Bergdietikon
«Es geht um Spass, wir Eltern unterstützen die Kinder nur»: das Grümpi als Familientradition

Zum 18. Mal wurde das Fussballturnier ausgetragen. Fairplay und ein gutes Miteinander standen dabei im Zentrum.

Ly Vuong
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Ly Vuong
 Die Grümpi-Teilnehmer gaben auf dem Sportplatz Vollgas.

Die Grümpi-Teilnehmer gaben auf dem Sportplatz Vollgas.

Ly Vuong

Das 18. Bergdietiker Grümpi verwandelte am Samstag den Sportplatz auf dem Schulhausareal zum Ort des runden Leders. 17 Teams, drei mehr als letztes Jahr, lösten bei den Zuschauern zahlreiche Wow- und Jöö-Reaktionen aus. So legte ein kleiner Bub mitten im Spielfeld eine Art Regentanz um die eigene Achse hin. Vielleicht weil er glaubte, so den Ball zu finden, während die erwachsenen Mitstreiter dem Ball nacheilten, der aus dem Feld zu rollen drohte. Beim Penaltyschiessen gab es Szenen wie bei den Profis: scharf in die Ecke oder mit einem grossen Bogen ins Tor geschossene Bälle. «Die Erwachsenen haben beim Penaltyschiessen den Kindern oft den Vorrang gelassen. Das hat mir grosse Freude gemacht. Genau diese Rücksichtnahme zeigt die Idee hinter dem Grümpi», sagte Paul Meier, Präsident der Dorfgemeinschaft, die das Grümpi organisiert.

Martin Suter (55) aus Bergdietikon «Früher nahmen meine Kinder teil. Nur Zuschauen ist aber nichts für mich. Ich bin schon 14 Jahre mit dabei, zuerst mit der Feuerwehr, nun mit dem Sportverein Bergdietikon. Die Teilnehmer sind oft die gleichen. Man kennt sich. Es ist etwas Schönes, zusammen dem Sport zu frönen.»
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Yangchen Shen (5) aus Bergdietikon «Ich bin zum ersten Mal mit dabei. Der Kampf um den Ball macht mir am meisten Spass. Ich freue mich sehr, wenn ich im Ballbesitz bin. Mein Vater hat an zwei Abenden mit mir geübt und mich aufs Grümpi vorbereitet. Ich bin gespannt, wie unser Team ‹Bergdietikind United› abschneiden wird.»
Silvan Bühlmann (16) aus Bergdietikon «Mit der Pfadi Limmattal bin ich zum vierten Mal dabei. Es ist cool, dass es im Dorf so einen Anlass gibt, der einem die Möglichkeit bietet, mit Kollegen zusammen zu sein. Schiessen wir ein Tor, machen wir dieses Jahr Purzelbäume auf dem Rasen und schreien laut ‹Yeeee›.»
Tanja Braunbock (15) aus Bergdietikon «Ich bin von meiner Mutter angefragt worden, das Grümpelturnier in Fotos festzuhalten. Der Anlass gefällt mir, die Stimmung ist familiär, man spürt die Motivation, zusammen eine gute Zeit haben zu wollen. Ich hoffe, dass ich das auch auf den Fotos einfangen kann.»
Eva Biffiger (12) aus Bergdietikon «Ich bin im Team ‹Rosegirls›, der einzigen reinen Mädchengruppe. Weil in unserer Altersklasse nur eine andere Gruppe spielt, sind wir in der Familienkategorie eingeteilt. Das Turnier ist ein guter Freizeitvertreib. Wenn ich älter bin, werde ich sicher gerne daran zurückdenken.»
Adrian Matt (53) aus Rudolfstetten «Durch meine Söhne kam ich zum Grümpi. Statt mit den Schiedsrichtern zu schimpfen, wollte ich selbst Schiri werden. Das mache ich nun schon seit zehn Jahren. Als Schiri ist es wichtig, unsichtbar zu bleiben und trotzdem ist es schön, wenn die Teams nach dem Spiel Danke sagen.»

Martin Suter (55) aus Bergdietikon «Früher nahmen meine Kinder teil. Nur Zuschauen ist aber nichts für mich. Ich bin schon 14 Jahre mit dabei, zuerst mit der Feuerwehr, nun mit dem Sportverein Bergdietikon. Die Teilnehmer sind oft die gleichen. Man kennt sich. Es ist etwas Schönes, zusammen dem Sport zu frönen.»

