Oetwil
Erste Zungenküsse und frisierte Töfflis: Erinnerung ist nicht immer objektiv

Die Jahrgänge 1958 und 1959 schwelgen am Oetwiler Kellerfest an ihrer Klassenzusammenkunft in Erinnerungen, die sich durchaus auch mal unterscheiden können.

Carolin Teufelberger
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Peter Gertsch klärt seine ehemaligen Mitschüler über Speis und Trank auf.

Peter Gertsch klärt seine ehemaligen Mitschüler über Speis und Trank auf.

Limmattaler Zeitung

Ein Gläschen Wein zum Anstossen – und vor allem ganz viele geteilte Erinnerungen. Das sind die Zutaten für eine gelungene Klassenzusammenkunft.

Auch beim Jahrgangsapéro der Jahrgänge 58/59 der Primarschule Oetwil war das nicht anders. Erfreulicherweise sind die Erinnerungen bis heute durchweg positiv. Alle betonen immer wieder, wie toll die Klasse gewesen sei und wie schön und unbeschwert die Zeit in der Primarschule verstrich. Das war sicher auch ein Grund, warum die Klasse an diesen Abend fast vollzählig erschien. Und das, obwohl nur noch wenige bis heute in Oetwil wohnen.

Obwohl die Porträts aus der Schulzeit bereits über 40 Jahre zurückliegen, sind alle Gesichter schnell identifiziert.

Obwohl die Porträts aus der Schulzeit bereits über 40 Jahre zurückliegen, sind alle Gesichter schnell identifiziert.

Carolin Teufelberger

Auch der Lehrer trug in den Gedanken der Schulfreunde einiges zum nostalgischen Eintauchen bei. «Ruedi Amschwand war vor allem bei uns Mädchen sehr beliebt. Alle schwärmten für ihn», erzählt Anique Sidorovicz Akkerman. Aber auch bei den Buben kam er gut an. Nur die Erwachsenen mochten Herrn Amschwand nicht sonderlich. «Er war seiner Zeit voraus. Er war sehr jugendlich, trug lange Haare, rauchte und war musikalisch», erklärt Peter Gertsch. Er habe weniger Wert auf den akademischen Erfolg als auf Kreativität gelegt. Deshalb sei er bei den Kindern so beliebt gewesen.

Ruedi Amschwand gründete damals auch den Chor «The happy young swinging singers». Schüler verschiedener Klassen und beider Geschlechter durften mitsingen. «Wir nahmen zwei Platten auf und hatten auch einige Auftritte, beispielsweise im Shoppi Spreitenbach oder dem Kongresshaus», erzählt Anique Sidorovicz Akkerman.

Ursula Reichmut (l.) und Alice Dalla Vedova haben sich viel Neues und Altes zu erzählen – und nicht immer sind die Erinnerung.

Ursula Reichmut (l.) und Alice Dalla Vedova haben sich viel Neues und Altes zu erzählen – und nicht immer sind die Erinnerung.

Carolin Teufelberger

Auch übereinander haben die ehemaligen Mitschüler viel zu erzählen. Karin Berger Jauch und Urs Dittli wohnten Jahre lang im selben Mehrfamilienhaus. «Er durfte seine Hausaufgaben mit meinem Heft abgleichen und ich bekam dafür später mein Töffli von ihm frisiert. Dafür erntete ich einige neidische Blicke», erinnert sich Karin Berger Jauch mit einem Lächeln.

Aber nicht immer lief bei Urs Dittli und seinem Töffli alles glatt. «Urs fuhr mit seinem frisierten Töffli auf den Waldwegen Richtung Spreitenbach. Er trug eine lange gestrickte Schärpe, die sich auf einmal in den Speichen verfing. Am nächsten Tag kam er mit einem blauen Hals in die Schule», erzählt Alice Dalla Vedova.

Auch über sie kursiert an diesem Abend voller angeregter Gespräche unter den Jahrgängern eine Geschichte . So soll sie ihren ersten Zungenkuss mit Peter Gertsch gehabt haben. «Das bestreite ich vehement. Damals wusste ich doch noch nicht einmal, was das ist», verteidigt sich Dalla Vedova.

Erinnerung ist eben nicht immer objektiv.

Organisiert wurde der Abend hauptsächlich von Ursula Stöckli und Peter Gertsch, der seine Primarschulzeit bis heute in sehr guter Erinnerung hat. Er sei damals wirklich gerne zur Schule gegangen, was nicht alle von sich behaupten können. Nicht unwesentlich dazu bei trug auch, dass die Klasse aus 11 Buben und 20 Mädchen bestand. «Gegen Ende der Primarschule begann ich zu verstehen, was das für ein Glück war», sagt Gertsch lachend.

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