Schlieren

Erfolgreiches Pilotprojekt sorgte für kaum endenden Applaus

Das Stadtorchester trat erstmals gemeinsam mit dem Cäcilienchor auf – das Pilotprojekt war erfolgreich. Im Fokus des Konzerts stand Paris, das über Jahrhunderte hinweg Dreh- und Angelpunkt der europäischen Kultur war.

Der Komponist Hector Berlioz sass einst in seinem Pariser Stammlokal, als ihn ein Freund bat, für ihn eine Melodie aufzuschreiben. In wenigen Minuten schrieb Berlioz das ‹Adieu des Bergers›, einen Chor der Hirten. Das Thema gefiel ihm so gut, dass er später ein dreistündiges Weihnachtsoratorium daraus komponierte, das sich mit der Kindheit Christi befasste: «L’enfance du Christ». Der Hirtenchor daraus war die Urzelle.

Wer war Méhul?

Diese Anekdote erzählte Dirigent Hugo Bollschweiler kurz vor dem Winterkonzert des Stadtorchesters Schlieren in der reformierten Kirche. Das entsprechende Stück sang der Cäcilienchor, der das erste Mal überhaupt mit einem Orchester auftrat. Normalerweise singt der 30-köpfige Chor unter der Leitung von Josef Schelbert in der katholischen Kirche von Schlieren und begleitet Messen an Weihnachten, Ostern oder Pfingsten. Doch die Premiere gelang: Das Zusammenspiel des Chors und des Stadtorchesters war eine Bereicherung für alle Beteiligten.

Im Fokus des Konzerts stand Paris, das über Jahrhunderte hinweg Dreh- und Angelpunkt der europäischen Kultur war. Die drei Komponisten Berlioz, Haydn und Méhul, deren Werke am Konzert gespielt wurden, wirkten alle in der Stadt der Liebe. Doch während Haydn und Berlioz bekannt sind, ist der Name Etienne Méhul weit weniger geläufig. «Er ist tatsächlich fast in Vergessenheit geraten – sogar unter Musikern», sagte Bollschweiler.

«Doch zu seiner Zeit war er äussert populär.» Er lebte im ausklingenden 18. Jahrhundert in Paris und war ein glühender Anhänger der Französischen Revolution. Er komponierte einige Märsche für die Revolution und prägte einen neuen sinfonischen Stil, von dem sich wiederum Beethoven inspirieren liess. Méhuls Sinfonie Nr. 2 in D-Dur, die das Stadtorchester am Samstag spielte, diente später als Grundlage für Beethovens Fünfte. Für die Zuhörer war sie ein wahrer Genuss.

Das Konzert in der fast voll besetzten Kirche begann allerdings mit der Sinfonie Nr. 85 von Josef Haydn. Pompös war der Auftakt mit seinem «Adagio-Vivace». Wunderschön war das ganze Konzert, das wie eine Reise durch Zeit und Raum mitten ins Paris des ausklingenden 18. und 19. Jahrhunderts anmutete. Eindrücklich war auch, wie die Gruppe von Laienmusikern in den vergangenen dreieinhalb Jahren, seit Bollschweiler das Orchester leitet, zusammengefunden hat. Am Ende wollte der Applaus fast nicht enden. Und mit den Klängen aus dem «Adieu des Bergers» von Hector Berlioz, die der Chor und das Orchester als Zugabe noch einmal zum Besten gaben, wurde das Publikum in die schöne vorweihnachtliche Winternacht entlassen.

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