Herr Egloff, erstmals liegt eine repräsentative Umfrage zur Limmattalbahn vor. 2000 Personen wurden befragt, 61 Prozent befürworten das Projekt, nur 6 Prozent lehnen es ab. Hätten Sie eine so deutliche Zustimmung erwartet?

Hans Egloff: Ich hätte ein positives Resultat erwartet. Denn ich erlebe, dass das Projekt Limmattalbahn in der Bevölkerung generell positiv wahrgenommen wird. Dass die Zustimmung aber so deutlich ausfällt, finde ich natürlich erfreulich.

Die Gegner stellen nun die Umfrage infrage und erklären, sie sei nicht repräsentativ. Was entgegnen Sie, als eine der Stimmen der Limmattalbahn, darauf?

Ich muss den Kritikern widersprechen. Ich war selber schon wiederholt Auftraggeber für Umfragen im Zusammenhang mit Wahlen oder dem Hauseigentümerverband. Dabei hat mich überrascht, dass schon eine kantonsweite Umfrage, bei der nur gut 300 Personen befragt wurden, mit einer maximalen Abweichung von 3 Prozent repräsentativ ist. Diese Institute wissen, was sie tun.

Was nebst der grossen Zustimmung auffällt, ist, dass relativ viele Leute noch keine Meinung zur Limmattalbahn haben. Woran liegt es?

Tatsächlich weiss ein Drittel der Personen in den Standortgemeinden sowie fast die Hälfte ausserhalb noch nicht, was sie zum Projekt sagen sollen. Damit kommt auf verschiedene Leute, unter anderem auf mich, noch eine grosse Aufgabe zu. Wir müssen aktiver werden und dafür sorgen, dass das Projekt bekannter wird.

Dann geben Sie den kritischen Stimmen recht, die sagen, man höre zu wenig von der Allianz Pro Limmattalbahn?

Ich nehme diese Kritik ernst. Aber es ist alles eine Frage des Masses. Es ist weder interessant noch zielführend, wenn ich sieben Mal das Gleiche sage.

Was ist denn das richtige Mass?

Jedes Mal, wenn es mit dem Projekt einen Schritt vorwärtsgegangen ist, kann man sich wieder äussern. Wenn es nichts Neues gibt, muss man sich nicht ständig inszenieren.

Trotzdem: Manchmal hat man den Eindruck, die 6 Prozent Gegner des Projekts seien lauter als die 61 Prozent Befürworter. Sich für die Limmattalbahn starkzumachen, ist doch eine der Aufgabe der Allianz. Sind Sie zu wenig laut?

Die Lautstärke sagt nichts über die Qualität der Aussagen aus. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Gegner, gerade wenn sie zahlenmässig unterlegen sind, viel lauter sind. Sie versuchen umso vehementer, sich mit ihren Behauptungen Gehör zu verschaffen. Aber wahrscheinlich müssten wir uns tatsächlich öfters zu Wort melden.

Was haben Sie geplant?

Ich bin dabei, im Grossraum Limmattal weitere Persönlichkeiten zu suchen, die ein Bekenntnis abgeben für die Limmattalbahn. Mir ist es wichtig, dass darunter viele politische Menschen sind, die mit ihrem Kopf hinstehen und sagen: Jawohl, das ist eine gute Sache.

Was bringen solche Bekenntnisse dem Projekt konkret?

Es ist gut möglich, dass es zu einer Abstimmung kommt. Im Vorfeld müssen wir einerseits den Leuten im Limmattal, die das Projekt befürworten, eine Stimme geben. Andererseits muss das Projekt in beide Kantone herausgetragen werden. Eine Abstimmung darf nicht scheitern, weil man es verpasst hat, die Leute im Zürcher Oberland davon zu überzeugen, dass die Bahn nötig ist. Deshalb braucht es möglichst viele Menschen, die dafür weibeln.

Gegen das Projekt gingen fast 200 Einsprachen ein, unter anderem von den Gemeinden Dietikon, Schlieren und Spreitenbach. Haben Sie damit gerechnet?

Die grosse Zahl der Einsprecher erstaunt mich nicht. Denn wer weiterhin am Verfahren beteiligt bleiben wollte, musste eine Einsprache machen. Sonst verliert man bis zum Urnengang seine Stimme. Die Leute haben damit einfach ausgedrückt: Wir wollen uns weiterhin an dieser Diskussion beteiligen können.

