Damit versucht die Stadt, Schritt zu halten mit der wachsenden Bevölkerung. Bis 2026 wird mit einem Anstieg um 8 Prozent oder 1690 Personen gerechnet. Ende 2016 hatte die Stadt 27 395 Einwohner. Die Schülerprognose geht für denselben Zeitraum von 685 zusätzlichen Schülerinnen und Schülern aus, aufgeteilt in 425 Primar- und 260 Sekundarschulkinder. Derzeit verfügt die Stadt über 128 Klassenzimmer, 116 Gruppenräume und zehn Turnhallen. In der Planung, die der Grafik zugrunde liegt, konnte die Stadt bis auf ein Klassenzimmer den Prognosen entsprechen, daher die Angabe 38.

Provisorien als Rettungsanker

Als langfristige Massnahme zur Bekämpfung der Schulraumknappheit sollen Neubauten entstehen. Die Schulanlage Luberzen soll um acht Klassenzimmer (Bezug 2026) und Wolfsmatt um zwölf Klassenzimmern (Bezug 2027) vergrössert werden. Auch das Schulhaus im Limmatfeld steht noch auf der Agenda. Es soll 12 Klassenzimmer umfassen (Bezug 2026). Nach der geltenden Moorschutzverordnung könnte der Neubau im Gebiet Stierenmatt zwar gebaut werden. Aber die Verordnung ist noch rekursbelastet. Ein Baustart kann sich daher hinziehen. Parallel evaluiert die Stadt auch Ersatzstandorte, für den Fall, dass die Verordnung vor Gericht keinen Bestand haben sollte. Details nannte Stadtpräsident Otto Müller auf der gestrigen Medienpräsentation nicht. Der geplante Schulhausneubau im Niderfeld wird erst später erfolgen und hat daher für die Planung bis 2026 keine Bedeutung.

Schulraumplanung bis 2026

Schulraumplanung bis 2026

Da die neuen Schulbauten frühestens ab 2026 fertiggestellt sind, setzt die Stadt zur Überbrückung einmal mehr auf provisorische Lösungen. So soll hinter dem Schulhaus Zentral ein sogenannter Modulbaupavillon mit sechs Klassenzimmern errichtet werden (Bezug 2019), ausserdem soll das Mietprovisorium Wolfsmattika mit drei weiteren Klassenzimmern aufgestockt werden (Bezug 2021). Auf die Frage, ob man das Wolfsmattika-Provisorium, das erst im Sommer 2016 eingeweiht wurde, nicht gleich dreistöckig hätte errichten lassen können, meinte Peter Baumgartner, Leiter Hochbauabteilung, die Wolfsmattika sei als Ausweichbau für die Sanierungszeit am Hauptgebäude erstellt worden: «Wir können nicht auf Vorrat bauen.» Darüber hinaus will die Stadt drei weitere Modulbaupavillons mit je sechs Klassenzimmern zum Einsatz bringen. Ein entsprechender Kreditantrag wird der Stimmbevölkerung voraussichtlich im Jahr 2019 unterbreitet.

Kindergarten ins alte Bauamt

Auch im Kindergartenbereich ist der Bedarf an Räumen höher als das Angebot. Der bereits projektierte Ersatzneubau Steinmürli, der im Jahr 2019 eröffnet werden kann – sofern das Stimmvolk dem Vorhaben im März 2018 zustimmt – reicht alleine nicht aus. Zusätzlich müssen noch drei weitere Kindergärten eingerichtet werden. Die städtische Planung sieht vor, im Limmatfeld einen Kindergartenraum zu mieten (Bezug 2019), im Gebiet Gjuch als Ersatz des Einfachkindergartens einen neuen Doppelkindergarten zu erstellen (Bezug 2020) und auf dem Kronenareal im Alten Bauamt einen Kindergarten einzubauen (Bezug 2021). So werden die Dietiker Stimmbürger drei Jahre hintereinander an die Urne gerufen, um Investitionen in Kindergarten-Bauten gutzuheissen: 2,9 Millionen Franken für Steinmürli, 2,5 Millionen Franken für Gjuch und 2,5 Millionen Franken für den Bauamt-Kindergarten.

