Weiningen
Es grünt wieder nach dem Hageldesaster in Weiningens Reben

Grün ist die Farbe der Hoffnung. Das verheerende Unwetter Mitte Jlui hat die Reben Weiningens übel zugerichtet. Sogar mit dem Totalausfall der Ernte wurde gerechnet. Doch nun sind die Pflanzen aus ihrer Schockstarre erwacht.

Nicole Emmenegger
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Die ersten neuen Triebe wachsen an den vom Hagel verletzten Rebstöcken. Weinbauer Hanspeter Haug freut sich darüber. nem

Die ersten neuen Triebe wachsen an den vom Hagel verletzten Rebstöcken. Weinbauer Hanspeter Haug freut sich darüber. nem

Limmattaler Zeitung

Grün ist die Farbe der Hoffnung. Das gilt derzeit besonders für die Weininger Weinbauern. Der verheerende Hagelsturm von Mitte Juli hatte die Reben auf den rund 30 Hektaren Anbaufläche in der Gemeinde übel zugerichtet: zerfetzte Blätter, zerplatzte Trauben, abgeknickte Äste. Manche Winzer rechneten mit dem Schlimmsten: mit dem Totalausfall ihrer Ernte.

Gut drei Wochen später gibt es einen grünen Hoffnungsschimmer in den Rebbergen: Die Pflanzen sind aus ihrer Schockstarre erwacht, an den malträtierten Ästen wachsen neue Triebe in die Höhe. «Wir können jetzt nicht viel mehr tun, als sie wachsen zu lassen und zu hoffen», sagt Robin Haug, Winzer und Sohn des Weingutbesitzers Hans-Heinrich Haug. Seit dem Hagelsturm spritzen die Weinbauern weiterhin Fungizide, um die angegriffenen Pflanzen gegen Pilzbefall zu schützen – denn die nachwachsenden Schösslinge sind ein kostbares Gut: Die neuen Blätter produzieren durch die Fotosynthese überlebenswichtige Energie für die Rebstöcke und Zucker für die verbleibenden Trauben.

Traubensaft statt Wein?

Ob die nun hergestellten Nährstoffe allerdings ausreichen, um die Früchte bis zur Ernte genügend süss werden zu lassen, sei nicht garantiert, sagt Robin Haug. Positiv wirke sich die Tatsache aus, dass die Pflanzen aufgrund des schönen Frühlings einen Wachstumsvorsprung von drei Wochen hatten. Die dreiwöchige Schockstarre nach dem Hagel, in der die Pflanzen keinen Zucker hergestellt haben, falle deshalb etwas weniger ins Gewicht.

Was hingegen Sorgen bereite: «Wir haben keine Erfahrung damit, wie schnell die neue Blätterwand wächst und wie leistungsfähig sie ist. Die diesjährige Traubenlese wird deshalb möglicherweise später stattfinden», so Haug. Klarheit über den Zustand den Reben und über das weitere Vorgehen solle ein Treffen der Weininger Weinbauern mit dem kantonalen Rebbaukommissär und mit weiteren Experten Mitte August bringen.

Falls der Öchslewert trotz späterer Lese zu gering für einen guten Wein sein sollte, würden die Früchte laut Haug dennoch gepresst: «In diesem Fall verarbeiten wir die Trauben zu Traubensaft und Sauser.» Gibt es also womöglich keinen Weinjahrgang 2011 aus dem Weingut Haug? «Doch, es wird mit Sicherheit einen Jahrgang 2011 geben», sagt der Winzer. Um die Kunden nicht vertrösten zu müssen, ziehe man in Erwägung, je nach Qualität und Menge der eigenen Ernte zusätzlich Trauben von
anderen Bauern aus dem Kanton Zürich zu beziehen und zu verarbeiten. «Ich denke, die Kunden würden es verstehen, wenn sie für einmal keinen neuen ‹Weininger Wein› sondern neuen ‹Zürcher Wein› bei uns kaufen könnten.»

«Es wird Weininger Wein geben»

Zuversichtlich, dass die verbleibenden Weininger Trauben die notwendigen Öchslewerte erreichen, zeigt sich Gemeindepräsident und Weinbauer Hanspeter Haug: «Ich bin der Meinung, dass wir mit unseren diesjährigen Trauben Wein produzieren können.» Der Hagel habe zwar die Blätter zerstört, aber auch viele Trauben, sodass weniger Früchte mit Zucker versorgt werden müssten.

Wie gross die Schäden bei den Trauben sind, hat die Hagelversicherung inzwischen provisorisch ermittelt: 60 bis 90 Prozent der Früchte haben den Hagel nicht überlebt – je nach Widerstandsfähigkeit der Traubensorten variieren die Werte. Eine zweite Schätzung wird es im September geben.

Die «Wümmet» wird schwierig

Auswirkung hat der Verlust nicht nur auf die Traubensaft- oder Weinmenge, sondern auch auf den Ablauf der Traubenlese im Herbst. «Es wird ein grosser Aufwand, die Trauben zu holen», so Hanspeter Haug. Manche der beschädigten Beeren würden aufgrund der mangelhaften Nährstoffversorgung grün und sauer bleiben. Diese müsse man bei der «Wümmet» von Hand entfernen.

Der finanzielle Schaden für die Weininger Weinbauern und für die Hagelversicherung lässt sich derzeit noch nicht beziffern: «Das ist sehr schwer abzuschätzen. Der Schaden hängt davon ab, ob und wie viel Wein wir mit den verbleibenden Trauben produzieren können», sagt Robin Haug.

Für einen Verlust kann die Hagelversicherung die Weinbauern nicht entschädigen: den emotionalen. «Ich war am Mittwoch im Welschland, wo es nach sensationellem Jahrgang aussieht. Danach war es umso härter, zu Hause den verschlagenen Rebberg anzutreffen», so der junge Winzer Haug. Auf dem Weingut der Eltern werde bei der nächsten Neubepflanzung bei zwei, drei Reihen der Einsatz von Hagelschutznetzen getestet.