Das ist eine sehr optimistische Sichtweise.

Ich bin überzeugt, dass diese Einsprachen das Projekt nicht ernsthaft gefährden werden. Ich gehe davon aus, dass der grösste Teil davon wieder zurückgezogen wird und es keine grossen Verfahren gibt.

Bei Regierungsrat Ernst Stocker war angesichts der vielen Kritik am Projekt mehrmals eine gewisse Irritation zu spüren. Einmal sagte er: «Ich will dem Limmattal eigentlich ein Geschenk machen. Am Schluss müsst ihr es aber wollen.»

Ich bin sicher, dass Herr Stocker mit dieser Situation umgehen kann. Kritik gibt es bei Verkehrsprojekten immer. Wichtig ist, dass die überwältigende Mehrheit offensichtlich den Bedarf nach diesem Verkehrsträger erkannt hat und das Projekt unterstützt. Die Detailfragen wird die Limmattalbahn AG direkt mit den entsprechenden Personen lösen. Sie muss die Bevölkerung möglichst partnerschaftlich wahrnehmen und ihre Sorgen ernst nehmen.

Bei den Einsprachen aus Schlieren und Dietikon geht es aber um weit mehr als Detailfragen. Macht es Ihnen kein Bauchweh, dass man sich in grundsätzlichen Fragen plötzlich wieder uneinig ist?

Ich bin zuversichtlich, dass man Lösungen finden wird. Der Dietiker Stadtrat will das Optimum für seine Stadt herausholen. Doch es gibt hier wohl noch gewisse Missverständnisse beziehungsweise Fragen, die geklärt werden müssen.

Soll die Bahn wie vorgesehen an den Bahnhof Dietikon fahren oder, wie es der Stadtrat nun will, nicht?

Diese Frage müssen Stadt- und Verkehrsplaner im Diskurs mit dem Stadtrat beantworten.

Sie selber wohnen in Aesch. Werden auch Aesch, Birmensdorf, Uitikon und die Gemeinden rechts der Limmat von der Bahn profitieren?

Es gibt erstaunlich viele Leute, die glauben, Aesch gehöre zum Säuliamt. Ich stelle dann immer reflexartig klar, dass wir zum Limmattal gehören. Auch wir interessieren uns für die Entwicklung der Region, auch wenn die Bahn nicht direkt bei uns durchfahren wird.

Wird sie trotzdem einen positiven Effekt auf diese Gemeinden haben?

Das glaube ich auf jeden Fall. Das Limmattal soll nicht mehr länger die Region sein, die man bloss wahrnimmt, weil der Gubrist wieder einmal verstopft ist. Dank der Limmattalbahn wird die ganze Region eine positive Entwicklung durchmachen und in einem neuen Licht dastehen. Das ist für alle ein Gewinn.

Ist das auch Ihre persönliche Motivation für Ihren Einsatz?

Ich bin Limmattaler und setze mich für die Entwicklung der Region ein, die mir am Herzen liegt. Zwar bin ich nicht von dort, wo die Bahn durchfahren soll. Doch die Welt hört nicht an der Grenze von Aesch auf. Wir sind beteiligt an der Entwicklung des Limmattals.

Der Bund will Gelder für die Limmattalbahn nur etappenweise sprechen, was in der Region Empörung ausgelöst hat. Auch bei Ihnen?

Im schlimmsten Fall könnte eine Etappierung das Ende des Projekts bedeuten, weshalb wir das nicht akzeptieren wollen.

Können Sie hier Druck machen?

Nächste Woche habe ich einen Termin bei Bundesrätin Doris Leuthard. Sie lädt mich als Präsident des Hauseigentümerverbands Schweiz viermal jährlich zum Gespräch ein. Das ist für mich immer auch eine Gelegenheit, um über anderes zu sprechen. Ich habe ihr bereits einmal gesagt, dass wir mit der geplanten Etappierung nicht glücklich sind. Und ich werde es ihr wieder sagen. Je öfter sie es hört, desto besser.

Sind Sie zuversichtlich, dass die Limmattalbahn 2019 fahren wird?

Ja. Ich sehe zurzeit nichts, was das Projekt vom Kurs abbringen könnte. Damit das aber so bleibt, müssen diejenigen, die sich für die Bahn engagieren, weiterhin am Ball bleiben.

Also auch Sie.

Genau. Wenn ich von anderen etwas verlange, dann mache ich es zuerst auch für mich selber.