Die Küche in der Asylunterkunft an der Gärtnerstrasse in Dübendorf macht einen verwahrlosten Eindruck. Die meisten der tragbaren Herdplatten sind defekt und liegen irgendwo auf dem Boden herum. Sich selbst zu versorgen, sei so nur schwer möglich, sagt der junge Algerier Anisse Edbi, zumal die wenigen funktionierenden Geräte von anderen Bewohnern immer wieder in ihre Zimmer mitgenommen würden.

Den derzeit 46 Männern stehen in zwei Räumen vier Hocktoiletten und vier Duschen zur Verfügung. Die Toilettentüren lassen sich nicht schliessen oder fehlen gleich ganz; die Bewohner müssen ihre Notdurft also teilweise vor den Augen der anderen verrichten. In zwei Duschkabinen ist es stockdunkel, Brauseköpfe sind kaputt oder abmontiert. «Manchmal denke ich, ich wäre lieber im Gefängnis», sagt Edbi, «denn da ist es wenigstens sauber und es hat Türen an den Toiletten.»

Für den Betrieb zuständig ist die ORS Service AG. Mehrere Bewohner der Unterkunft erklären, dass sie sich wegen der erwähnten und weiterer Mängel wiederholt bei der Firma beschwert hätten. Es sei aber nie etwas passiert. Ein älterer Herr aus der Türkei gesellt sich dazu. Er zeigt Fotos von Abfallbergen in der Unterkunft – und von einer Toilette, in der sich offenbar nach einem längeren Wasserunterbruch der Kot türmt. Damit er für sich warme Mahlzeiten zubereiten kann, hat er sich von seinem wenigen Geld eine kleine Kochplatte gekauft.

Der Dübendorfer Sozialvorstand Kurt Spillmann (SVP) will sich zu den Mängeln nicht äussern. Der Leiter der Sozialabteilung, Mario Costini, hat eine erste telefonische Anfrage schroff abgewiesen. Nach einer weiteren Aufforderung antwortet er schriftlich: «Der Zustand sämtlicher Asylunterkünfte in Dübendorf ist bekannt. Die Unterkünfte werden laufend kontrolliert und den Asylsuchenden wird ein adäquater Wohnraum zur Verfügung gestellt.»

Die ORS weist die Anschuldigungen und Kritikpunkte zurück oder relativiert diese. Die Organisation ist für die Asylkoordination in Dübendorf zuständig und betreibt die verschiedenen Asylunterkünfte in der Stadt. An der Gärtnerstrasse betreut die ORS nach eigenen Angaben aktuell 26 Asylsuchende, die sich im laufenden Verfahren befinden. Laut Mediensprecher Roman Della Rossa besuchen Mitarbeitende der ORS die Unterkunft mindestens einmal pro Woche und seien rund um die Uhr erreichbar. Würden Mängel festgestellt oder gemeldet, leite man umgehend Schritte zur Behebung ein.

Zum Zustand der Unterkunft nimmt Della Rossa zuerst nicht konkret Stellung. Auf eine erneute Anfrage schreibt er, dass die ORS eine detaillierte Bestandsaufnahme gemacht habe. Die Schäden an den Türen würden behoben und fehlende Kochplatten ersetzt. Das Betreuungspersonal arbeite auf die Selbstständigkeit der Bewohner hin, so Della Rossa. «Das ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe.» Der Aufwand für den Unterhalt sei enorm und gleiche einer Sisyphusarbeit. «Am Morgen werden Rechauds ersetzt, am Nachmittag sind die Kabel wieder durchgeschnitten.»

Bezüglich Sauberkeit habe es zu keiner Zeit Beanstandungen gegeben und bei Rundgängen seien keine gravierenden Mängel festgestellt worden, sagt Della Rossa. Fürs Putzen seien die Asylsuchenden unter Anleitung der Betreuer selbst verantwortlich.

Die Asylorganisation Zürich (AOZ) leistet Sozialhilfe an rund 20 vorläufig aufgenommenen Personen und anerkannten Flüchtlingen, die in der Unterkunft an der Gärtnerstrasse wohnen. Die Zustände vor Ort seien der AOZ bekannt, sagt Direktor Thomas Kunz. Wegen Reklamationen von Bewohnern habe eine Sozialarbeiterin einen Augenschein genommen und danach die Verantwortlichen in Dübendorf kontaktiert. Kunz: «Die Stadt Dübendorf entscheidet letzten Endes, wie viel in den Unterhalt der Unterkunft investiert wird – und damit über deren Zustand.»

Der «Limmattale Zeitung» liegen Fotos mitsamt einer Mängelliste der Menschenrechtsorganisation augenauf vor. Für Mediensprecher Rolf Zopfi gehört das Objekt an der Gärtnerstrasse zu den «miesesten Unterkünften», von denen er Kenntnis habe. «Die Zustände sind weit unter jedem akzeptablen Niveau.» Die Bewohner hätten ein Recht, in der Schweiz zu sein, und dürften nicht indirekt für ihre Anwesenheit bestraft werden, hält Zopfi fest: «Und wie sollen vorläufig Aufgenommene unter diesen Umständen ihr Leben organisieren und eine Arbeit finden?»