Trockenheit
Es droht ein Fischsterben: Forellen in der Reppisch könnten ersticken

Die Pächter der Reppisch sind alarmiert, weil ihre Fische wegen der Hitze massenhaft ersticken könnten. «Ich sehe schwarz. Für mich ist klar: Das gibt ein Fischsterben», sagt der Geroldswiler Urs Müller, der einen Teil der Reppisch auf Dietiker und Birmensdorfer Gemeindegebiet gepachtet hat. Der Kanton hingegen hält die Situation in der Reppisch für kritisch, aber nicht dramatisch.

Leo Eiholzer
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Limmattaler Zeitung

25,5 Grad Celsius. Diese Temperatur hatte das Wasser der Reppisch laut der offiziellen Messstelle in Dietikon gestern Nachmittag um 15.45 Uhr. Das ist nicht nur warm. Für einen Fluss ist das heiss. Und für die Forellen in der Reppisch ist es lebensbedrohend. «Ich sehe schwarz. Für mich ist klar: Das gibt ein Fischsterben», sagt der Geroldswiler Urs Müller, der einen Teil der Reppisch auf Dietiker und Birmensdorfer Gemeindegebiet gepachtet hat.
Fischsterben heisst: Die Forellen ersticken langsam und elendiglich, weil es im warmen Wasser viel zu wenig Sauerstoff hat. Schliesslich sammeln sie sich «bauch oben» tot an der Wasseroberfläche an.

Es kann sein, dass im Reppisch Abschnitt von Müller auf diese Weise gestern schon viele Fische gestorben sind. Temperaturen über 25 Grad sind für Forellen eigentlich tödlich. Da die Messstelle aber mehrere Kilometer unterhalb von Müllers Revier liegt, könnte es gerade noch einmal gereicht haben. Bis Redaktionsschluss war unbekannt, ob Forellen tot an der Oberfläche schwammen. Müller sagt aber: «Wenn das Wasser kälter wird und wir wieder fischen, werden wir wissen, ob es noch Forellen drin hat.» Momentan verzichten die Fischer auf ihr Hobby, weil sie die Fische nicht zusätzlich belasten wollen.

Die Einschätzung, dass ein Fischsterben passieren könnte, teilt Hans Mair. Der Wirt des Dietiker Restaurants Honeret pachtet das Stück der Reppisch von der Mündung des Rummelbachs bis zum Marmoriweiher. Er sagt: «Für die Forellen ist die Situation sehr kritisch.»

Baudirektion: «Nicht dramatisch»

Verhindert werden könnte das massenhafte Sterben nur, indem die Fische abgefischt und umgesiedelt werden. Das müsste der Kanton tun. Remo Bürgi, Mediensprecher der Baudirektion, sagt: «Gemäss unserem Kenntnisstand ist die Situation in der Reppisch kritisch, aber nicht dramatisch. Wir werden die Lage weiter verfolgen und gegebenenfalls abfischen.» In welchen Abschnitten man dann zuerst abfischen würde, konnte das Amt auf Anfrage der Limmattaler Zeitung nicht sagen.

In den Reppisch-Revieren der beiden Pächter ist offenbar noch nicht abgefischt worden. Zumindest wissen weder Müller noch Mair davon. Die Pächter wären über Abfischungen froh, obwohl ihnen damit buchstäblich die Fische weggenommen würden. Mair sagt: «Dass die Fische nicht sterben. steht absolut im Vordergrund.»

Die stummen Schreie der Fische

Ein Fischsterben wäre vor allem ein emotional harter Schlag. Müller sagt: «Es ist sehr traurig: Fische sterben ohne Lärm. Man hört nicht mal einen Ton.» Und er fügt vielsagend an: «Wenn Fische schreien könnten...»

Seine Gedankenspiele zeigen, dass ihm die Situation zu schaffen macht; er muss untätig bleiben und kann nichts gegen die Naturgewalten machen. «Am liebsten würde ich zehn Tonnen Eis kaufen und in der Reppisch verteilen», sagt er. «Wenn ich unendlich Geld hätte und es keine Gesetze gäbe, die das verbieten, würde ich es wohl machen.»

Den Forellen in der Reppisch geht es ohnehin schon lange nicht mehr gut. Die immer wärmeren Sommer, und zusätzliche Chemie durch den höheren Medikamentenkonsum setzen ihnen zu. Der Bestand ist laut Mair in den letzten 25 Jahren um drei Viertel gesunken, obwohl man pro Jahr alleine in seinem Abschnitt 25 000 kleine Forellen einsetzt.

Abfischen: So könnte man die Forellen retten

Mit elektrischem Strom zu fischen ist eigentlich verboten. Doch um erstickende Fische zu retten, ist Strom unverzichtbar. Das nennt sich «abfischen» Mit einem ratternden Benzingenerator auf dem Rücken steigen Experten in den Fluss, wie Hans Matzinger vom Fischerverein Zürich 1883, der seine Reviere in Dietikon hat, erklärt. Es wird ein Stab ins Wasser gehalten, der einen Teil des Flusses unter Strom setzt. «Dadurch werden die Fische kurz betäubt», sagt Matzinger. Helfer fischen sie mit Netzen aus dem Wasser. Matzinger half auf diese Weise schon bei unzähligen Abfischungen. Die Fische werden anschliessend in ein Becken mit Wasser auf dem Pick-up-Truck der Fischereiverwalter eingesetzt und in einen anderen Teil des Flusses gebracht.

Doch das ist nicht ohne Risiko, vor allem, wenn die Fische durch die Hitze schon geschwächt sind. Ohnehin sterben laut Matzinger normalerweise drei bis vier Prozent der Fische. Der Aufwand für das Retten der Fische wäre gross. «Die ganze
Reppisch abzufischen wäre wohl unmöglich», sagt Matzinger. Schon die Zahl an Elektro-Abfischgeräten reiche nicht aus.