Die Wahrscheinlichkeit, beim Joggen oder Spazieren auf einen Boxerhund zu treffen, dürfte gestern klein gewesen sein. Dutzende dieser so melancholisch aussehenden Tiere trafen sich mit ihren Besitzern nämlich auf einer kleinen Wiese vor der Reithalle im Vogelsang in Birmensdorf. Dort fand die diesjährige Schweizer Jahressieger-Zuchtschau statt. Es war die 23. Ausgabe dieses Anlasses, der ein Fest ist für Liebhaber von Boxerhunden. Neben Teilnehmern aus der Schweiz, fanden sich auch solche aus Deutschland, Frankreich und gar aus Spanien ein.

Boxerhunde aller Altersklassen warteten darauf, sich im «lime light» der strahlend hellen Junisonne präsentieren zu dürfen. Sie waren angetreten, just das unter Beweis zu stellen, was für viele Leute nicht unmittelbar einsichtig sein mag, dass nämlich die Begriffe «Schönheit» und «Boxerhund» durchaus zusammenfallen können.

Nur gelegentlich auf sympathische Weise etwas Speichel schleudernd, ansonsten aber ruhig und wohlerzogen, spielten die Hunde im Schatten der Reithalle. Ihre Besitzer sassen derweil auf Campingstühlen und Festbänken und unterhielten sich miteinander. Willig gaben sie Auskunft und versuchten das «Faszinosum Boxerhund» auch einem Uneingeweihten näherzubringen.

Der «Clown unter den Hunden»

«Einmal Boxerhund, immer Boxerhund», meinte Hanspeter Kull, der Organisator des Anlasses. Sehr verspielt sei diese Rasse und lebhaft bis ins hohe Alter. Der Boxer sei eigentlich der «Clown unter den Hunden». Dazu komme natürlich das charakteristische Aussehen, das Stämmige, Quadratisch-Aufrechte und nicht zuletzt jenes unverwechselbare Gesicht, das hinter der Stupsnase und den hängenden Backen eine geheimnisvolle Tiefe vermuten lässt.
Als «Bullenbeisser» oder «Saupacker» waren sie früher bekannt. Ein Hinweis darauf, dass der Boxer ursprünglich als Jagdhund gezüchtet wurde. Heute aber tragen diese Tiere viel klingendere Namen, ganz aristokratische bisweilen. So gaben sich unter anderem ein «Jorien von der Elchtränke» und ein «Lakisha von Rheindelta» die Ehre. Von ihren Besitzern werden sie aber auch einfach «Eywa» oder «Quissy» gerufen.

Stramme Position

Auf einer abgesteckten Rasenfläche konnten die Boxer im Verlaufe des Mittags und des Nachmittags ihre Vorzüge präsentieren. Das Locken mit einem Ball stellte sicher, dass sich die Hunde vor den Schiedsrichtern in eine stramme Position brachten. Schön waren so die muskulösen, plastisch hervortretenden Partien zu erkennen. «Es geht hier um reine Schönheit», so Gerd Jezernik, der etwas nervös war, weil gleich sein Hund «Enzo-Ferrari von Chakira» zum Einsatz kommen sollte. «Die Zähne und der ganze Körper werden begutachtet.»
Ganz wichtig, so Jezernik weiter, sei auch das Traben, das jeweils als krönender Abschluss an der Leine des Besitzers zur Schau gestellt wird. Dieses müsse «raumgreifend» vonstattengehen, «schöne lange Schritte» sollten es sein, ein blosses Hinterhertrotten genüge den Schiedsrichtern nicht. «Enzo-Ferrari», der bereits europäischer Jugend-Champion ist, machte seine Schritte jedenfalls souverän.