In der Mitte eine geteilte Hostie, die angedeutet gehalten wird. Von oben bis unten der weisse Gnadenstrom, der Gott mit den Menschen verbindet. Unten sind in blaugrün die Erde und das Wasser dargestellt. Wasser steht hier auch symbolisch für die Taufe, durch das ein Kind erst zum richtigen Christen wird. So erklärt Diether F. Domes sein Bild. An dem Motiv habe der deutsche Künstler nicht lange überlegen müssen. «Ich kam in die Kirche und mir war schnell klar, was dort hinter den Altar gehört», sagt Domes.

Dass er überhaupt zu seinem ersten grossen Auftrag in der Schweiz kam, hat Domes seinem Bekannten Wolfgang Arnold, Pastoralassistent in der St.-Mauritius- Kirche in Oberengstringen, zu verdanken. Als die Sache mit dem Altarbild konkret wurde, dachte Arnold sofort an Domes und stellte ihn der Kirchengemeindeversammlung vor. «Es war Liebe auf den ersten Blick», sagt Kirchenpflegepräsidentin Ursula Schöpf. Sie hätten sehr viel Glück mit Domes gehabt und die Zusammenarbeit sei von Anfang an reibungslos verlaufen.

Die Kirche brauchte mehr Farbe

Die Idee einer Verschönerung der Wand hinter dem Altar schwebte schon lange im Raum. «Viele Kirchgänger bemerkten, wie kahl die Wand war und auch uns war die Kirche zu wenig bunt», sagt Schöpf. Zuerst wollte die Kirchgemeinde deshalb nachträglich ein Fenster einsetzen lassen. «Das war natürlich nicht möglich und so wurde die Idee eines Altarbildes schnell real», so Schöpf. Sie liessen Domes von Anfang an freie Hand bei der Gestaltung des Bildes. Sie hätten genug Vertrauen gehabt und gewusst, dass am Ende etwas Gutes dabei herauskommen würde.
Aus denselben Gründen bekam Domes den Auftrag ziemlich schnell zugesichert. Danach machte er sich sofort daran, diverse Entwürfe zu gestalten. Drei davon wurden schliesslich der Kirchgemeindeversammlung vorgelegt. «Das Motiv war immer dasselbe, nur die Kompositionselemente unterschieden sich», so Domes. So habe sich beim einen Entwurf an der Stelle des Wassers eine Art offene Mauer befunden. Dieses Element wurde aber von allen zu stark mit einer Abwehrhaltung assoziert und wurde deshalb wieder verworfen.

Am Hauptmotiv der geteilten Hostie musste Domes hingegen nicht lange überlegen und experimentieren. «In sehr vielen meiner freien Arbeiten kommt ein geteilter Kreis vor. Mich interessiert das Offene, nicht das Fixe. Etwas Abgeschlossenes ist doch langweilig», erklärt Domes.

Vom Entwurf zum Glasbild

Als der Entwurf fertig war, wurde er der Firma Mäder in Zürich übergeben. Ein halbes Jahr arbeitete sie daran, das Bild von Papier auf Glas zu bringen. Das Werk besteht aus zehn einzelnen Glastafeln, die am Ende zusammengesetzt wurden. Jedes farbige Stück Glas wurde in Bayern mundgeblasen, weshalb sich auch kleine Unregelmässigkeiten im Bild befinden. «Aber genau diese Farbverläufe machen so ein Bild aus», sagt Domes.
Seit letzter Woche hängt das Bild nun in der St. Mauritius Kirche und wird von zwei LED-Schienen beleuchtet. «Schön ist, dass das Licht dimmbar ist. So kann in der Adventszeit besinnlicheres Licht gewählt werden als im Sommer», so Domes.

Am 21. September findet der Eröffnungsgottesdienst mit anschliessendem Fest statt. Dann wird nicht nur das Bild eingeweiht, auch die Arbeiten am Dach und in der Kirche sind bis dahin abgeschlossen.