Dietikon
Erfrischungen nicht nur von Bach: Organist Simon Nádasi brilliert auch am Flügel

Der in Schlieren tätige Organist Simon Nádasi beweist, dass er auch am Flügel brilliert.

Silvia Zanovello
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Simon Nádasi präsentierte am Sonntag ein breites Musikspektrum.

Simon Nádasi präsentierte am Sonntag ein breites Musikspektrum.

Silvia Zanovello

Dietikon am späten Sonntagnachmittag. Es ist heiss. Kaum jemand ist auf der Strasse, nur wenige Besucher im schattigen Café. Viele sind an diesem Sonntag wohl in einer Badi. Doch einige Leute suchen Abkühlung bei perlenden Klavierklängen und lassen sich dieses Konzert nicht entgehen. Im Pfarreizentrum St. Agatha ist Simon Nádasi mit einem Soloprogramm zu hören, das mit einem Spektrum von Barock bis Romantik aufwartet.

Der in Dietikon wohnende Simon Nádasi arbeitet in Schlieren als Organist in der katholischen Kirche St. Josef. Da mag es erstaunen, dass er sich ein so anspruchsvolles Programm für Klavier zusammengestellt hat. Die Orgel spielt sich ja ganz anders als das Klavier, und es ist selten, dass ein Musiker beide Instrumente auf hohem Niveau beherrscht. Doch an diesem Nachmittag beweist Nádasi, dass er auch als Pianist überzeugt.

Eröffnet wird das Konzert mit Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge in D–Dur aus dem wohltemperierten Klavier. Beides eignete sich gut als Anfangsstück, weil die Fuge wie eine Ouvertüre geschrieben ist. Mit Beethovens Mondscheinsonate geht es weiter, wobei Nádasi nicht nur das Presto agitato des letzten Satzes zu bewältigen hat, sondern es sich auch nicht nehmen lässt, die Seiten seiner Noten selbst umzublättern. Darauf folgen vier Lieder ohne Worte von Mendelssohn, darunter auch das anspruchsvolle «Spinnerlied». Besonders berührend interpretiert der Pianist schliesslich Franz Liszts «Zwei Legenden».

Heiliger wie Pianist

Dabei handelt es sich um Solo–Klavierstücke, die Liszt um 1863 komponierte, und mit denen er seinen Namenspatronen Franz von Assisi und Franz von Paola ein musikalisches Denkmal setzen wollte. Ersterem widmete er «La prédication aux oiseaux», dem zweiten das Stück «Marchant sur les flots». In diesem wird beim Hauptthema klangmalerisch über virtuose Arpeggi dargestellt, wie der heilige Franz von Paola in der Meerenge von Messina übers Wasser schreitet.

Als das Thema zuletzt wieder erklingt, vermittelte Nádasi eindrücklich, wie erschöpft der Heilige danach gewesen sein musste – und wie erschöpft ein Pianist nach einer solchen Tour de force sein kann. Zum Abschluss folgen Ravels «Valses nobles et sentimentales», ein Werk, das – seiner Zeit voraus – bei der Uraufführung 1911 das Publikum zwar wenig begeisterte, das aber bis heute mit seinen jazzigen Harmonien überrascht. Die Zuhörer verlassen den Saal und treten, erfrischt von den Klängen, in den sommerlichen Abend.