Bezirksgericht Zürich

Es gab vor dem Bezirksgericht keine Beweise für eine Vergewaltigung

Der Angeklagte musste sich vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten.

Der Angeklagte musste sich vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten.

Freispruch und 30 000 Franken Haftentschädigung für einen Limmattaler: Er wurde vom Vorwurf der Vergewaltigung einer jungen Frau freigesprochen.

Der verheiratete Mittzwanziger konnte gestern aufatmen. Der Limmattaler wurde vom Vorwurf der Vergewaltigung einer jungen Frau umfassend freigesprochen. Da er bereits seit dem 20. Oktober 2013 im Gefängnis sitzt, wurde ihm eine Haftentschädigung von 30 000 Franken zugesprochen.

Unbestritten war, dass die etwas über 20-jährige Geschädigte und der Limmattaler Mann am 16. Oktober 2013 in dessen Wohnung miteinander Geschlechtsverkehr hatten. Während der Verteidiger David Gibor wie sein Mandant von einvernehmlichem Sex ausging, sprach die zuständige Staatsanwältin Juliette Rüst von einer Vergewaltigung. So habe der Beschuldigte die Geschädigte gegen ihren Willen entjungfert. Worauf das Opfer geblutet und nach einem Bad den Tatort weinend verlassen habe.

Aussage gegen Aussage

Vor Gericht stand Aussage gegen Aussage. Umstritten war vor allem die Frage, ob die junge Frau gewusst habe, dass der Beschuldigte verheiratet ist. Sie selber verneinte das. Sie habe davon erst während der Untersuchung erfahren, gab sie zu Protokoll. Das Gegenteil behauptete der Beschuldigte und sah darin den Grund für die Strafanzeige. So habe er ihr eröffnet, dass er nicht mehr ledig sei. Worauf sie trotzdem mit ihm geschlafen und ihn danach gefragt habe, ob er nun seine Frau verlasse.

Als er verneint habe, sei die Geschädigte wütend geworden. Für Verteidiger Gibor war klar, dass die Geschädigte mit der Strafanzeige den Verlust ihrer Jungfräulichkeit vor einer Ehe mit einem Akt gegen ihren Willen rechtfertigen wollte.

Stereotype und vage Schilderung

Das Gericht folgte zum Schluss der Verteidigung und kam zu einem vollen Freispruch. Vor allem aufgrund erstaunlicher Widersprüche, welche die Frau während der Untersuchung getätigt habe. Zudem habe sie in einer ersten Einvernahme den Geschlechtsakt stereotyp und vage geschildert. Auch den angeblich verbalen Widerstand habe sie nicht spontan geschildert.

Dazu kamen auch noch zeitliche Ungereimtheiten. Einmal erklärte die Privatklägerin, dass sie vor dem Vorfall geweint habe. Bei einer anderen Einvernahme gab sie an, dass sie erst nach dem Geschlechtsverkehr Tränen vergossen habe. Auch bei der Zeitdauer der eingeklagten Vergewaltigung habe sie erstaunlich unterschiedliche Angaben gemacht, sagte der Vorsitzende.

Berufung ist möglich

Mit diesem Freispruch sollte der Beschuldigte bald wieder auf freien Fuss kommen. Allerdings kann die Gegenseite noch Berufung gegen den Freispruch einlegen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1