Uitikon
Erfolgreiche «Schnapsidee»: Seit 30 Jahren sorgt sie für Adventsfenster

Silvia Wismer kümmert sich schon seit drei Jahrzehnten um die Adventsfenster in Uitikon. Dieses Jahr finden sie aber nur im Stillen statt.

Carmen Frei
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Silvia Wismer wird ihr Adventsfenster auch dieses Jahr dekorieren.

Silvia Wismer wird ihr Adventsfenster auch dieses Jahr dekorieren.

Carmen Frei

Die Adventsfenster in Uitikon gibt es schon seit 30 Jahren. Und so lange ist auch Silvia Wismer schon mit dabei. Eleonore Oggenfuss und sie hätten sich damals von Berg am Irchel inspirieren lassen, wo es schon Adventsfenster gab. Sie setzten sich mit der Organisatorin in Berg am Irchel in Verbindung und begannen, in Uitikon Anwohner anzufragen. Nachdem sie 24 Personen zusammen hatten, traten sie an die Gemeinde, die die Daten und Adressen im Gemeindekurier publizierte.

Und so erstrahlten 1990 die Adventsfenster das erste Mal. Die Weiterführung für das Jahr 1991 war schnell beschlossen. «Esther Siegenthaler war damals noch im Gemeinderat und hat das Schriftliche übernommen. Wir anderen beiden haben uns um das Organisatorische gekümmert», erklärt Wismer.

Die 86-Jährige führte zusammen mit ihrem Mann Alfred bis 1982 den eigenen landwirtschaftlichen Betrieb. Die Scheune und einige Utensilien zeugen heute noch davon. Nachdem das Ehepaar den Hof aufgab, arbeitete Wismer eine Weile bei Volg, ausserdem servierte sie immer wieder für Grossanlässe. 1990 sei sie dann auf diese «Schnapsidee» gekommen, wie sie selbst sagt. Die Gemeinde habe die Adventsfenster von Anfang an gut aufgenommen.

Daten fürs Jahr 2021 sind fast alle schon vergeben

Sieht sie sich als Vorreiterin? Immerhin war sie eine der ersten, die Adventsfenster in der Umgebung veranstaltete. «Es gab schon vorher Gemeinden, in denen die Schulen Adventsfenster gestaltet haben. In anderen war das Gemeindehaus dekoriert», erzählt Wismer. Inzwischen stossen die Fenster aber auf viel mehr Interesse als früher. «Seit zwei Jahren ist auch noch das Hallenbad dabei. Dort dekoriert jeweils eine Schulklasse.» Die Daten für nächstes Jahr seien auch bereits fast alle vergeben, sagt Wismer und zeigt mit Freude die volle Liste.

Sie hat in den 30 Jahren Adventsfenster Buch geführt. Die Bewilligungen, die Korrespondenz mit der Gemeinde und die Listen der vergangenen Jahre hat sie in einem Ordner abgelegt. Sie würde gerne eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger finden, aber das sei heute schwierig. Viele würden die Arbeit scheuen, meint Wismer.

Siegenthaler und Oggenfuss seien nun schon eine Weile nicht mehr dabei. Inzwischen organisierten nur noch ihr Mann und sie. «Eigentlich ist es nicht so viel Arbeit», sagt sie. «Die Leute rufen an, und fragen, ob noch etwas frei ist.» Bei den fest eingetragenen Adventsfenstern schicke sie den Teilnehmenden noch eine Bestätigung. «14 Tage vor den Herbstferien starte ich jeweils noch einen letzten Aufruf», sagt Wismer.

Mitte November müsse sie alle Daten vergeben haben. «Ich gebe sie der Gemeinde ab und in der Woche vor dem 1.Dezember erscheinen sie im Kurier», erklärt Wismer. «Mein Mann schreibt jeweils die Liste, die Voranzeige für den Kurier und im Januar noch das Dankesschreiben.» Er sei ein wenig ihr Sekretär, sagt sie und schmunzelt.

Viele Teilnehmende machen jedes Jahr mit. «Die Konfirmanden, die Feuerwehr, das Restaurant Frohsinn. Das weiss ich im Voraus. Die haben auch alle einen Tag der offenen Tür», so Wismer. Es melden sich auch immer wieder Neuzuzüger. «Ich habe bereits zwei Anmeldungen vom Leuen-Quartier.»

Aus Spass entstanden die Tage der offenen Tür

An den Tagen der offenen Tür sei sie jeweils persönlich vorbeigegangen, sagt Wismer. «Es gab einige Jahre, da war ich jeden Abend unterwegs.» Der Tag der offenen Tür geht laut der Organisatorin auf einen Spass zurück, den sich zwei Teilnehmer erlaubten. «Derjenige, der das Fenster am 24. hatte, hat beim Fenster am 23. ein Tag-der-offenen-Tür-Schild hingehängt» erzählt Wismer. Dieser machte beim Fenster des 24. Dezembers dasselbe – die neue Tradition war geboren.

Im Jubiläumsjahr ist das nun nicht möglich. «Wir haben gesagt, wenn es keinen Tag der offenen Tür gibt, gibt es auch keine Fenster», sagt Wismer. Schweren Herzens hätten sie darum die Adventsfenster abgesagt. Die Konfirmanden würden ihr Fenster aber trotzdem schmücken. «Ich mache es auch», sagt Wismer. Die Einzelteile fürs Fenster stehen schon in der Wohnung bereit. «Ich habe Krippenfiguren, die ich unterschiedlich einkleide. Alle Jahre variiere ich.»

Die Adventsfenster wurden früh abgesagt

Die Absage bedauert Wismer sehr. Viele hätten zu Beginn gesagt, wie schade es sei. «Nun sind aber viele froh, dass wir es schon früh abgesagt haben», sagt Wismer. «Ich habe teilweise 15 bis 20 Personen bei mir. Da kann die Distanz nicht eingehalten werden.» Dieses Risiko habe sie nicht eingehen wollen.

Die verbleibenden Fenster in diesem Jahr sind an kein Datum gebunden. «Sonst machen wir es ab dem 1. Dezember, nun werden viele schon ab dem 1. Advent ein Fenster haben», sagt Wismer. Sie hofft, dass die Fenster im nächsten Jahr wieder ein richtiger Adventskalender sein können.