Limmattal

«Es fühlt sich an wie ein echter Stadtrundgang»: Jasmina Ritz über das 3D-Modell des Limmattals

© Barbara Scherer

Im Rahmen eines Pilotprojekts entsteht die Region als virtuelle Landschaft in 3D. Ein digitales Abbild einer ganzen Region ist ein Novum und eröffnet neue Möglichkeiten zur Planung.

«Wer es nicht selber erlebt hat, kann sich nur schwer vorstellen, worum es eigentlich geht», sagt Jasmina Ritz. Die Geschäftsführerin der Limmatstadt AG weiss wohl, dass dies eine schwierige Prämisse für die Promotion einer Idee ist.

Trotzdem: Am vergangenen Freitag bewilligte die Metropolitankonferenz Zürich das Projekt zur Erstellung eines digitalen 3D-Stadtmodells und stellt einen Betrag von 150 000 Franken in Aussicht. Somit werden in den kommenden Monaten die Arbeiten aufgenommen.

Mit an Bord sind weitere 17 Projektpartner, darunter die Gemeinden Schlieren, Dietikon und Urdorf, die kleine Beträge beisteuern. Weitere Gemeinden und Private bekundeten bereits Interesse. Doch wozu braucht das Limmattal ein digitales 3D-Stadtmodell?

Ritz kommt ins Schwärmen, wenn sie diese Frage beantwortet. Sie habe bereits das digitale Modell von Luzern mit einer Virtual-Reality-Brille erkunden dürfen und sei total begeistert gewesen. «Es fühlt sich an wie ein echter Stadtrundgang», sagt sie.

Zwar würden schon einige Städte über digitale Modelle verfügen. «Doch dass nun eine gesamte Region ein solches erhält, das im Gegensatz zu anderen auf fotorealistischen Google-Daten basiert, ist ein Novum», so Ritz.

Besser verständlich machen

Ziel sei es, das Limmattal in digitaler Form eins zu eins abzubilden, sodass es modifiziert werden könne. Neue Projekte können dann eingefügt und der Bevölkerung auf diese Weise veranschaulicht werden.

«Künftig muss man nicht mehr Pläne verstehen, um die Konsequenzen eines Bauprojekts abzusehen», so Ritz. Dabei gehe es längst nicht nur ums Bauen. «Gehen Planer davon aus, dass eine neue Strasse täglich von 3000 Autos befahren wird, können viele mit dieser Zahl nichts anfangen. Auch dies lässt sich dereinst im Stadtmodell aufzeigen», sagt Ritz.

Neben solchen verkehrsplanerischen Aspekten können auch Standortfaktoren wie etwa Naherholungsräume, Spielplätze, Badis und E-Tankstellen dereinst im digitalen Stadtmodell abgebildet werden. So erhalte die Region ein Kommunikationstool, mithilfe dessen Projekte der öffentlichen Hand aber auch von Privaten veranschaulicht werden.

Zwar hätten die Verantwortlichen der Limmatstadt AG seit längerem ein solches Stadtmodell angestrebt. Aber erst im Zürcher Büro des 3D-Spezialisten Raumgleiter wurde ein Umsetzungspartner gefunden. Dank dessen Kontakten zu Google – das Unternehmen steuert die Virtual-Reality-Daten bei – kann das Modell der Region in einem Pilotprogramm entwickelt werden.

Auch Walter Schenkel, Geschäftsführer des Vereins Metropolitanraum Zürich, sieht im neuen Modell eine grosse Chance. Denn: «Können wir Verkehrs- oder Bauprojekte detailgetreu und authentisch darstellen, ergibt dies viel Optimierungspotenzial», sagt er.

Beispielsweise könnten mit diesem neuen Tool verschiedene Varianten von Projekten in einer frühen Planungsphase durchgespielt werden. Gerade in partizipativen Verfahren kann ein Planungsprojekt mit dem 3D-Stadtmodell verständlicher dargestellt werden. So lassen sich allenfalls gar Einsprachen verhindern, da von Beginn an klar wäre, wie ein Projekt dereinst aussieht.

Welches das erste Projekt sein wird, das vor seiner Ausführung im digitalen Stadtmodell realisiert wird, sei noch offen, sagt Ritz. Aber: «Etwa der Zentrumsplatz in Schlieren oder die erste Etappe der Limmattalbahn sind Projekte, die sich für einen virtuellen Rundgang anbieten würden.»

Gut möglich also, dass bereits vor der Fertigstellung des Flügels auf dem Zentrumsplatz 2019 unter diesem auf die Limmattalbahn gewartet oder vor Vollendung der Bahn – voraussichtlich 2022 – virtuell auf neuen Wegen nach Dietikon verkehrt werden kann. In der Stadtplanung werde dies zum Standard, ist sich Ritz sicher.

«Da wir an diesem Pilotprojekt teilnehmen und somit bereits über entsprechende Daten für die Region verfügen, erhoffen wir uns auch einen Standortvorteil», sagt sie.

Dereinst genutzt werden könne das Tool von Gemeinden aber auch von Privaten, welche die Wirkung ihres Projektes visualisieren wollen. Dazu brauche es nur eine Software und einen geringen Kostenbeitrag, hält Jasmin Ritz fest.

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