Am 11. Mai besucht der Mond den immer noch sehr auffälligen rötlichen Mars in der Jungfrau und am 14., nun in voller Gestalt, den Ringplaneten Saturn in der Waage. Am westlichen Abendhimmel kann man in der 2. Monatshälfte auch noch den sonnennahen Merkur aufspüren. Frühaufsteher hingegen werden den ganzen Monat hindurch am Osthorizont von der Venus in der Rolle des «Morgensterns» begrüsst.

DIE IMMER SPÄTEREN Sonnenuntergänge lassen erst von etwa 22 Uhr an so richtig Freude an der Sternenpracht des Frühlings-Nachthimmels aufkommen. Eine Ausnahme bilden allerdings (neben dem Mond) zwei Gestirne, die uns schon bei Dämmerungsanfang auffallen: halbhoch im Westen der Riesenplanet Jupiter sowie über dem Nordosthorizont der rötliche Mars. Gegen 22 Uhr stösst man hoch über uns auf die 7 Sterne des Grossen Wagens. Verlängert man seinen Deichselbogen nach unten, erreicht unser Blick zunächst den Stern Arktur im Bootes. Führt man den Bogen noch weiter, gelangt man zum Mars und gleich schräg darunter zum Jungfrau-Stern Spica. Im Unterschied zu den funkelnden Sternen leuchten die sonnenbeschienenen Planeten in ruhigem Licht. Sie sind uns so nahe, dass sie halt schon flächig und nicht bloss punktförmig leuchten. Daher wird ihr Licht in der Erdatmosphäre weniger gestört.

SENKT MAN DEN BLICK vom Grossen Wagen aus zum Nordhorizont, gelangt man zum Himmelsdrachen, darunter zum Kleinen Wagen mit dem Polarstern und schliesslich zum horizontnahen Sternen-«W» der Cassiopeia. Im Westen ist nun auch der Oberkörper vom Himmelsjäger Orion im Horizontdunst untergetaucht, doch der helle Jupiter im Bild der Zwillinge ist noch gut erkennbar. Es gehört zum Band der 12 Tierkreisbilder, von denen nach links (ostwärts) Krebs, Löwe, Jungfrau und (über dem Südosthorizont) die Waage anschliessen.

DAS STERNBILD WAAGE ist für alle, die erst angefangen haben, sich mit Himmelsbildern zu befassen, eher schwierig aufzufinden. Es besteht aus nur schwach leuchtenden Sternen und hebt sich somit an unserem heute «lichtverschmutzten» Nachthimmel fast nicht ab. Gegenwärtig steht aber der deutlich hellere Saturn mitten in diesem Bild und dient als Orientierungshilfe.

Bereits 62 MONDE sind uns bei diesem Ringplaneten bekannt – angefangen mit Riesen wie Titan, der grösser ist als der Planet Merkur, bis hin zu vielen Winzlingen. Diese kleineren bestehen vorwiegend aus Eis, ähnlich wie auch Saturns Ringe. Daher vermuten Forscher schon lange, dass Ringe und Monde eng miteinander verknüpft sind: Monde können sich aus zusammengeballten Ringpartikeln bilden; umgekehrt entstehen neue Ringe, wenn ein Mond zerbricht. Momentan glaubt man, direkt mitverfolgen zu können, wie sich aus einer auffälligen Turbulenz im innersten Ring ein neuer Mond bildet. Noch ist das vorerst «Peggy» getaufte Objekt bloss einen Kilometer gross; es setzt sich vermutlich aus Eispartikeln zusammen. Die nächsten Überflüge der Saturn umkreisenden Raumsonde «Cassini» könnten jedoch Klarheit schaffen.

«IN OPPOSITION» heisst in der Astronomie und bezogen auf die Erde, dass ein Planet für uns vis-à-vis der Sonne steht, also «in ihrem Gegenschein». Oder anders gesagt, dass Sonne, Erde und Planet von oben gesehen auf einer Geraden liegen. Dies ist dann der Fall, wenn die Erde «auf Innenbahn» am Planeten vorbeizieht. Für wenige Wochen steht er uns näher als sonst und leuchtet daher auch etwas heller. Saturn-Oppositionen ereignen sich im Abstand von etwa 54 Wochen. In diesem Jahr ist es am 10. Mai so weit. In der nächsten Zeit lohnt es sich ganz besonders, den «Herrn der Ringe» im Sternwarten-Fernrohr zu betrachten, denn auch sein Ringsystem zeichnet sich nun wunderschön ab.

JUPITER UND SATURN, aber auch die von blossem Auge nicht sichtbaren Uranus und Neptun, sind Gasriesen. Im Unterschied zu den Sonnen näheren Gesteinsplaneten Merkur, Venus, Erde und Mars haben sie keine vergleichbar feste Oberfläche. Doch ihre Monde sind für die Forscher äusserst interessant. So macht gegenwärtig der Saturn-Mond Enceladus von sich reden. Zwar ist er mit 500 Kilometern Durchmesser nicht besonders auffällig, doch unter seiner Oberfläche soll sich, wie man in den letzten Wochen hören konnte, Sensationelles verbergen: Vermutlich existiert unter der gut 30 km mächtigen Eiskruste ein mehrere Kilometer tiefer Wasserozean. Dabei stellt sich natürlich auch die Frage, ob sich darin Lebensformen entwickelt haben.

MERKUR SCHENKT UNS von Mitte Monat bis in den Juni hinein seine schönste diesjährige Abendsichtbarkeit. Am besten sucht man ihn in der zweiten Maihälfte gegen 21.30 Uhr über dem Westnordwesthorizont. Gewiss leistet dabei anfänglich ein Fernglas gute Dienste. Wenig rechts von Merkur, aber deutlich höher, ist der Stern Capella im Fuhrmann ein Merkpunkt. Am 30. Mai zeigt sich die schmale Mondsichel schräg unter dem gelblich leuchtenden Merkur und dem Horizont. Schon länger wird darüber spekuliert, dass vor Jahrzehnten freigesetzter Staub des Kometen LINEAR am 24. Mai frühmorgens zu einer starken Sternschnuppen-Aktivität führen könnte, weil dann die Erde diese feinen Staubschichten durchquert. Vielleicht erleben wir dabei ein kleines himmlisches Feuerwerk.