FC Dietikon

Erste Bilanz vor der Winterpause: «Wir orientieren uns immer nach vorne»

Hat eine enge Meisterschaft erwartet: Christian Müller.

Hat eine enge Meisterschaft erwartet: Christian Müller.

Am kommenden Montag beginnt für die 1.-Liga-Fussballer die Winterpause. FCD-Sportchef Christian Müller (45) zieht eine erste Bilanz.

Mit einem Auswärtsspiel gegen Mitaufsteiger Paradiso schliesst der FC Dietikon am kommenden Samstag das Fussballjahr 2019 ab. Christian Müller war in seiner Aktivzeit Goalie beim FCD, später während knapp zehn Jahren beim FC Zürich im Marketing tätig und dort auch Mitglied der Geschäftsleitung. Nach einer dreijährigen Pause ist er seit 2017 Sportchef beim Klub von der Dornau und Leiter der Sportkommission. Er zieht eine durchaus positive Zwischenbilanz.

Am vergangenen Samstag kassierten Sie in Wettswil die erste rote Karte in ihrem Leben. Nicht als Aktiver, sondern als Sportchef auf der Bank.

Christian Müller: Ja, das stimmt.

Sitzen Sie beim letzten 1.-Liga-Spiel des Jahres auf der Bank oder werden auch Funktionäre bei einem direkten Platzverweis im nächsten Spiel gesperrt?

Gute Frage, ich gehe davon aus, dass ich gesperrt bin.

Der FC Dietikon steht bei Saisonhälfte auf Rang zehn, zwei Punkte vor dem ersten Abstiegsplatz. Dass man als Liganeuling im Abstiegskampf steckt, ist wenig überraschend …

Abstiegskampf? Schauen Sie auf die Tabelle, da ist alles so nahe beisammen. Zwei Siege, und wir stehen im vorderen Mittelfeld. Wir orientieren uns immer nach vorne. Nicht blauäugig, aber selbstbewusst.

Einverstanden, es kommt immer auf den Blickwinkel an. Gossau auf Rang 13 und Höngg auf Rang 6 liegen lediglich sieben Punkte auseinander. Haben Sie im vergangenen Sommer erwartet, dass die Saison derart ausgeglichen verlaufen würde?

Ja, das überrascht mich ganz und gar nicht.

Geht es im Frühling so weiter, wird man erst ganz zum Schluss wissen, wer absteigen muss.

Und wer in die Aufstiegsspiele kommt.

Hegt der FCD ernsthafte Ambitionen nach oben?

Das ist einfach eine Feststellung.

Vor der Saison hat Trainer João Paiva in Aussicht gestellt, dass die Dietiker offensiven Fussball zeigen wollen. Das ist in manchen Partien durchaus gelungen. Und mit Lulzim Aliu stellt der FCD auch einen der besten Knipser der gesamten Gruppe. In der eigenen Platzhälfte hingegen läuft es dem Team gar nicht wie gewünscht. In den letzten drei Partien hat es gleich elf Gegentore kassiert.

Das sind zu viele. Definitiv.

Nach den beiden U21-Teams von St. Gallen und Winterthur stellt der FCD das jüngste Kader der Meisterschaftsgruppe. Ein, zwei routinierte Defensivspieler neben dem bereits verpflichteten 27-jährigen Ex-Profi Leandro Di Gregorio würden dem Team guttun.

Absolut. Wegen der fehlenden Routine haben wir den einen oder anderen Punkt verschenkt. Ich erinnere an das Spiel gegen Red Star. Wir lagen bis eine Viertelstunde vor Schluss in Führung und verloren noch mit 1:3. Oder das 2:4 gegen Tuggen: Wir führten nach 25 Minuten mit 2:0, dann kassierten wir innert 20 Minuten vier Gegentore. Uns fehlte in solchen Situationen jemand, der den Ball halten und das Spiel beruhigen kann. Oder im richtigen Moment ein taktisches Foul im Mittelfeld begeht. Dies sind Kleinigkeiten, aber sehr wichtig, um den Rhythmus des Gegners zu brechen.

Sie sprechen es an: Wo orten Sie aktuell Baustellen im Kader?

Ich würde nicht von Baustellen sprechen. Es ist aber kein Geheimnis, dass wir neben einem Innenverteidiger gerne noch einen gefährlichen Mann für die Offensive holen würden.

Namen? Sie schmunzeln.

Dafür ist es noch zu früh. Wir schliessen zuerst das Fussballjahr 2019 ab.

Ich unterstelle Ihnen einfach mal, dass Sie in der FCD-Sportkommission – neben Müller gehören dieser auch Vizepräsident Peter Ardielli und Trainer João Paiva an – bereits die eine oder andere Personalie unter die Lupe genommen haben.

Hätten wir das nicht, würden wir einen schlechten Job machen.

Bieten Akteure auch von sich aus an, für den FCD zu spielen?

Wir erhalten im Schnitt alle zwei Wochen eine konkrete Anfrage eines Spielers, der gerne zu uns wechseln würde. Das ist fast schon ein Luxusproblem. Wichtig ist, dass die spielerische Entwicklung eines Kandidaten im Vordergrund steht und nicht der finanzielle Aspekt. Ein neuer Mann muss zu uns passen.

Sprechen wir über Lulzim Aliu. Der 21-jährige Nordmazedonier kam im Sommer vom GC-Nachwuchs und traf bislang neunmal. Sein Vertrag in Dietikon läuft bis Ende Saison. Wird er die Meisterschaft in Dietikon beenden? Oder wechselt er im Winter in den Profifussball?

Sie sagen es richtig: Er hat noch einen Vertrag bis Ende Saison. Und Stand heute wird er diesen auch erfüllen. Wenn aber ein Spieler den Sprung in den Profibereich schaffen kann, stehen wir ihm natürlich nicht im Weg. Luli spielt bis jetzt eine sehr gute Saison. Er ist nicht nur ein sehr guter Spieler, sondern auch menschlich ein toller Typ.

Sie arbeiteten früher viele Jahre beim FC Zürich im Marketing und sassen beim Letzi-Klub auch in der Geschäftsleitung. Ihr Know-how kommt dem FCD insofern zugute, als sich die Meldungen über abgeschlossene Sponsoringverträge in den letzten Wochen jagten. Acht Werbeaufschriften sind es aktuell auf Leibchen, Hosen und Stulpen. Wo hat es auf den Dietiker Trikots noch Platz für Werbeaufschriften?

(Müller schmunzelt) Auf dem Allerwertesten.

«Hakle» wäre ein idealer Partner.

Ich habe da die eine oder andere Idee und treffe mich in dieser Angelegenheit in den nächsten Wochen mit einem Interessenten. Ich muss aber auch sagen, dass ein Vereinstrikot schön anzuschauen sein sollte. Es söll echli en Gattig mache.

Zurück zum Geschehen auf dem Rasen. Eines zeigten die bisherigen 13 Meisterschaftspartien in aller Deutlichkeit: Der FC Dietikon muss für jeden Punkt hart arbeiten. Das wird am Samstag zum Abschluss in Paradiso wohl nicht anders sein. Wie wird der Trainer­staff die Mannschaft auf die Rückrunde und den Kampf um den Ligaerhalt vorbereiten?

Ab nächster Woche gibt es eine Pause. Die Jungs sollen einmal an etwas ­anderes denken als an Fussball. Wir beginnen Anfang Januar mit ­individuellen Leistungstests bei ­unserem ­Medical Partner Ärzte­zentrum ­Limmatfeld und mit dem Mannschaftstraining. Ein Trainings­lager in Portugal bildet den Abschluss der Vorbereitung.

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