Neues Gewand

Erste Einblicke: Das Design der neuen Limmattalbahn «ist geradlinig und präzise»

Das blaue Fensterband soll an die Limmat erinnern: So sehen die Fahrzeuge aus, die ab Dezember 2022 zwischen den Bahnhöfen Altstetten und Killwangen-Spreitenbach im Einsatz stehen werden.

Das blaue Fensterband soll an die Limmat erinnern: So sehen die Fahrzeuge aus, die ab Dezember 2022 zwischen den Bahnhöfen Altstetten und Killwangen-Spreitenbach im Einsatz stehen werden.

Die Fahrzeuge der Limmattalbahn werden in den Farben Grau-Weiss-Blau verkehren, verrät Mathias Grünenfelder von Aargau Verkehr im Interview. Das Design sei zeitlos und werde die Fahrzeuge überleben, ist er überzeugt.

Der Entscheid ist gefallen: Das frische Hellgrün und Hellblau, das die Limmattalbahn AG bislang in ihrem Logo führte, wird aufgegeben. Die Fahrzeuge der Limmattalbahn werden ab Dezember 2022 zwischen den Bahnhöfen Zürich–Altstetten und Killwangen–Spreitenbach in den Farben Grau, Weiss und Blau verkehren. Entlang des 44 Meter langen Gefährts prangt viermal prominent der Schriftzug «Limmattal Bahn». Das Logo der Betreiberin, der Aargau Verkehr AG (AVA), wird auf beiden Führerkabinen des Zweirichtungsfahrzeugs auf der Front sowie seitlich angebracht, wie Mathias Grünenfelder, stellvertretender CEO und Leiter Grossprojekte von Aargau Verkehr, im Gespräch mit der «Limmattaler Zeitung» sagt.

Die Limmattalbahn erhält nun ein eher schlichtes Design...

Mathias Grünenfelder: Nein, es ist ein zeitloses Design. Es ist geradlinig, technisch, präzise. Es verweist damit auch auf den öffentlichen Verkehr, auf dessen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Ich bin überzeugt, dass unser finales Design, das der Zürcher Verkehrsverbund kürzlich bewilligt hat, die Fahrzeuge überleben wird.

Was sticht für Sie speziell heraus?

Dass wir auch klar Farbe zeigen. Das breite blaue Fensterband spielt auf die Limmat an. Dieses verleiht den Fahrzeugen – zusammen mit den beiden Grautönen und dem Weiss – Eigenständigkeit und Identität. Sie werden sich klar von den Stadtzürcher Trams und unserer S17, der Bremgarten-Dietikon-Bahn, unterscheiden. Dies ist wichtig, da sich die Strecken teilweise überlappen. Die Fahrgäste werden auf einen Blick erkennen können, welches die Limmattalbahn, die Linie 20, ist.

Die Farbwahl war wohl nicht einfach, galt es doch die Wünsche von zwei Kantonen, sechs Gemeinden und zwei Tarifverbünden zu berücksichtigen. Wie fanden Sie da einen Konsens?

Die Anliegen der Gemeinden sind natürlich in den Entscheidungsprozess eingeflossen. Aber aktiv eingebunden waren sie nicht. Es hätte sich auch die Frage gestellt, wer mitentscheiden darf. Der Gemeindepräsident oder der Bauvorstand? Die Anwohner oder alle Stimmberechtigten? Und was ist mit den Einwohnern von Nachbargemeinden, die die Bahn auch nutzen werden? Stellvertretend für die Fahrgäste konnten sich die Eigentümer und Besteller des öffentlichen Verkehrs einbringen.

Die Limmattaler Gemeinden hatten bei der Gestaltung ihrer Bahn also kein Mitspracherecht?

Entschieden haben der Zürcher Verkehrsverbund und der Zürcher Verkehrsrat. Im neunköpfigen Verkehrsrat hat die Urdorfer Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner Einsitz. Die Region konnte sich also einbringen.

Aus Kostengründen kommt das Aargau-Verkehr-Innendesign zur Anwendung.

Aus Kostengründen kommt das Aargau-Verkehr-Innendesign zur Anwendung.

Ist die Limmattalbahn nun zürcherisch oder aargauisch?

Weder noch, sie ist limmattalerisch. Strukturell ist sie aber ein sehr komplexes Gebilde. Wir, Aargau Verkehr, werden die Stadtbahn betreiben und unterhalten. Bestellt hat sie aber der Zürcher Verkehrsverbund zu 80 Prozent und der Kanton Aargau zu 20 Prozent. Diese haben bezüglich Gestaltung auch entsprechende Vorgaben gemacht. Sie forderten insbesondere, dass die neue Stadtbahn als eigenständige Marke positioniert wird. Das haben wir mit der nun bewilligten Gestaltung umzusetzen versucht.

