«Ich werde Dirigentin», schreibt Cäcilia Hohler mit 19 Jahren in ihrer Abschlussarbeit der Gärtnerlehre. Damit hält sie einen Traum fest, der aber bald wieder vergessen geht. Jetzt, 13 Jahre später, ist sie 32 Jahre alt, heisst Cäcilia Gebhardt – und ist seit Januar Dirigentin der Harmonie Birmensdorf, als erste Frau in der Vereinsgeschichte. «Als ich mit 24 die ersten Dirigentenkurse belegte, dachte ich gar nicht mehr an diesen Traum», sagt Gebhardt. «Ich habe ihn unbewusst weiterverfolgt.»

Eigentlich sei sie schüchtern, sagt Gebhardt. «Aber wenn ich als Dirigentin auf der Bühne stehe, ist alles anders – ich bin ein anderer Mensch.» Dort falle es ihr leicht, den Ton anzugeben. Am meisten fasziniere sie aber, wie 30 verschiedene Stimmen zu einem Ganzen werden. «Ausserdem ist es für mich die beste Möglichkeit zu entspannen», sagt sie. «Wenn ich nach einem anstrengenden Tag Arbeit entnervt nach Hause komme, sagt mein Mann oft, ich solle doch zur Musikprobe gehen.»

Am Anfang war die Blockflöte

Angefangen hat die musikalische Karriere von Cäcilia Gebhardt ganz klassisch: Mit acht Jahren begann sie, Blockflöte zu spielen, damals allerdings ohne besonders oft zu üben. Mit zwölf entdeckte sie zu Hause in einem Koffer die Klarinette ihrer älteren Schwester – damit war klar, was sie spielen würde. «Mich fasziniert die enorme Bandbreite des Instruments. Von Jazz über Klassik bis Ländler kann jede Musikrichtung gespielt werden, hohe und tiefe Töne», sagt Gebhardt.

Noch heute spielt sie Klarinette im Musikverein in Niederwil, wo sie wohnt. «Je nach Bedarf spiele ich aber auch Perkussionsinstrumente.»

Selbst ins kalte Wasser geworfen

Ihre Arbeitszeit reduziert hat die Gärtnerin wegen der Aufgabe als Dirigentin nicht. Die Freizeit, die neben der Musik und der Arbeit noch bleibt, verbringt sie mit Schwimmen und Walken, mit Freunden und mit Bastelarbeiten, denn das Kreative ist ihr schon seit ihrer Jugend wichtig.

«Ich wollte damals eine Lehre machen, bei der ich meine Hände gebrauchen kann», sagt Gebhardt, deshalb habe sie sich für die Gärtnerausbildung entschieden. Sie schätze die Arbeit an der frischen Luft und den Kundenkontakt. «Damals hatte ich Mühe, auf Leute zuzugehen. Ich nahm mir vor, diese Angst zu überwinden und habe mich dafür selbst ins kalte Wasser geworfen, indem ich nach der Lehre eine Stelle im Verkauf einer Blumenabteilung annahm.» Sie mag Herausforderungen, wenn sie weiss, dass es möglich ist, diese zu meistern.

Heiratsantrag während Konzert

Während ihrer Lehre hat Gebhardt immer mehr Zeit der Musik gewidmet: Sie trat der Dorfmusik und der Jugendmusik bei, und absolvierte drei Instrumentalistenkurse. Weil sie musikalisch noch weiterkommen wollte, folgten drei Dirigentenkurse. Schon mit dem Abschluss des zweiten Kurses kam das erste Angebot: «Unsere Abschlussprüfungen waren öffentlich. Jemand von der Musikgesellschaft Kleindöttingen sah zu und fragte mich als Dirigentin an», sagt Gebhardt.

Mit 26 Jahren war sie damals die Jüngste in der Gesellschaft, noch dazu eine Frau unter vielen Männern. «Das war nicht immer ganz einfach», sagt sie, aber es sei eine wertvolle Erfahrung gewesen. Nach zwei Jahren wechselte sie nach Hausen. «Ein Konzert aus dieser Zeit werde ich nie vergessen», erzählt Gebhardt. Sie habe das Stück «Ewigi Liebi» ins Programm eingebaut, weil das Lied eine spezielle Bedeutung für sie und ihren Freund hatte. «Ich machte ihm dazu auf der Bühne einen Heiratsantrag.» Er sagte Ja – letztes Jahr haben die beiden geheiratet.

Bald Elite-Amateurdirigentin

Weil Cäcilia Gebhardt einen weiteren musikalischen Schritt tun wollte, begann sie vor drei Jahren mit einem Teilzeitstudium an der Musikhochschule Luzern. «Je mehr ich über Musik lerne, desto faszinierender finde ich sie», sagt sie. Im Sommer wird sie die Schule abschliessen. «Danach sind wir Elite-Amateurdirigenten, hat unsere Dozentin gemeint.»

Mit der höheren Ausbildung musste eine neue Herausforderung her, die Gebhardt in Birmensdorf nun gefunden hat. «Von Beginn weg hat alles gepasst, und ich wurde mit offenen Armen empfangen», sagt sie. Momentan sei es ein gegenseitiges Angewöhnen. Viel Neues komme in Birmensdorf auf sie zu. «Aber ich freue mich darauf», sagt Gebhardt. Alle hätten dasselbe Ziel: Den Zuhörern Freude zu machen. Und bei der Harmonie bleibe sie jetzt auch erst einmal.