Bereits nach ein paar Schritten bleibt Samuel Spahn wieder stehen, als er auf sein Maisfeld schreitet. «Weiter gehe ich lieber nicht, sonst drohe ich, im sumpfigen Boden einzusinken», sagt der Landwirt des Dietiker Hofes Fondli. Der Mais müsste jetzt dringend gehackt werden. Doch das maschinelle Unkrautjäten zwischen den Pflanzenreihen sei wegen des Wetters derzeit nicht möglich. Vom anhaltenden Regen sei der Boden derart aufgeweicht, dass der Traktor nicht eingesetzt werden könne.

Zwanzig Hektaren umfasst Spahns Biohof. Die blockierten Arbeitsschritte im Ackerbau sind nicht die einzige Sorge des Bauers: «Für diese Tage wäre das Säen von Speisehirse auf dem Plan gestanden, was ich wegen des getränkten Bodens immer wieder aufschieben musste.» Wenn das diese Woche nicht mehr realisiert werden könne, sei es für die Aussaat zu spät. Auch die zu tiefen Temperaturen machen Spahn zu schaffen. Sie könnten für minderwertige Erträge sorgen. «Mais, Soja und Getreide bräuchten für eine gute Ernte Wärme und Licht, woran es bisher fehlte.»

Heuen wegen Nässe unmöglich

So wie Samuel Spahn sehnen momentan zahlreiche Limmattaler Bauern trockene Tage herbei. Eines der dringendsten Probleme der Landwirte ist gemäss Andreas Rüsch von der kantonalen Fachstelle Pflanzenbau & Milchwirtschaft, dass aufgrund der nassen Böden kein Heu produziert werden könne. Etwa sechs trockene Tage am Stück wären für die Heuproduktion nötig, doch diese sind nach jüngsten Vorhersagen nicht in Sicht.

Am meisten Kummer bereiten den Bauern jedoch die zahlreichen Pilzkrankheiten, die im dauerfeuchten Klima ideale Bedingungen vorfinden. Schorf und Mehltau würden sich bereits auf seinen Obstkulturen verbreiten, sagt der Dietiker Bauer Kurt Bräm. Als IP-Suisse-zertifizierter Landwirt darf er keine Fungizide spritzen. Auch sein Weizen und Korn seien von Pilz befallen. «Ich rechne damit, dass ein Drittel meiner Getreideernte zerstört ist. Vom brauchbaren Teil werden die meisten Körner wegen der schlechten Wetterbedingungen wohl qualitativ minderwertig sein.» Auch Obstbauer Fredy Boll steht dem drohenden Pilzbefall machtlos gegenüber: «Ab einer Schauermenge von 35 Litern pro Quadratmeter wird das vorher versprühte Pflanzenschutzmittel wieder weggewaschen.»

Biobauern wie Samuel Spahn oder IP-Suisse-zertifizierte Höfe wie derjenige von Kurt Bräm müssen sich beim Einsatz von Fungiziden an strengere Auflagen halten als andere Landwirte. Die erlaubten Pflanzenschutzmittel seien momentan jedoch nicht in erster Linie das Problem, erklärt Andreas Rüsch. Vielmehr seien aufgrund der durchtränkten Böden die Maschinen, mit denen Fungizide versprüht werden, nicht einsetzbar, da sie im schlammigen Untergrund stecken blieben. «Um bei unserem Kartoffelbestand der Krautfäule vorzubeugen, müssten wir wöchentlich mit dem Traktor zwischen den Stauden durchfahren, um zu spritzen», sagt der Oetwiler Landwirt Benjamin Bühler. Weil der weiche Boden das im Moment nicht zulasse, könnte sich der Pilz auf den dauerhaft nassen Blättern schnell ausbreiten.

«Wir erhalten vermehrt Mitteilungen von Landwirten, die Krautfäule an ihren Kartoffeln festgestellt haben», sagt Andreas Rüsch. Im schlimmsten Fall würde die Fäule den ganzen Bestand befallen, wodurch die gesamte Ernte verloren gehe. Regnet es diese und nächste Woche weiterhin so stark, hält der Pflanzenbauexperte dieses Szenario für realistisch.

Geplatzte Kirschen

Auch die Kirschernte, die in den nächsten Wochen ansteht, dürfte wegen des Regens kleiner ausfallen als üblich. Durch die übermässige Aufnahme von Wasser sind bereits zahlreiche Früchte aufgeplatzt. «Alle Früchte, die unter der Plastikabdeckung hervorschauten, sind uns aufgesprungen», so Kurt Bräm.

Nach dem verregneten Frühling hoffen die Bauern nun auf einen besseren Sommer. «Vom Wasser, das uns letztes Jahr fehlte, haben wir jetzt zu viel», sagt Biobauer Spahn. Tatsächlich sind extreme Wettersituationen wie übermässige Nässe oder Trockenheit laut Andreas Rüsch typische Auswirkungen des Klimawandels. Das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft arbeitet zurzeit daran, einen «Massnahmenplan Klimawandel» zu erarbeiten. Dafür werden auch Szenarien für die Landwirtschaft erforscht, um Lösungen für stärkere Wetterschwankungen, wie sie in unseren Breitengraden in Zukunft zur Normalität werden könnten, auszuarbeiten.