Letzte Woche noch wollte der geschasste Statthalter Adrian Leimgrübler keine Stellung nehmen zu den Alkoholvorwürfen seiner ehemaligen Kollegen. Acht Statthalter hatten in einer Medienmitteilung geschrieben, Leimgrübler, den sie als generell unzuverlässig beschreiben, sei «schon zu morgendlichen Terminen mit Alkoholgeruch oder gar nicht» erschienen. Leimgrübler wollte nichts dazu sagen, mit dem Verweis, er lasse sich nicht auf dieses Niveau herab. Nun äussert er sich doch noch. Und sagt: «Ich habe kein Alkoholproblem.» Sein Anwalt untermauert dies mit ärztlichen Attesten.

Leimgrüblers Aussage gilt es so zu akzeptieren. Es ist zudem zu begrüssen, dass er zu diesem heiklen Thema Stellung nimmt. Doch es bleibt ein seltsames Gefühl zurück. Denn auch andere Personen wollen wahrgenommen haben, dass Leimgrübler teilweise schon am Morgen nach Alkohol riecht. Die Limmattaler Zeitung wurde in den letzten Jahren öfter mit dieser Beobachtung konfrontiert. Sein Anwalt hat dafür aber eine medizinische Erklärung: Reflux. Sein Zittern sei aufgrund eines Tremors. Und dass Augen und Haut oft gerötet seien, habe mit einer Pollenallergie zu tun. Man kann es niemandem verübeln, der angesichts dieser Häufung von Beschwerden, welche die Symptome erklären, die auch bei Alkoholikern auftauchen, zumindest stutzig wird. Doch auch die Atteste gilt es zur Kenntnis zu nehmen, selbst wenn sie nicht von einem Vertrauensarzt stammen, sondern von einem Arzt, mit dem Leimgrübler befreundet ist und der in seinem Unterstützungskomitee ist.

Ein gewähltes Behördenmitglied zu einem Vertrauensarzt zu schicken, kann nur über ein Verfahren angeordnet werden. Die Justizdirektion hat angekündigt, dem Regierungsrat einen entsprechenden Antrag zu stellen, sollten nach einer allfälligen Wahl von Adrian Leimgrübler «neuerlich Vorwürfe erhoben werden, die Zweifel an einer ordnungsgemässen Erledigung der Aufgaben aufkommen lassen.»