Auch bei den zehn Turnhallen gibt es dringenden Handlungsbedarf. Schon jetzt reicht deren Kapazität nicht aus. Auch hier setzt die Stadt auf Modulbau-Provisorien. Als mögliche Standorte stehen zur Diskussion: Gebiet Vogelau, Schulanlage Luberzen, Kirchhalde, Schulanlage Fondli, Zelgliplatz, Gebiet Allmend (siehe auch Grafik). «Bezüglich Anzahl und Zeitpunkt der Erstellung müssen noch weitere Abklärungen getroffen werden», so Otto Müller.

Lehrschwimmbad bleibt erhalten

Das Lehrschwimmbecken Luberzen ist in der Schulraumplanung für die Stadt eine gesetzte Grösse. Es soll saniert werden und weiterhin auch den Vereinen, der Bevölkerung und dem Quartier dienen. Zu diesem Schluss ist der Stadtrat aufgrund einer Varianten- und Nutzungsstudie gekommen. Das Bad ist indes nicht unumstritten. So beliebt es in der Bevölkerung ist, so unbeliebt ist es bei vielen Gemeinderäten. Erst im Herbst letzten Jahres gab es im Parlament darüber eine Debatte. Stephan Wittwer (SVP) sprach damals von einem «Fass ohne Boden» und «einem Millionengrab». Sofortige Schliessung und Investitionsstopp seien die einzigen Mittel der Wahl. Es sei nicht angebracht, dass sich Dietikon mit seinem hohen Steuerfuss dieses marode Schwimmbad leiste.

Der wichtigste Grund für die momentane Zwangslage der Stadt in der Schulraumplanung war die Ablehnung des Mietschulhauses im Limmatfeld im November 2012 durch das Stimmvolk. «Das sind genau die zwölf Klassen, die uns aktuell fehlen», meinte gestern Schulvorstand Jean-Pierre Balbiani (SVP). Daher lasse er auch Vorwürfe nicht gelten, dass die städtischen Planungen sehr spät kämen.

192,6 Millionen Franken

Die geschätzten Investitionskosten für alle Schulanlagenprojekte belaufen sich auf 192,6 Millionen Franken. Allein die Erweiterung und Instandsetzung von Dietikons ältester Schulanlage Wolfsmatt schlägt mit 70 Millionen zu Buche, Luberzen ebenfalls mit Erweiterung und Sanierung wird die Stadt 28 Millionen kosten, genauso viel wie der sistierte Neubau im Limmatfeld. Hinzu kommen noch die Kosten für die Modulbaupavillons. Der Stadtrat wird dem Gemeinderat zuhanden der Stimmberechtigten in dieser Sache einen bedarfsgerechten Rahmenkredit für den Bau von 6 bis 18 Klassenzimmern (rund zwei Millionen Franken für 6 Klassenzimmer) beantragen. Die vier Kindergärten sind mit 8,2 Millionen Franken budgetiert, während die Sportanlagen die Stadt zwischen 6,5 bis 9 Millionen Franken kosten wird.

Immer wieder sieht sich die Stadt Vorwürfen ausgesetzt, sie sei bei der Schulraumplanung stets nur Getriebene und nie Treiberin. So hatte zuletzt im September 2016 FDP-Gemeinderat Martin Romer mehr strategische Planung eingefordert; zwei Drittel der Gemeinderäte hatten sich ihm angeschlossen. Diesem parteiübergreifenden Anliegen konnte auch der Stadtrat folgen, übernahm das Postulat und legte im April dieses Jahres erste Ergebnisse vor. Mit der Gesamtauslegeordnung zur Schulraumplanung hat die Stadt nun einen weiteren wichtigen Schritt getan.