischen und Regalen sind Kunstwerke aus Holz, Speckstein und Ton arrangiert. An den Wänden hängen Aquarellbilder, Skulpturen aus Marmor und Alabaster komplettieren das unkonventionelle Atelier. Schon bald sollen all diese Kreationen im Gemeindehaus Geroldswil ausgestellt werden. Braunbock lässt keine der Skulpturen zu Hause. «Wenn es mich nicht mehr gibt, haben meine Kinder bloss viel zu räumen. Da nehme ich besser alles mit und hoffe auf gute Verkäufe», sagt sie. Die Ausstellung ist für Braunbock eine besondere Veranstaltung, denn am vergangenen Sonntag wurde die Geroldswilerin 80 Jahre alt. «Ein Meilenstein», so nennt sie es. Die Zahl 80 sei noch nicht in ihrem Kopf angekommen.

Es ist dem Zufall zuzuschreiben, dass Braunbock nach Geroldswil kam. Aufgewachsen ist sie in Deutschland und machte eine Ausbildung zur Fotolaborantin . Danach hätte sie bleiben können. Sie wollte aber weg, «auf Reisen». Und ging mit einer Kollegin in die Schweiz, um den Sommer über zu arbeiten. «Und siehe da, es wurden einige Jährchen mehr.»

Die Jubiläumsausstellung feiert am Freitag um 18 Uhr ihre Vernissage im
Gemeindehaus Geroldswil.

Auf die schaffende Kunst wurde sie in den 1970er-Jahren aufmerksam. Zwei Nachbarinnen, die Braunbock aus der Frauenriege kannte, überredeten sie zu einem Töpferkurs. «Als ich den Ton zum ersten Mal in den Händen spürte, floss mir das Töpfern aus den Händen.» Auch dem Kursleiter fiel das auf. «Er hat mich während eines Jahres in verschiedenen Glasurrezepte eingeführt und mir seine eigenen anvertraut», sagt sie. Nach dieser Erfahrung wollte Braunbock unbedingt weitermachen – aber auf eigenen Beinen.

Künstlerische Arbeit nährt

In der Fahrweid mietete sie sich in ein Ladenlokal ein und gab Kurse. Daneben arbeitete sie an ihren eigenen Projekten weiter. Die Rakutechnik, eine japanische Brennart, faszinierte sie besonders. Ihr Sohn hat ihr daraufhin einen speziellen Raku-Brennofen gebaut. «Die künstlerische Arbeit nährt mich sehr», sagt Braunbock. Während einer Krisensituation zeigte sich auch, dass es mehr als nur ein Hobby ist und ihr einen grossen Halt gibt.

1997, das Jahr ihrer Pension, erhielt sie eine schwere Diagnose. In dieser Zeit war Braunbock jeden Tag im Atelier und konnte so abschalten. Schliesslich begann sie auch als Steinhauerin zu arbeiten und holte von italienischen Steinbrüchen ein paar Brocken Alabaster, die sie danach verarbeitete.

Nach der Aufgabe ihres Ateliers an der Fahrweidstrasse entschied sie sich, ihre Garage zu einem Atelier umzugestalten. So entstand das «Atelga» – ein Atelier und Garage in einem. «Mein Auto habe ich schon seit längerem verkauft und meinen Fahrausweis freiwillig abgegeben.» Die Verwaltung hätte aber nichts dagegen gehabt, dass sie den Raum weiterhin nutzen würde.

Jeden Tag ist sie hier. Manchmal «für mehrere Stunden, mal sei einfach der Wurm drin» und da müsse sie abwarten. Während sie durch das «Atelga» führt, erzählt Braunbock einige Geschichten und Anekdoten über ihre Werke. Über den «Mönch», der nicht so wollte wie sie und den «Geniesser», dessen Verkauf sie fast nicht übers Herz brachte. «Jetzt nehme ich ihn aber trotzdem mit zur Ausstellung. Er ist nicht ganz billig, vielleicht will ihn ja dann niemand», so Braunbock. Nun sei sie froh, wenn ihre Ausstellung nach all den organisatorischen Angelegenheiten bald anläuft. Ans Kürzertreten denkt die 80-Jährige allerdings noch lange nicht. «Es ist unmöglich, dass ich aufhöre. Sonst wird es mir nur wieder langweilig.»