Ist deshalb der Schriftzug «Limmattal Bahn» relativ prominent vertreten, während die Logos der Betreiberin AVA und der beiden Verkehrsverbünde eher klein sind?

Ja. Aus unternehmerischer Sicht hätte ich natürlich gern gesehen, wenn unser Logo auf den Fahrzeugen grösser wäre. In ersten Entwürfen gab es auch entsprechende Varianten. Wir mussten aber eine für die ganze Region mehrheitsfähige Lösung suchen. Diese liegt nun vor und ich bin mit ihr sehr zufrieden. Denn es handelt sich trotz der Überarbeitung und den vielen Beteiligten um keinen Kompromiss, bei dem alle etwas Federn lassen mussten und deshalb auch alle etwas unzufrieden sind. Wir konnten vielmehr eine eigenständige, neue und gute Lösung finden.

Beim Innendesign setzen Sie auf die Innendekoration von Aargau Verkehr. Warum?

Würden wir für die acht Fahrzeuge der Limmattalbahn beispielsweise ein spezielles Polster-Design verwenden, käme uns dies teurer zu stehen. Gerade Polsterbezüge sind vandalismusgefährdet und müssen immer wieder einmal ersetzt werden. Indem wir über den gesamten Betrieb dieselben Materialien einsetzen, können wir Synergien nutzen und beim Einkauf von einem Mengenrabatt profitieren. Zudem passen die Farben des Innendesigns auch zur Gesamtgestaltung des Fahrzeuges. Somit kann dem Fahrgast ein gesamtheitlich gutes Gefühl in einer harmonischen Farbwelt geboten werden.

Haben die Coronawirren eigentlich Auswirkungen auf den Start der Limmattalbahn?

Der Termin ist fix. Wir müssen und werden mit dem Fahrplanwechsel vom 11. Dezember 2022 starten. Stadler Rail hat zwar wegen der Virus-Restriktionen gewisse Korrekturen am Fahrzeugablieferungsprogramm vornehmen müssen. Dabei handelt es sich aber nur um Anpassungen, nicht um Verzögerungen. Das erste Fahrzeug erwarten wir nach wir vor Anfang 2022. Das achte und vorerst letzte gegen Sommer. Das lässt uns Zeit, um sie intensiv testen zu können.

Erwarten Sie bei den an sich bewährten Fahrzeugen denn technische Probleme?

Der Tramlink-Typ von Stadler fährt bereits an verschiedenen Orten. Aber auch wenn es sich um ein Serienfahrzeug handelt, ist doch jeder gelieferte Wagen ein Unikat. Es steckt Handarbeit dahinter. Es wird deshalb sicher gewisse Kinderkrankheiten bei den einzelnen Fahrzeugen geben. Dies ist aber bei einer Inbetriebsetzung ganz normal. Wir werden über genügend Zeit verfügen, damit wir die Probleme beim Testen erkennen können und noch vor der Eröffnung der Limmattalbahn auch beheben können.

Sind acht Fahrzeuge denn genug?

Theoretisch ja. Damit wir den fahrplanmässig vorgesehenen Viertelstundentakt anbieten können, benötigen wir sechs Fahrzeuge. Zwei stehen damit als Reserve bereit. Angesichts unserer Erfahrungen wissen wir aber auch, dass es nicht undenkbar ist, dass am selben Tag zwei Fahrzeuge ausfallen können. Dann wird es bereits eng.

In Ihrem aktuellen Geschäftsbericht wird die Rekrutierung von Trampiloten mehrmals als «grosse Herausforderung» bezeichnet. Kann es da auch eng werden?

Wir benötigen auf einen Schlag rund 35 bis 40 Stadtbahnführerinnen und Stadtbahnführer, wie wir sie nennen. Diese Stellenbesetzungen werden nicht nur wegen der grossen Anzahl etwas Zeit benötigen. Einerseits hat der Beruf, etwa wegen Schichtarbeit, an Attraktivität eingebüsst. Und andererseits stellt das Bundesamt für Verkehr an jene, die sich für die Stelle interessieren, immer höhere Anforderungen. Diese liegen inzwischen deutlich näher an denjenigen eines Piloten als an denjenigen eines Buschauffeurs. Dennoch, bis am 11. Dezember 2022 werden wir bereit sein.

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