Limmattalbahn

Es braucht neue Mobilitätskonzepte im Limmattal

Diskutierten über Immobilien und Verkehr (v.l): Patrick Schnorf (Wüest & Partner), Gregor Biffiger (Aargauer SVP-Grossrat), Moderatorin Bettina Hamilton-Irvine («Limmattaler Zeitung»), Albert Leiser (FDP, Gemeinderatspräsident Zürich) und Andreas Flury (Gesamtprojektleiter Glattalbahn).

Diskutierten über Immobilien und Verkehr (v.l): Patrick Schnorf (Wüest & Partner), Gregor Biffiger (Aargauer SVP-Grossrat), Moderatorin Bettina Hamilton-Irvine («Limmattaler Zeitung»), Albert Leiser (FDP, Gemeinderatspräsident Zürich) und Andreas Flury (Gesamtprojektleiter Glattalbahn).

Eine Podiumsdiskussion thematisierte die Bedeutung der Limmattalbahn angesichts eines erwarteten Bevölkerungszuwachses von 30 000 Personen in den nächsten 20 Jahren.

In Zukunft wird es im Limmattal zum Arbeiten und Wohnen enger. So lassen es auf jeden Fall die Zahlen vermuten, die Patrick Schnorf, Immobilienmarkt-Spezialist bei Wüest & Partner, am Dienstagabend in Schlieren präsentierte. Die Gastgeber, der Hauseigentümerverband (HEV) Schlieren und die Standortförderung Limmattal, hatten zu einer Diskussionsrunde über Entwicklungen und Aussichten für den Immobilienmarkt in der Region geladen.

Nach einer Projekteinführung von Daniel Issler, Geschäftsführer der Limmattalbahn AG, diskutierten auf dem Podium nebst Schnorf Glattalbahn-Gesamtprojektleiter Andreas Flury sowie Gregor Biffiger, Aargauer SVP-Grossrat und Präsident des Gewerbeverbands Limmattal und Albert Leiser (FDP), Stadtzürcher Gemeinderatspräsident und Präsident des HEV Kanton und Stadt Zürich.

Preisanstieg verlangsamt sich

Grundlage der Diskussion, die von der Stellvertretenden Chefredaktorin der «Limmattaler Zeitung», Bettina Hamilton-Irvine, geleitet wurde, bildeten detaillierte Daten aus aktuellen Wüest & Partner-Analysen. Demnach sind die Prognosen für den Limmattaler Immobilienmarkt verhalten positiv, die Preise werden wohl etwas langsamer ansteigen als bisher. Das hat den Vorteil, dass der leicht überhitzte Markt auf festem Fundament steht: «Die hohe Nachfrage spricht für die anhaltende Attraktivität der Region», betonte Schnorf. Diese hänge stark mit der guten Erreichbarkeit zusammen.

Limmattalbahn als Lösung

Doch ist die Mobilität auch in Zukunft gewährleistet, wenn in den nächsten 20 Jahren voraussichtlich 30000 zusätzliche Personen ins Limmattal ziehen? Ja, wenn neue Konzepte erarbeit werden, waren sich die Podiumsteilnehmer einig. Folglich drehte sich ein Grossteil des Gesprächs um die geplante Limmattalbahn. Laut Issler zeigen neuste Simulationen, dass der Mehrverkehr mithilfe der Bahn und einigen Strassenumleitungen bewältigt werden kann.

Dies bestätigte auch Flury, der von seiner langjährigen Erfahrung aus dem Projekt Glattalbahn berichten konnte. «Ich vertraue fest auf die Ingenieurskunst», sagte er. Er sei überzeugt, dass auch Knotenpunkte wie der Bahnhof Dietikon oder die Zürcherstrasse in Schlieren einwandfrei funktionieren werden. Und: Auch die Autofahrer würden nicht verdrängt werden. Der Zürcher Gemeinderatspräsident Leiser war skeptischer: «Ob die Umfahrungen wirklich benützt werden, wird sich erst zeigen», meint er. «Ich bezweifle, dass die Leute über die Bernstrasse nach Zürich fahren werden.»

Analog zur Situation im Glattal kann auch entlang des Trassees der Limmattalbahn mit stark ansteigenden Investitionen gerechnet werden. Laut Flury wird in «seinem» Tal bereits jährlich mehr investiert, als die Glattalbahn gekostet hat.

Verdichtung als Herausforderung

Leiser, sieht den zunehmenden Druck zur Verdichtung jedoch als nicht unproblematisch an. «In einem gewachsenen Gebiet ist verdichtetes Bauen viel schwerer als auf einer Brache wie Zürich West», betonte er. Schnorf fügte an: «Die angenommene Kulturlandinitiative verhindert neue Einzonungen. Um Verdichtungen kommen wir also kaum herum.» Auf der Seite der Nachfragenden sei dies aber grundsätzlich kein Problem.

Angst vor zu starker Überbauung

Biffiger warf ein, dass sich in der Zustimmung zur Kulturland- und Zweitwohnungsinitiative auch die Angst der Bürger vor zu viel Bautätigkeit und übermässigem Wachstum spiegle. Dies sei auch eine Folge der Personenfreizügigkeit. «Das müssen wir ernst nehmen, auch vonseiten der Wirtschaft», so Biffiger, der seit 2000 Präsident des Gewerbeverbands Limmattal ist. Kurze und planbare Fahrzeiten, wie sie die Limmattalbahn verspricht, würden bei noch höherer Personendichte in Zukunft noch wichtiger.

Auf die Frage, was bei einem Scheitern der Limmattalbahn zu erwarten sei, wagen die Beteiligten nicht recht zu antworten. Dass es schwierig würde, waren sich alle einig. Man müsste dann wohl über neue Busse oder S-Bahn-Züge nachdenken, meinte Leiser. Bezüglich Pendler müsse die Wirtschaft sowieso langsam umdenken. «Wenn alle um die gleiche Zeit zur Arbeit fahren, dann wird es einfach eng.»

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