Am ersten Schweizer Vorlesetag setzen Leute an rund 4500 Orten auf Bücher und echte Stimmen statt auf Touchscreens und Podcasts. Auch im Limmattal beteiligen sich die Bibliotheken am Anlass der erstmals stattfindet. Dieser wird vom Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien (SIKJM) initiiert und von Bibliotheken, Schulen sowie privaten Personen am 23. Mai durchgeführt.

In den Bibliotheken von Aesch, Oberengstringen, Birmensdorf und Urdorf geht es am Vorlesetag beinahe wie an einem Vorlesemarathon zu und her. Die Bibliothekarinnen lesen stündlich oder gar halbstündlich Geschichten vor. In Schlieren übernehmen die Kinder das Geschichten vorlesen gleich selbst. 22 Kinder und Jugendliche lesen den Zuhörern selbst gewählte Geschichten in 12 Sprachen vor.

In der Bibliothek in Dietikon sind ebenfalls Geschichten in verschiedenen Sprachen zu hören. Die Bibliothekarin Agnes Matt sagt: «Rund 40 Prozent unserer Kinder sind mehrsprachig. Wir wollen auch diese mit unserem Angebot erreichen.» Wie viele tatsächlich erscheinen, sei eine «absolute Überraschung», da man sich nicht anmelden müsse. Die Kinder von Unterengstringen und Weiningen müssen sich wettertauglich anziehen. Ihnen liest Esti Brüngger Märchen im Wald vor. Die Witterung spielt dabei keine Rolle.
Damit auch Erwachsenen der Lesestoff nicht ausgeht, präsentieren die Bibliotheken von Geroldswil und Uitikon am Abend Neuigkeiten aus der Literatur.

«Mit dem Vorlesetag möchten wir darauf aufmerksam machen, wie wichtig und schön vorlesen ist», sagt Daniel Fehr, der Leiter des Schweizer Vorlesetags bei SIKJM. Es sei bewiesen, dass Vorlesen eine positive Wirkung auf den Wortschatz habe. Laut den Forschungsergebnissen der Pädagogischen Hochschule Weingarten in Deutschland lernen Kinder, denen regelmässig vorgelesen wird, leichter Lesen als Gleichaltrige ohne diese Erfahrung. Mehr noch, wem als Kind oft vorgelesen wird, der greift auch später eher zu einem Buch und versteht den Text besser.

Vorlesen sei anders als Podcast hören, sagt Fehr. «Vorlesen heisst immer auch Beisammensein, es bietet Kindern die Chance, von ihren Bezugspersonen Aufmerksamkeit zu erhalten.» Bei Unsicherheiten können sie zudem nachfragen, um die Texte zu verstehen.