Die Limmat hat eine neue Bucht. Hinter Steinen und Bäumen, die halb im Wasser liegen, ist flaches Wasser. Ein Schwarm Jungfische hat die neue Ruhezone für sich entdeckt. Drei grössere Fische beobachten sie. Eine Libelle fliegt über die Szenerie. 100 Tonnen Alpenkalkstein aus Brunnen wurden hier für die 50 Meter lange Bucht nahe Glanzenberg verbaut.

Ein Grossteil der Steine ist unter der Erde versteckt. Zweieinhalb Meter hoch ist die Steinschicht, die zum Teil auch das Ufer sichert. Auch die toten Bäume – Raubäume genannt –, die hier ins Wasser hinausragen und den Fischen einen natürlichen Unterschlupf bieten, sind zu einem grossen Teil versteckt. Zwölf Meter lang sind die Bäume, sechs Meter davon ragen in die Erde des Ufers. Dort sind die Bäume mit Steinen und Pfählen gesichert. Will heissen: Keine Strömung soll das Holz wegreissen.

Zwei Wochen dauerten die Arbeiten. Die Natur nahm die neue Bucht sofort in Beschlag. Wie alle Renaturierungs-, Hochwasserschutz- und Erholungsmassnahmen, die im Auftrag der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) an der Limmat laufen, entstand die neue Bucht unter der Ägide von Bauingenieurin Monica Fernandez.

"Die Natur hat die neue Bucht innerhalb weniger Tage akzeptiert", sagt Monica Fernandez im Video-Interview

«Die Natur hat die neue Bucht innerhalb weniger Tage akzeptiert», sagt Monica Fernandez im Video-Interview

Allmend Glanzenberg: Nun wird das Terrain angepasst

Etwas weiter flussaufwärts ist eine weitere neue Bucht. Hier erstreckt sich hinter dem Flachwasser am Ufer ein grosszügiges Kiesbett. Nicht für die Fische, sondern für die Menschen. Hier sollen sie planschen, sünnelen und dereinst mit dem Gummiboot auswassern – auf Höhe der Allmend Glanzenberg, der grossen Wiese, die früher für die Tierschutz-Auffangstation bekannt war. Nun ist die Wiese beim Bahnhof Glanzenberg eine Baustelle. Ab Sommer 2019 soll sie Gummiböötlern, Sünnelern, Hobby-Grillern und weiteren Erholungssuchenden Platz bieten. «Als Nächstes sorgen wir hier dafür, dass das ganze Areal gleich hoch ist», sagt Fernandez. Dafür verwenden die Bauarbeiter Dietiker Kies vom Reppisch-Spitz, der wegen einer anderen Renaturierungsmassnahme ausgebaggert wird. Sobald die Allmend Glanzenberg eben ist, kommt der Gartenbauer: Er wird einen Platz mit Netstaler Kalksteinschotter erstellen und die neue Wiese ansäen, die im Limmattal schon mit Freude erwartet wird. Die hochwertige Erde, die hier und anderswo entlang der Limmat weggebaggert wird, muss anderswo wieder verwendet werden. Die Uferböschungen sollen künftig Magerwiesen sein.

Kompromiss mit den Pontonieren

Noch weiter flussaufwärts befindet sich die neue provisorische Auswasserungsstelle für Gummiböötler, die den Bahnhof Glanzenberg benutzen. Nahe der Gütereisenbahnbrücke über die Limmat an der Grenze von Dietikon und Schlieren sind zudem die ersten Buhnen fertig. Diese Steinmauern werden normalerweise bis zur Flussmitte gebaut, um die Strömung vom Ufer fernzuhalten, das sonst immer weiter erodiert. In Absprache mit dem Dietiker Pontonierverein wurden die Buhnen hier aber ins Ufer hineingebaut, sodass sie kaum zu sehen sind. Mit der Zeit wird die Limmat die Erde wegschaufeln, sodass die Buhnen dann doch noch in den Fluss hinausragen – ohne den Pontonieren in die Quere zu kommen.

Total werden unter der Leitung von Monica Fernandez 20 Buchten neu gemacht. Von den Renaturierungsmassnahmen profitieren viele Tiere, so etwa Eisvögel, Graureiher, Libellen, Ringelnattern, Äschen, Barben, Bachforellen und Nasen. Bei den Nasen lohnt es sich besonders: In der Limmat schwimmt eine spezielle Nasen-Rasse, die es praktisch nur hier gibt. «Es braucht nicht viel, um der Natur etwas sehr Wertvolles zu geben», sagt Fernandez. Bei den Bauarbeiten hilft auch der Biber: Er hat kürzlich einen Baum gefällt, der sowieso hätte gefällt werden müssen.

Da die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) in Dietikon ihr Flusskraftwerk ausbauen, müssen sie viele Ausgleichsmassnahmen für die Natur, den Menschen und den Hochwasserschutz vornehmen. Die wasserbauliche Führung obliegt der Staubli, Kurath & Partner AG aus Zürich Altstetten. Monica Fernandez leitet das Projekt. Die 38-Jährige ist in Zürich aufgewachsen und wohnt heute in der Fahrweid Geroldswil. Die Bauingenieurin hat schon viele Gewässer umgestaltet. Ihr grösstes Projekt war bisher die Neugestaltung der rechten Rheinuferpromenade in Basel. Aber auch den Aabach in Uster und die Eulach in Winterthur hat sie schon renaturiert. Ebenso war sie an der Reparatur der Reuss-Fluss-Sohle in Bremgarten beteiligt.

Monica Fernandez: Die Chefin kommt aus der Fahrweid

Da die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) in Dietikon ihr Flusskraftwerk ausbauen, müssen sie viele Ausgleichsmassnahmen für die Natur, den Menschen und den Hochwasserschutz vornehmen. Die wasserbauliche Führung obliegt der Staubli, Kurath & Partner AG aus Zürich Altstetten. Monica Fernandez leitet das Projekt. Die 38-Jährige ist in Zürich aufgewachsen und wohnt heute in der Fahrweid Geroldswil. Die Bauingenieurin hat schon viele Gewässer umgestaltet. Ihr grösstes Projekt war bisher die Neugestaltung der rechten Rheinuferpromenade in Basel. Aber auch den Aabach in Uster und die Eulach in Winterthur hat sie schon renaturiert. Ebenso war sie an der Reparatur der Reuss-Fluss-Sohle in Bremgarten beteiligt.