Laut Anklage hatte sich der heute 42-jährige Aargauer zwischen 1998 und 2004 als Hellseher und Parapsychologe betätigt. Von Unterengstringen aus bot er Telefondienste für Lebenshilfe und schwarze Magie an. Anfänglich mit einem beachtlichen finanziellen Erfolg.

Als aber das Geschäft aufgrund aufkommender Konkurrenz immer schlechter lief, verlegte sich der Beschuldigte laut Anklage auf kriminelle Methoden. So stellte er den meisten seiner früheren Kunden frei erfundene Rechnungen zu und drohte ihnen nicht nur mit Betreibungen, sondern auch mit Enthüllungen von intimen Gesprächen. Laut Anklage gaben Dutzende dem perfiden Druck nach und überwiesen ihm innerhalb von mehreren Jahren rund 156 000 Franken. Zudem soll er weitere 166 000 Franken zu Unrecht gefordert, aber nicht erhalten haben.

Geständnis widerrufen

Im letzten Dezember kam vor dem Bezirksgericht Dietikon heraus, dass der Beschuldigte ursprüngliche Zugaben widerrief. Er habe während der Untersuchung lediglich ein falsches Notgeständnis abgelegt, gab er zu Protokoll. Vor allem um aus dem Gefängnis herauszukommen. Worauf er Verteidiger Freisprüche von den gewichtigen Hauptvorwürfen verlangte.

Anders sah es der zuständige Staatsanwalt, der wegen eines schweren Verschuldens eine unbedingte Freiheitsstrafe von vier Jahren forderte.

Erpresser muss nicht mehr ins Gefängnis

Das Dietiker Gericht kam nun Mitte Januar zu einem Entscheid. Es verurteilte den Beschuldigten wegen falscher Anschuldigung, gewerbsmässiger Erpressung sowie mehrfacher teilweise versuchter Nötigung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren. Pikanterweise 314 Tage davon unbedingt.

Exakt diese Zeitdauer, die der frühere Limmattaler während der Untersuchung im Gefängnis verbracht hatte. Was bedeutet, dass der Ex-Parapsychologe trotz der Schuldsprüche nicht mehr ins Gefängnis muss.

Zudem ging aus dem Urteilsdispositiv hervor, dass es bei den über 120 Geschädigten bei rund einem Drittel mangels Beweisen zu Freisprüchen gekommen war.

Bei mehreren Schuldsprüchen wurde der Beschuldigte verpflichtet, den Geschädigten Schadenersatz von mehreren 10000 Franken zu bezahlen. Zudem soll er drei Viertel der ansehnlichen Gerichtskosten von 30000 Franken zu bezahlen.