Schlieren

Ersatzbau für Sportzentrum Vitis wird geplant: Es besteht noch Hoffnung für den Racket-Sport

Auf dem Grundstück westlich der Gasometerstrasse und direkt neben den Bahngleisen sind bereits die Bauprofile ausgesteckt.

Auf dem Grundstück westlich der Gasometerstrasse und direkt neben den Bahngleisen sind bereits die Bauprofile ausgesteckt.

2022 muss das Sportzentrum Vitis beim Bahnhof schliessen. Nun gibt es Pläne für einen Ersatzbau am Stadtrand.

Am Schlieremer Stadtrand soll ein Sport-Mekka entstehen. Wie die bereits ausgesteckten Bauprofile zeigen, plant der Besitzer des Sportcenters Vitis, Kurt Locher, westlich der Gasometerstrasse zwischen Südstrasse und Bahngleisen ein neues Sportzentrum. Derzeit läuft die ­öffentliche Auflage eines Vorentscheid-Verfahrens. Seinen aktuellen Standort an der Wiesenstrasse gleich hinter dem Bahnhof Schlieren muss das Sportcenter per Ende April 2022 verlassen, da an dieser Stelle eine neue Wohnüberbauung geplant ist.

Das Land, auf dem der Neubau bis dann entstehen soll, steht zwar auf Schlieremer Boden, gehört aber der Stadt ­Zürich. Geplant ist ein rund 190 Meter langer und 13 Meter hoher Bau für 8 bis 9 Millionen Franken. Das neue Zentrum würde kleiner ausfallen als das bisherige an der Wiesenstrasse: Anstelle von heute 10 stünden noch 6 Tennisplätze zur Ver­fügung, anstelle von 7 neu 5 Badmintonfelder und statt 11 neu noch 7 Squash-Boxen. «Für mich ist die Hauptsache, dass Racketsport-­Begeisterte weiterhin im Limmattal ein Angebot finden», sagt Locher.

Es sei aber noch zu früh, um von einer Rettung des Schlieremer Vitis zu sprechen, erklärt Locher weiter. «Einerseits steckt das Neubauprojekt noch in den Kinderschuhen, und es gibt viele offene Fragen, andererseits eilt die Zeit, da wir in anderthalb Jahren unseren aktuellen Standort verlassen müssen», sagt der 78-Jährige. So erweist sich die Planung auf dem Gebiet bei der Gaswerkbrücke als knifflig. Denn die Parzelle ist aktuell eine Wohnzone, auf der maximal viergeschossige Gebäude erlaubt sind.

Das Gebiet würde zu einer Erweiterung des Juchhofs

Im Rahmen der aktuell lau­fenden Revision der Bau- und Zonenordnung beabsichtigt die Stadt Schlieren jedoch die Umwandlung in eine Erholungszone Sport. Auf dem über 30'000 Quadratmeter grossen Grundstück will die Stadt Zürich als Besitzerin auch eine Zone mit flexibel nutzbaren Flächen ausscheiden. Faktisch würde das Gebiet eine Erweiterung der Stadtzürcher Sportplätze Juchhof. Eigene Garderoben, Toiletten oder Materialräume werden daher nicht benötigt, da jene des Juchhofs benutzt werden können. Auch die Verkehrs­erschliessung könne über den Juchhof abgewickelt werden, heisst es in den aufliegenden Unterlagen.

Locher betont, dass das Gebiet noch nicht in eine Sport- und Erholungszone umgewandelt wurde. «Daher ist eine Ausnahmebewilligung nötig, damit wir ein neues Zentrum erstellen können.» Solche Vorentscheide werden laut Angaben des Bausekretariates eher selten verwendet und auch nur dann, wenn es um Fragestellungen gehe, die aus rechtlicher Sicht nicht eindeutig in Gesetzen oder Verordnungen festgehalten seien oder Ausnahmebewilligungen erfordern.

Bereits gegen einen Vorentscheid kann Rekurs erhoben werden. «Die Beantwortung des Vorentscheides durch den Stadtrat ist – wenn dieser rechtskräftig wird – bei einem allfälligen Gerichtsweg im Zusammenhang mit dem später eingereichten, effektiven Baugesuch rechtlich bindend», sagt Bau­sekretär René Schaffner. Die Behandlung des Vorentscheids werde sicher mehrere Monate in Anspruch nehmen, da verschiedene Amtsstellen auf kommunaler und kantonaler Ebene in den Prozess eingebunden seien.

Wie die Chancen für eine positive Rückmeldung der Stadt stehen, ist offen. Dafür spricht aber, dass der eingeschossige Bau mit Giebeldach und schlichter Fassade die maximale Bauhöhe von 20 Metern bei weitem nicht ausnutzt. Lediglich 13 Meter soll das neue Sportzentrum in die Höhe wachsen. Dafür übersteigt die Gebäudelänge von 190 Metern die erlaubten 100 Meter um fast das Doppelte. Weiter werde das Industriegebiet durch die grosse Grünfläche aufgewertet.

Rückenwind von Filippo Leutenegger

«Ein ersatzloser Wegfall des bisherigen Vitis Sportzentrums würde auch Stadtzürcher Racket­Sportlerinnen und -Sportler treffen», schreibt der Züricher Schul- und Sportvorsteher Filippo Leutenegger (FDP) in einem Brief an den Schlieremer Bauvorstand Stefano Kunz (CVP). Dieser liegt dem Gesuch auf einen Vorentscheid bei. Leutenegger schreibt auch, dass auf dem restlichen Gebiet keinerlei Gebäude erstellt würden und weder eine Verkehrs­er-schliessung noch Parkplätze benötigt würden. Weiter heisst es: «Wir unterstützen das vorliegende Projekt.»

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