Dietikon
Erst-Hilfe-Kursleiterin: «Tierschutz fängt bei den Kleinsten an»

Beim Erste-Hilfe-Kurs für Tiere in der Freizeitanlage Chrüzacher erfuhren die Kinder, wie sie verletzten Tieren fachgerecht helfen können. Mirjam Spring veranstaltet diese Kurse einmal im Jahr gemeinsam mit einer Tierärztin.

Yanick Ammann
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Wie in der Praxis wird der Hund auf dem Tisch von der Tierärztin untersucht
10 Bilder
Aufmerksam verfolgen die Mädchen die verschiedenen Schritte einer Routineuntersuchung beim Hund
Unter Anleitung der Tierärztin legen die Mädchen gekonnt selbst Hand an
Die Mädchen dürfen der Tierärztin beim Anlegen des Verbandes assistieren
Erste-Hilfe-Kurs für Tiere
Tierärztin Wojtyna Politano zeigt, wie beim Pferd die Lymphknoten abgetastet werden
Kursleiterin Mirjam Spring erklärt den Mädchen, was auf dem Speiseplan der Kaninchen stehen sollte
Mit Futter wird versucht, das Vertrauen des Huhns zu gewinnen
Auch eine Fütterung der Hühner steht auf dem Programmplan
Beim Vogelkäfig wird über artgerechte Tierhaltung gesprochen

Wie in der Praxis wird der Hund auf dem Tisch von der Tierärztin untersucht

Yanick Ammann

Mein Hund hat sich an der Pfote verletzt und blutet. Mein erster Gedanke: Ich bringe ihn zum Tierarzt. Doch mit der blutenden Wunde kann ich ihn nicht transportieren, ich muss Erste Hilfe leisten und die Blutung stoppen. Ich könnte ihm die Pfote mit einem Verband verbinden, doch wie geht das noch gleich? Mit dieser Situation sahen sich am Samstag sieben Mädchen im Erste-Hilfe-Kurs für Tiere in der Freizeitanlage Chrüzacher konfrontiert. Der Unfall war zum Glück ein reines Gedankenspiel und der Hund wohlauf. Geübt aber wurde für den Ernstfall.

Einmal im Jahr bietet Mirjam Spring den Kurs für Kinder ab sieben Jahren gemeinsam mit der Tierärztin Igna Wojtyna Politano an. Sie wollen den Kleinen näherbringen, wie man mit verletzten Tieren umgehen soll, wie man ihnen Erste Hilfe leisten kann, aber auch wie eine artgerechte Tierhaltung aussieht. «Man darf bei verletzten Tieren nicht wegschauen, helfen kann jeder», so Kursleiterin Mirjam Spring.

Ein lehrreicher Nachmittag

Gestartet wird im Kaninchenstall. Die Kinder überlegen gemeinsam, was ein Kaninchen alles isst und beweisen dabei, dass sie sich mit den Kleintieren bereits bestens auskennen. Politano nennt trotzdem eine Reihe von giftigen Pflanzen, die besser nicht im Futternapf landen. Von den Kaninchen geht es weiter zu den Hühnern. Die Kinder gehen mit Futterschalen ausgerüstet ins Gehege der gefiederten Zweibeiner, wo ihnen Spring zeigt, wie man die Tiere richtig in den Armen hält. Dabei sei besonders auf die Flügel achtzugeben, erklärt sie den aufmerksamen Mädchen.

Als Nächstes konzentrieren sich die Kursteilnehmerinnen auf den Hund der Kursleiterin. Tierärztin Politano demonstriert an ihm eine Routineuntersuchung in der Praxis, bei der sie unter anderem Fell, Augen und Zähne des Tieres begutachtet. Nun dürfen die Kinder selbst Hand anlegen und verpassen dem äusserst geduldigen Hund unter der Aufsicht der Tierärztin Verbände an gleich zwei Pfoten und hören mit dem Stethoskop den Herzschlag ab. Das Gleiche wird wenig später draussen an Pferd und Esel geübt. Besonders das Anlegen des Verbandes am Huf der Tiere erweist sich als Herausforderung, die von den reiterfahrenen Mädchen aber mit Bravour gemeistert wird. Auch nach dem Vortraben hält der Verband einwandfrei.

Aus Liebe zu den Tieren

Besonders spürbar bei den Übungen an diesem Nachmittag ist die Zuneigung der Kinder zu den Tieren. «Ich mag Tiere sehr. Deshalb nehme ich auch am Kurs teil. Momentan habe ich zwar noch keine Haustiere, aber vielleicht bekomme ich bald ein Kaninchen», erklärt etwa die siebenjährige Flavia. Bereits mehrere Vogelspinnen und Leopardengeckos hat die 11-jährige Nina zu Hause. «Ich habe noch keine Notfälle mit meinen Haustieren erlebt, aber ich möchte wissen, wie ich helfen kann.»

Zum Schluss erfahren die Kinder denn auch, was zu tun ist, wenn sie unterwegs auf ein verletztes Tier stossen. Besonders aufpassen müsse man dabei auf die eigene Sicherheit, denn verletzte Tiere sind oft verängstigt und versuchen, sich zu verteidigen. Deshalb sei möglichst schnell Hilfe zu holen, ob von der Polizei oder vom Tierrettungsdienst. Vom Kurs profitieren am Ende somit die Kinder wie auch die Tiere. «Tierschutz fängt bei den Kleinsten an», so Spring.