Der Dirigent Hugo Bollschweiler hob den Taktstock und blickte das Orchester an. Für einen Moment wurde es still in der Katholischen Kirche Schlieren. Dann folgte der furiose Start: Mit der majestätischen Phrase aus der Ouvertüre zur Oper La Clemenza di Tito, also Die Milde des Titus, von Wolfgang Amadeus Mozart eröffnete das komplette Stadtorchester Schlieren das diesjährige Sommerkonzert.

Für die 34 Musikerinnen und Musiker war der diesjährige Auftritt ein besonderer Anlass: Das Orchester feiert 2018 sein 70-jähriges Bestehen. Die Musiker hatten gleich mehrere Überraschungen für die Zuhörer geplant. Nach der Ouvertüre wurde die Solo-Trompeterin Manuela Fuchs als Ehrengast mit grossem Applaus auf der Bühne begrüsst.

«Sie reisst uns einfach mit»

Die 28-jährige Luzernerin begeisterte das Publikum mit ihrem gefühlvollen, dynamischen Spiel im Solopart des Konzerts für Trompete und Orchester von Johann Nepomuk Hummel. Doch nicht nur die Zuhörer genossen die Präsenz der Solistin. «Es ist wirklich genial, mit Manuela Fuchs zu spielen. Sie reisst uns einfach mit», sagte Cristina Zanetti, die die erste Violine spielte.

Stadtorchester Schlieren: Jubiläumskonzert mit Überraschungen

Das Trompeten-Solo von Manuela Fuchs.

Trompeterin Fuchs ist eine Bekannte des Dirigenten Hugo Bollschweiler. Er hatte sie für das Jubiläumskonzert angefragt: «Ich habe mir gedacht, dass eine Trompete zu dem festlichen Anlass passt.» Das Orchester besteht hauptsächlich aus Laienmusikern und einer professionellen Konzertmeisterin.

Bollschweiler findet es immer inspirierend für das Orchester, wenn ein Solist mitspielt. «Man kann jemandem zuschauen, der sein Instrument wahnsinnig gut beherrscht. Das ist immer beeindruckend, vor allem, wenn die Person Spass beim Spielen hat.» Es sei ihm bei der Auswahl der Solisten wichtig, dass der persönliche Aspekt stimmt. Er müsse spüren, dass die Person gerne mit Laienmusikern spiele. «Das war bei Manuela Fuchs eindeutig der Fall.»

Klassik trifft auf Jazz

Dann folgte die zweite Überraschung: «Wir haben etwas Spezielles vorbereitet», adressierte Fuchs das Publikum, «so haben Sie das Stadtorchester vermutlich noch nie gehört.» Die Musiker spielten ein Stück von Harry James, das eigentlich für Big Bands gedacht ist und für das Orchester umgeschrieben wurde. Erneut bewies Fuchs, wie sehr sie ihr Instrument beherrscht. Sie spielte ihr Solo mit beschwingter Leichtigkeit und enormem Tempo. Besonders nach diesem Stück überhäufte das Publikum die Musiker mit Applaus und Jubel.

Dann vollendete das Orchester den Konzertabend mit der ersten Sinfonie von Ludwig van Beethoven und lud das Publikum zum anschliessenden Apéro im Freien ein. «Das war eine wunderbare Überraschung», sagte Konzertbesucherin Eugénie Keller.

Die Soli von Fuchs begeisterten sie besonders. Auch Paul Bucher, ein weiterer Besucher und Vater einer der Musikerinnen, gefiel das Konzert: «Ein Trompetensolo kommt nicht oft vor. Das hat das Konzert aufgelockert. Es war wunderbar.»