Limmattaler Zeitung

Das Grümpi ist ein Plauschturnier. Mitmachen dürfen Teams, die einen Bezug zum Dorf haben. Dabeisein zählt mehr als Gewinnen. So konnten in der Kategorie «Familie» Kleinkinder und Erwachsene gegeneinander ankämpfen. Erwachsene spielten dabei etwas vorsichtiger, wenn kleine Kinder auf dem Feld waren. Jennifer Marti sagte es so: «Es geht um Spass, wir Eltern unterstützen die Kinder nur». Auf dieses Miteinander legte auch Simona Ponte Wert, deren Dreijähriger Sohn Alessio im Team «La Famiglia Jr» mitspielte: «Wir schauen, dass Alessio bei jedem Match kurz eingesetzt wird», so die Mutter. Die Familie Ponte sei eine Fussballerfamilie. Sein Onkel Raimondo war GC-Spieler und FCZ-Trainer, erzählte Olivero Ponte, der zwei Teams mit Verwandten aufstellte und zum siebten Mal mitmachte.

Lockere Stimmung

Auch für Cornelia Meyer gehört das Grümpi mittlerweile zur Familientradition. Zum neunten Mal nahmen Meyers teil. Zwar sei die Familie mehr von Eishockey und Eislaufen angetan. Doch einmal im Jahr spielten sie hier Fussball, erzählte sie. «Wir haben uns noch nie verletzt, obwohl wir nur einmal im Jahr Fussballspielen», ergänzte ihre 15-jährige Tochter Vivienne. Bereits zum sechsten Mal dabei war der 28-jährige Nicholas Brown, der in Bergdietikon aufwuchs. Er war auch an anderen Grümpelturnieren, doch hier sei die Stimmung am besten, locker und familiär. Dies zeige sich auch an den Spielregeln. «Die Fussballfelder befinden sich auf einem Hügel. Spielt jemand den Ball ins Tal, muss derjenigen ihn auch holen gehen. Das kann schon mal 20 Minuten in Anspruch nehmen. Kommt man zurück, ist der 13-minütige Match oftmals schon vorbei. Man nimmt es aber mit Humor», sagte Brown, der im Team «Atletico Vollblao» mitspielte.

200 Liter Bier

Die Pfadi Limmattal war mit einem eigenen Crêpes-Stand vor Ort. «Wir haben Teig für 100 Portionen vorbereitet, mussten aber nachproduzieren, weil die Crêpes so gut ankamen. Unser Apfelmus ist selbst gemacht, aber Nutella läuft am besten», sagte der 22-jährige Kevin Schulthess. «Bei der Festwirtschaft der Dorfgemeinschaft werden im Schnitt rund 80 Cervelats, 200 Bratwürste, 2,5 Meter Kuchen, etwas Wein, 125 Liter Getränke und 200 Liter Bier am Grümpi konsumiert», sagte Paul Meier. Im Gegensatz zum regen Betrieb der Essensstände hatten die Samariter einen ruhigen Dienst. «Im Vergleich zum vorletzten Jahr verzeichnen wir heuer nur Bagatellfälle wie Muskelkrämpfe oder Wespenstiche», erklärte Samariter Sacha Hartmann.

In der Kategorie «Kinder Mittelstufe» gewann das Team «8962». Bei der Kategorie «Familien» siegte «Lost in Transition». Bei den «Jugendlichen/Erwachsenen» belegte «Atletico Vollblao» den ersten Platz und bei der «Ü35»-Gruppe siegte «La Famiglia».
Das Bergdietiker Ortsmuseum im Untergeschoss des Gemeindehauses hatte während des Grümpis extra offen. Auf Anfrage öffnet das Museum auch ausserhalb der Öffnungszeiten, so zum Beispiel einmal für die Verwandten aus Amerika einer Bergdietiker Familie, sagte Brigitte Diggelmann vom Ortsmuseum. Die aktuelle Ausstellung zeigt «Bergdietikon im Schatten des 2. Weltkriegs». Dafür wurde in alten Zeitungsberichten recherchiert und noch erhaltene Fotos, Dokumente und Materialien von Familien zusammengetragen.