Dietikon/Geroldswil

Erneut findet ein Biber in den Limmatauen ein Zuhause

Neun Monate nach dem Tod des ersten Limmattaler Bibers in der Fahrweid lässt sich erneut ein Nager in der Limmat nieder, und zwar früher als von Experten erwartet. Seine Spuren hinterlässt das Tier flussabwärts bis nach Spreitenbach.

Bei einem Fahrradausflug entlang des Dietiker Limmatufers entdeckt Nicolas Petit dieses Frühjahr auf der anderen Flussseite plötzlich einen Biber. Das Nagetier frisst ungestört Schilf, taucht ins Wasser ein und wieder auf. Der Dietiker Fotograf zückt seine Kamera, um das Szenario zu dokumentieren. Seine Fotos, die den Biber beim Einstieg in die Limmat zeigen, sind der erste Beweis für den erneuten Einzug des Bibers in die Gewässer von Geroldswil und Dietikon. «Eigentlich wollte ich an diesem Tag nur junge Enten fotografieren. Dass mir dann ein Biber vor die Linse geriet, war eine grosse Überraschung», so Petit. Seit der ersten Begegnung mit dem Biber habe er den Nager in regelmässigen Abständen immer wieder an derselben Uferstelle beobachten können.

Tobias Liechti von der Umweltplanungsfirma Creato bestätigt, dass das Limmattal wieder Heimat eines neuen Bibers geworden ist. «Es ist erfreulich, dass so schnell wieder ein Biber ins Zürcher Limmattal gefunden hat», so Liechti. Das letzte und einzige Exemplar seit 20 Jahren in der Region wurde im vergangenen September in der Fahrweid von einem Auto überfahren.

Rutschen und Wege ins Wasser

Selbst gesehen hat Liechti den neuen Biber zwar noch nicht, es gebe aber eindeutige Spuren: «Es gibt eine kleine Rutsche, die ins Wasser geht, und Wege, die sich der Biber zur Limmat gebaut hat.» Solche habe er auf der bewaldeten Insel in den Geroldswiler Auen gesehen. Nagespuren an Bäumen gibt es derzeit noch fast keine, da sich der Biber erst im Herbst Vorräte aus Holz schafft.

Die hiesigen Auen seien optimal für das Nagetier. «Sie bieten genug Platz für einen Biber, der nagen, stauen und graben kann, so viel er will – ohne dass er dabei mit der Landwirtschaft in Konflikt kommt», sagt Liechti. Ausserdem schafften Biber durch ihre Tätigkeiten Lebensraum für andere Wasserlebewesen und gelten deshalb als Schlüsseltier für die Artenvielfalt. Die von Bibern geschaffenen Veränderungen im Gewässer und Landlebensraum sind beispielsweise von hoher Bedeutung für Amphibien. «Biber fühlen sich in Fliessgewässer mit natürlichem, breitem Uferbereich wohl, sagt der Forstingenieur. «Es sollte viele Gehölze, am besten Weiden und Wasserpflanzen geben.» Der Biber gestalte sich seinen Lebensraum selber, indem er Wasser mithilfe von Dämmen staue.

Wer den Biber beobachten will, braucht allerdings viel Geduld. Die Tiere sind scheu und zudem nachtaktiv. Dass Petit den Biber am helllichten Tag vor die Linse bekam, war wohl Zufall. Ähnliches Glück hatte auch Christa Glauser vom Schweizer Vogelschutz SVS. Sie hat den Biber Ende Juni am Dietiker Ufer der Limmat beobachten können. Sie vermutet den Bau des Bibers in der Insel, wo es ein Loch am Wasserrand habe.

Chance auf Partner stehen gut

Dass der neue Biber schon bald einen Partner findet und sich eine Biberfamilie etabliert, sei gut möglich, so Liechti. «Alle Reviere ab Baden der Limmat abwärts sind durch Biber besetzt. Deshalb müssen Jungtiere in andere Gebiete abwandern.» Denn jedes Jahr, wenn der Nachwuchs von sesshaft gewordenen Biberfamilien ausgereift ist, werden neue Tiere obdachlos. Die Jungtiere werden in der Regel nach drei Jahren von ihren Familien ausgestossen.

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