Man kommt kaum nach, so schnell flitzen die Finger über die Tastatur des Schwyzerörgelis. Die Mitglieder der Schlieremer Schwyzerörgeli-Gruppe tragen blaue Gilets und bunte Foulards. Sie spielen das urchige Stück «Rund um de Säntis». Die Zuschauer jauchzen und klatschen. In der ersten Reihe der Musikanten sitzt Sylvia Bader. Sie gehört schon fast zum Inventar der Gruppe. Bereits seit 23 Jahren spielt sie in der Formation, 15 Jahre davon auch als Präsidentin.

«Vor acht Jahren wollte ich mich aus dem Präsidium zurückziehen, doch da drohte der Verein auseinanderzubrechen», sagt sie. Dass ihre zehnjährige Arbeit als Vereinspräsidentin umsonst gewesen sein sollte, war für sie fast unerträglich. Deshalb verpflichtete sie sich nach drei Jahren Pause zum zweiten Mal als Präsidentin. Seither hält die 71-Jährige den Verein wieder zusammen. Motivation und Energie dazu fehlen ihr selten. «Die Musik macht mir Spass. Zudem motiviert es mich, dass wir ein gewisses Level erreicht haben», sagt Bader.

Schwyzerörgeli oder Handorgel

Musik spielte schon früh eine wichtige Rolle im Leben Baders. «Im Alter von 14 Jahren spielte ich Handorgel», sagt sie. Doch irgendwann landete diese im Keller. Dort geriet sie immer mehr in Vergessenheit. Bei einem Umzug entdeckte die ehemalige Zivilschutzstellenleiterin sie wieder. «Sie war ganz verstimmt», sagt sie. «Ich verkaufte die Handorgel, hatte ich doch bereits einige Jahre zuvor angefangen, Schwyzerörgeli zu spielen.» Die beiden Instrumente seien aber unterschiedlicher, als man denke: «Beim diatonischen Schwyzerörgeli muss man den Ton ganz anders erzeugen als bei der chromatischen Handorgel.» Bader selbst hat früher oft den Schwyzerörgeli-Formationen zugeschaut. Doch nie traute sie sich, dieses Instrument zu erlernen. Eines Tages jedoch habe sie es mit ein paar anderen Freunden zusammen probiert. Da fing sie Feuer. Seither ist das Schwyzerörgeli ein Aufsteller für sie. «Wenn ich einen Tag habe, an dem mir alles stinkt, gehe ich örgele.»

Ihr Schwyzerörgeli-Wissen lernte sie grösstenteils bei Berti Lüthi, einer Mitgründerin der Schwyzerörgeli-Gruppe Schlieren. «Genauso machten es die meisten damaligen Gruppenmitglieder», sagt Bader. Um in der Grossformation zu spielen, müsse man sein Wissen aber immer auf dem neusten Stand halten. Sonst sei man nicht bereit für die Proben und Auftritte. Ihr persönliches Ziel wäre es, eine Stunde pro Tag zu üben. Doch meist schaffe sie es nur dreimal pro Woche.

Die 30 Laienspieler der Schwyzerörgeli-Formation stammen aus dem ganzen Kanton. «Sie kommen von weit her, da die Gegend keine typische Volksmusikregion ist», sagt Bader. Zudem gebe es wenig Grossformationen. Diese hätten jedoch den Vorteil, dass grundsätzlich jeder mitmachen könne. Denn durch die Grösse der Gruppe seien auch weniger fortgeschrittene Musikanten gut aufgehoben.

Ohne Noten spielen und lächeln

Neue Stücke zu lernen und die Fingerfertigkeit auf dem Schwyzerörgeli aufrechtzuerhalten, ist gerade für ältere Mitglieder eine Herausforderung. Das Schwierigste sei dabei, dass die Zuhörer erwarteten, dass die Schwyzerörgeli-Gruppe alles auswendig spiele. «Jedes Orchester hat Noten vor sich, nur bei uns erwartet man, dass wir auswendig spielen und gleichzeitig noch freundlich lächeln», sagt Bader. Die Schlieremer Schwyzerörgeli-Gruppe fordert dies jedoch nicht von den Musikanten. Wohl aber probieren die Örgeler in der vordersten Reihe, so viel wie möglich auswendig zu spielen.

Das kommt bei den Zuhörern umso besser an. Den meisten gefalle die Musik, so Bader. «Es gehört halt zur Schweiz und gibt ein Heimatgefühl.»