Schon die erste Geschichte, die Gwyneth Hughes, die stellvertretende Leiterin der Bibliothek Schlieren, erzählte, gab zu lachen. Die Wanderameisen, die ihre Verwandten an einem schönen Sonntag besuchen wollten, konnten einen Bach nicht überqueren, weil die Brücke fehlte. Die vielen Ameisen erzählten die schlechte Nachricht untereinander weiter, was zu zahlreichen Missverständnissen führte.

Doch die Erzählnacht bestand für die Kinder nicht nur aus Zuhören: Zwei Schulklassen des Schulhauses Schulstrasse in Schlieren hatten im Vorfeld Witze kreiert. Die besten drei wurden als Höhepunkt des Abends prämiert. Zwischen den Geschichten durften die Kinder zahlreiche Aufgaben rund ums Thema Lachen lösen.

Kinder lachen deutlich mehr als Erwachsene, wie Hughes erklärt. Nämlich gegen vierhundert Mal pro Tag. Das ist rund dreissig Mal mehr als eine erwachsene Person. Da staunten die Schlieremer Schüler nicht schlecht, als sie erfuhren, dass für ein Lachen nicht weniger als 17 Muskeln im Gesicht nötig sind. Und bei einem richtig herzhaften Lachen werden im menschlichen Körper gar 80 Muskeln beansprucht. «15 Minuten herzhaft Lachen entsprechen ungefähr 15 Minuten sportlicher Betätigung», erklärt Hughes.

Anschliessend konnten die Kinder unter anderem Bilderrätsel lösen, Wörter zum Thema Lachen sammeln, Scherzfragen beantworten oder Sätze bilden, deren Worte immer mit demselben Buchstaben begannen. «Mir hat es gut gefallen, vor allem die Geschichten, die erzählt wurden», meinte die 9-jährige Nina Kilchenmann, eine Zuhörerin.

Auch Bibliotheksleiterin Monique Roth fand Gefallen am herausfordernden Parcours. «Solche Interaktionen sind wichtig für die Kinder, und so erleben sie die Bibliothek für einmal in einem ganz anderen Kontext.» Noch einmal durfte als Höhepunkt herzhaft gelacht werden, als Monique Roth die siegreichen Witze vortrug. Abgestimmt hatten die anderen Schüler. Die Gewinner erhielten je ein Witzbuch.

Die aufgeregten Kinder in Unterengstringen

Wer am Freitagabend durch Unterengstringen spazierte, begegnete womöglich mehreren Gruppen aufgeregter Kinder. Mit Taschenlampen ausgerüstet wanderten die Schüler des Schulhauses Büel durchs Dorf, von Erzählung zu Erzählung. Bei der Bibliothek Unterengstringen stand zum Motto der Schweizerischen Erzählnacht, «Geschichten zum Schmunzeln», ein Geschichten-Sternenlauf auf dem Programm. An der Organisation beteiligt waren das Elternforum, das Ortsmuseum sowie die Marionettenbühne.

An drei Orten im Dorf gab es jeweils eine Geschichte zu hören. Eine der Stationen war in der Bibliothek selber eingerichtet. Die Kinder machten es sich auf den mitgebrachten Kissen in der verdunkelten Leseecke gemütlich und lauschten. Präsentiert wurde eine Kurzgeschichte um einen Vater, der seiner Tochter an stürmischen Tagen unterhaltsame Geschichten erzählt. Wenn plötzlich alle Tiere fliegen können und die ganze Welt nur noch grün ist, gibt es zum Glück noch die sogenannten Weltbestimmer, die alle auf den Boden zurückholen und wieder Farbe ins Spiel bringen. Die Kinder konnten die Decke der Bibliothek mit ihren Taschenlampen nach kleinen Bildern, die Elemente aus der Geschichte darstellten, absuchen. Die fliegende Hasenfamilie blieb jedenfalls nicht lange verborgen.

Der nächste Posten war das Ortsmuseum. In der warmen Stube gab es bei Kerzenlicht eine wunderbar vorgelesene Geschichte rund um das in Schweden verbreitete Luciafest zu hören. Den Kindern wurden dabei die Bräuche des Festes, welches am 13. Dezember zu Ehren der heiligen Lucia gefeiert wird, nähergebracht. Auf dem Weg zur nächsten Station erhielten die Kinder das traditionelle schwedische Gebäck «Lussekatt», frisch aus dem Steinofen.

In der Marionettenbühne wurde nach einem starken Orangenpunsch die Geschichte vom «Fridlisfüür» erzählt. Ganz still war es im Raum, als von den Buben aus einem Schweizer Bergdorf berichtet wurde, die ein möglichst grosses Freudenfeuer errichten wollten. Die Mädchen dürfen erst nicht mithelfen, was sich jedoch als grosser Fehler herausstellte. Sind sie es doch, die die Nachbarsbuben beim Manipulieren des «Fridlisfüür» entdecken.

Müde, aber glücklich kommen alle Kinder zum Abschluss noch einmal bei der Bibliothek zusammen. Mit einem Schmunzeln im Gesicht tauschen sich die Kinder untereinander aus.