Greg Manning
Erst eroberte er das Limmattal, dann die ganze Welt

Greg Manning, ursprünglich aus dem Limmattal, feiert mit seiner Musik weltweit Erfolge. So sehr, dass seine Songs mittlerweile als illegale Downloads angeboten werden.

Daniel Diriwächter
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Greg Manning denkt gerne an seine Heimat zurück: «Im Herzen bin und bleibe ich Limmattaler.»

Greg Manning denkt gerne an seine Heimat zurück: «Im Herzen bin und bleibe ich Limmattaler.»

Zur Verfügung gestellt

Er ist Produzent und Keyboarder für namhafte Künstler der Soul-Jazz-Szene und feiert derzeit als Solo-Artist einen weiteren Erfolg: Greg Manning (50), aufgewachsen in Weiningen, steht mit seinem Song «Sugar & Spice» auf Platz 15 der US Smooth Jazz Billboard Charts. Er hat gute Chancen, den Erfolg seiner Debüt-Single «Dance with You» zu wiederholen; diese erreichte im Frühling 2013 Platz 5. «Sugar & Spice» ist auch der Titelsong des dritten Albums von Manning, das Ende Juli erschienen ist.

Manning, mit bürgerlichem Namen Gregory Wachter, lebt den amerikanischen Traum. Seit rund 20 Jahren wohnt und arbeitet er in den Staaten, seit 2002 in Los Angeles. Keiner habe damals auf ihn gewartet, erzählt er. Und heute stehen sie Schlange, um mit ihm zu musizieren. So spielt der bekannte Saxofonist Donald Hayes, der auch als «most recorded Artist» seiner Zunft gilt, gleich auf zwei der neuen Kompositionen mit. Manning mag das Saxofon sehr: «Mein Instrument ist das Keyboard, aber dem Saxofon stehen weitaus mehr Möglichkeiten zur Verfügung, um Melodien etwa mittels eines Crescendo zu bereichern.»

Ein Auftritt in Peking

Das neue Werk besteht wiederum aus purem Soul und Funk; der gleichnamige Track ist zudem eine Hommage an den Sound der 1960er, dessen «Retro-Idee» Manning schon vor fünf Jahren hatte: «Aber erst jetzt ist die Zeit dafür gekommen.» Für die Werbung stehen nun viele Radio-Interviews auf dem Programm, aber auch Konzerte, wie etwa beim «Laguna Beach Festival of Arts». In dieser Woche hat Manning zudem die Ehre, im neu eröffneten Blue Note Jazz Club in Peking zu spielen. «Bereits in Tokio hatte der dortige Blue Note-Club die tollste Bühne, auf der ich je gespielt habe», erinnert er sich. Anschliessend stehen Konzerte in Mexiko und Korea auf dem Terminplan.

Auch wenn Manning den Fokus auf eine internationale Karriere legt: Er konnte sich ebenfalls in der Schweizer Musikszene etablieren. Er wirkte bei TV-Shows wie «Musicstar» oder «Kampf der Chöre» als Produzent mit oder komponierte Stücke für Marco Rima oder Viktor Giacobbo. Dennoch galt er selbst hierzulande bei den Plattfirmen als «zu amerikanisch» – er liess sich aber davon nicht beirren. Seine beachtliche Karriere gibt ihm recht, sei es als Solo-Künstler, als Produzent, unter anderem für neue, aufstrebende Talente, oder als Bandmitglied; Engagements, die ihn mit seinen Vorbildern wie dem Bassisten Larry Graham («Sly & the Family Stone») vereinen.

Grosse Erfolge bringen aber auch Schattenseiten mit sich. Mittlerweile finden sich diverse Songs von Manning als illegale Downloads auf dubiosen Websites wieder. Er bezeichnet diese Machenschaften als «Ausbeutung der Künstler». Auch dem Videoportal YouTube steht er in dieser Hinsicht skeptisch gegenüber: «Sicher 80 Prozent der Musik wird dort illegal hochgeladen. Dieses Geschäftsmodell ist eigentlich Diebstahl.» Immerhin erhielt er von YouTube jüngst einen Check: Ganze 70 Cents hat er für 63 000 Klicks auf einem Video verdient. Es gehe oft vergessen, dass gute Musik viel Arbeit und auch finanzielle Ausgaben bedeute, so Manning.

Seiner Lust am Soul, Funk und Jazz tut das aber keinen Abbruch. Die Vorfreude auf den nächsten Auftritt überwiegt, das Mixen eines neuen Songs im Heimstudio ist spannender.

Ein Traum in der Schweiz

Manning denkt gerne an seine Heimat zurück: «Im Herzen bin und bleibe ich Limmattaler.» Zudem existiert in der Schweiz ein bestimmter Musikanlass, der für die höchste Weihe in seiner Sparte steht: das Montreux Jazz Festival. Diese Bühne will er irgendwann bespielen. Viele seiner berühmten Kollegen, mit denen er in den Staaten arbeitet, erzählen ihm davon – und können es nicht glauben, dass Manning dort noch nie aufgetreten ist.