Geroldswil
Erfolgreiche Rettungsaktion für fünf warzige Hüpfer

Freiwillige Helfer sorgen täglich dafür, dass die Amphibien auf ihren Wanderungen nicht vom nächstbesten Auto zerquetscht werden – jetzt haben sie die ersten Erdkröten eingesammelt und im Naturschutzgebiet ausgesetzt

Katja Landolt (Text und Fotos)
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Vier auf einen Streich: Nach fast dreissig Tagen hat Marlies Meyer gestern Morgen die allerersten Erdkröten im Kessel gefunden.

Vier auf einen Streich: Nach fast dreissig Tagen hat Marlies Meyer gestern Morgen die allerersten Erdkröten im Kessel gefunden.

Da hockt das warzige Kerlchen, tief unten im blauen Kessel, neben sich einen schwarz glänzenden Käfer. Marlies Meyer strahlt. Es ist die allererste Kröte, die sie in diesem Frühling antrifft. Seit einem Monat schon kontrolliert sie die beiden Kessel am Amphibienzaun oberhalb der Haslernstrasse in Geroldswil täglich zwei Mal, morgens und abends, abwechselnd mit der zweiten freiwilligen Helferin Edith Lagler. Während ihre Kollegin bereits sechs Tiere gefunden hat, hatte Meyer bislang noch keines in den Kesseln angetroffen.

Vorsichtig hebt Marlies Meyer die Kröte hoch und setzt sie in den mitgebrachten Kessel, den ihr Mann Peter mit ausgestrecktem Arm hinhält; ihn graust es vor den Amphibien. Damit der Hüpfer ihn nicht anspringt, setzt er rasch den Deckel drauf. Marlies Meyer lacht. Ihr mache es nichts aus, die Tiere anzufassen. «Ich bin mir das gewohnt, wir haben auch einen Teich im Garten.» Letztes Jahr habe sie fast 300 Molche herausgefischt, um sie im Binzerliweiher auszusetzen.

Beim zweiten eingegrabenen Kessel die nächste Überraschung: Gleich vier Erdkröten sind auf ihrer Suche nach einer Öffnung im Amphibienzaun hineingefallen. Doch nur eine zappelt in Marlies Meyers Hand, die anderen Kröten wirken noch etwas träge.

Schnell, bevor der Fischreiher kommt
10 Bilder
Peter Meyer hofft, dass ihn die Tiere nicht anspringen
Noch sind die Tiere etwas träge
Marlies Meyers erste Kröte samt Käfer
Marlies Meyer setzt die Tiere ins Wasser
Fünf Erdkröten, die Ausbeute eines Morgens
Diese Tiere werden heute per Auto ins Laichgebiet gefahren
Die erste Kröte schwimmt mit kräftigen Stössen davon
Die Tiere fallen in die eingegrabenen Kessel entlang des Amphibienzauns
Die Kröte guckt, als wolle sie Danke sagen

Schnell, bevor der Fischreiher kommt

Katja Landolt

Kein Wunder; mehrere Monate lang waren sie in eine Winterstarre verfallen, versteckt an frostsicheren Orten, eingegraben im Waldboden. In dieser Zeit passt sich die Körpertemperatur der Aussentemperatur an, das Herz schlägt nur wenige Male pro Minute. Doch jetzt spüren sie den Frühling, lieber spät als nie. Es gilt, sich ein Weibchen zu suchen und sich zu vermehren. Dazu machen sich die Frösche, Kröten und Molche auf den Weg zu ihren ursprünglichen Laichgewässern – eine nicht ungefährliche Reise, bei dem ganzen Verkehr und den meist kilometerweiten Distanzen.

«Nach dieser milden und regnerischen Nacht habe ich damit gerechnet, dass wir heute Amphibien antreffen», erzählt Peter Meyer und startet den Motor. Seine Frau sitzt im Fonds, den Kessel mit den fünf olivefarbenen Tieren auf dem Schoss, eine der Kröten fiepst pausenlos.

Abgeladen werden die Amphibien im Naturschutzgebiet in der Dornau. Vorsichtig steigt Marlies Meyer mit dem Kessel den kleinen Abhang hinunter und kauert am Ufer ins nasse Gras. Eine nach der anderen schubst sie die Kröten ins Wasser. Die erste schwimmt mit kräftigen Stössen davon, die andern zieren sich etwas und bleiben im Schlamm hocken. Marlies Meyer stupst sie an. «Hopp, hopp, sonst erwischt euch der Fischreiher noch.» Eine der Kröten lugt mit ihren glänzenden Äuglein vorwitzig zwischen den Gräsern hervor. «Die guckt so, als wolle sie Danke sagen.»