Irgendwann wurde es zu unübersichtlich ob all der Heinrichs, Konrads, Rudolfs, Mechthilds, Gertruds oder Adelheids. Eine Unterscheidung tat not. Denn etwa bei Erbangelegenheiten war Eindeutigkeit unabdingbar. Und so kam es, dass im deutschsprachigen Raum im 12. Jahrhundert die Rufnamen der Personen um sogenannte Beinamen ergänzt wurden.

Später wurden daraus die heutigen Familiennamen. Sie lassen sich nach den Benennungsmotiven in fünf Gruppen einteilen. Einerseits sind sie aus Berufs-, Herkunfts- oder Wohnstättenbezeichnungen entstanden, andererseits gehen sie auf Ruf- und Übernamen zurück.

Die häufigsten deutschsprachigen Familiennamen gehören zu den Berufsbezeichnungen, wie Müller oder Meier. Aber auch Keller, Suter, Sutter, Sauter oder Sautter gehören dazu. Erster bezeichnet einen Kellermeister oder den Verwalter der Weinberge. Letzterer geht auf das lateinische Wort sutor zurück und meint einen Näher, Schneider oder Schuster. Da Brot ein Grundnahrungsmittel ist und der Bäcker daher ein wichtiger Beruf, existieren viele Familiennamen, die davon abgeleitet sind. Beck ist der offensichtlichste. Aber auch Pfister, von pistor stammend, meint einen Bäcker.

Viele Flurnamen als Ursprung
Bei der Gruppe der Namen nach Herkunftsbezeichnung unterscheidet man zwischen dem Ort oder dem Land, aus dem ein Zugezogener stammt. Also der Zürcher aus Zürich oder der Kölliker aus Kölliken. Peyer oder Baier benennt jemanden, der aus dem bayrischen Raum stammt. Aufgrund solcher Familiennamen lassen sich auch Wanderungsbewegungen nachzeichnen. Gemäss dem «Kleinen Sprachatlas der deutschen Schweiz» ist der Einzugsradius aber eher gering und beschränkt sich auf einen Umkreis von bis zu 75 Kilometer.

Egger oder Brugger gehören zu jenen Namen, die sich von Wohnstätten ableiten. Erstere Person wohnte also an einer Bergkante, letztere Person an einer Brücke. Viele der Namen aus dieser Gruppe beziehen sich auf Flurnamen oder Geländebezeichnungen, etwa Auer, Walder, Hofer oder Matter.

Ein häufiger Vertreter eines Familiennamens aus einem Rufnamen ist etwa Burkhard mit seinen Varianten. Er geht auf einen Rufnamen zurück, der aus den althochdeutschen Begriffen burg für Burg, Stadt, Schutz und hart für hart oder stark zusammengesetzt ist. Kunz wiederum ist eine Koseform des Rufnamens Konrad, einem der häufigsten im Mittelalter.

Eine letzte Gruppe bildet jene der Nachnamen aus Übernamen. Sie leiten sich aus körperlichen oder charakterlichen Eigenschaften einer Person ab. Frei steht etwa für jemanden, der kein Leibeigener war, Fink für eine pfiffige Person.

Laut dem «Kleinen Sprachatlas der deutschen Schweiz» ist bei solchen Namen nicht ausgeschlossen, dass auch eine gewisse Ironie im Spiel gewesen ist. Etwa bei Namen wie Abt, König oder Kaiser. Eine solche Person könnte sehr fromm, vornehmtuerisch oder rechthaberisch gewesen sein.