Limmattal

Erbe der Vergangenheit: Die Limmattaler Müllhalden

Im Hardwald befand sich die grösste Deponie des Limmattals - 200 Hektaren Land sind belastet.

Im Hardwald befand sich die grösste Deponie des Limmattals - 200 Hektaren Land sind belastet.

Bis in die 1970er Jahre wurde der Abfall in wilden Deponien entsorgt und verbrannt. Geschlossene Kehrichtverbrennungen existierten kaum. Doch für Kinder waren die Müllhalden beliebte Spielplätze.

Hanspeter Luginbühl (54) wuchs nahe der Müllgrube am Hafnerberg bei Birmensdorf auf. Er erinnert sich gut an den Abfallwagen, der den Hausrat samt dem Sperrgut aus defekten Küchengeräten, Spielsachen, kaputten Radios und geschlissenen Möbeln in die Grube am Waldrand kippte.

Ihm kommt auch das Lodern und Zischen des angezündeten Kehrichts in den Sinn. Die Gemeindearbeiter verfeuerten den Müll etwa zweimal pro Woche. Dann stieg am Hafnerberg dunkler Rauch auf. «Es sah manchmal aus wie ein kleiner Vulkan», erzählt Landwirt und alt Gemeindepräsident Jakob Gut. «Es schwelte und mottete in der Grube, der Geruch verbreite sich je nach Witterung auch im Dorf.»

Lodernde Feuerfontänen

Wie Luginbühl schildert, wurde für das Feuern auch Nitroverdünner als Brandbeschleuniger verwendet, den die Maler in die Deponie brachten. «Beim Stöbern in der Abfallhalde nahmen wir Buben manchmal etwas vom herumstehenden Farbgemisch weg und legten Brandspuren durch die Grube.

Beim Entfachen loderten ganze Feuerfontänen auf.» Recycling war damals noch ein Fremdwort. Der bei älteren Birmensdorfern noch bekannte Gemeindearbeiter Hans Oester sortierte einzig das Altmetall aus und verkaufte es an spezialisierte Betriebe. Da Oester temporär angestellt war, liess ihn der Gemeinderat gewähren.

In der Güselgrube siedelten sich Populationen von Ratten an, wie Luginbühl sich erinnert. So wurde für die Buben nicht nur das Stöbern im Abfall, sondern auch das Rattenschiessen mit Luftgewehren eine beliebte, wenn auch zweifelhafte Freizeitbeschäftigung. «Die Deponien waren sicher kein Ruhmesblatt, aber das war damals halt die gängige Methode der Entsorgung», bemerkt alt Gemeinderat Gut.

Lange Schatten

Tatsächlich werfen die alten Gemeindedeponien lange Schatten bis heute. Rund 2500 Müllhalden sind im kantonalen Kataster der belasteten Standorte eingetragen. Dazu gehörte auch die Abfalldeponie Hafnerberg, die Mitte der Fünfziger Jahre die frühere Abfallhalde im Aemet an der alten Urdorferstrasse ablöste.

Dieses Grundstück wollte der Gemeinderat im Jahr 1990 aufgrund der zentralen Lage beim Bahnhof als Bauland erwerben. Doch die Gemeindeversammlung lehnte den Kauf mit der Befürchtung ab, die Altlastensanierung könnte der Gemeinde hohe Kosten verursachen. Das Grundstück, das mittlerweile dem Kanton gehört, befindet sich auch heute noch innerhalb der Landwirtschaftszone.

Nach der Schliessung der Abfallgrube Hafnerberg im Jahre 1971 entsorgte die Gemeinde Birmensdorf ihren Kehricht zunächst in den Kehrichtverbrennungsanlagen der Stadt Zürich, heute im Kehrichtheizkraftwerk Limeco in Dietikon.

Die Birmensdorfer Gruben wurden renaturiert und zeigen sich begrünt, doch unter dem Boden befinden sich Reste des im Untergrund abgelagerten Mülls. Bei der Deponie Hafnerberg musste daher in den Achtziger Jahren eine Sickwasserableitung zur Kläranlage gelegt werden, um eine Gefährdung des Grundwassers auszuschliessen. Die Deponie Aemet wird nach Angaben der kantonalen Baudirektion momentan auf mögliche Risiken für das Grundwasser untersucht.

Das Erbe der Vergangenheit lastet auch auf der Deponie Hardwald, der grössten ehemaligen Abfallhalde im Limmattal. Sie wurde von 1946 bis 1975 betrieben. Das Gelände im Hardwald gehört zum überwiegend der Holzkorporation Weiningen, wobei die Fläche des belasteten Standorts rund 20 Hektaren misst. Nach Angaben der Baudirektion wird momentan ein Sanierungsprojekt vorbereitet. Wann und wie die Sanierung vorgenommen wird, ist aber noch offen.

Abfallhalden als Landschaftsschutz

Ungewollt haben die meisten alten Deponien die Rolle Landschaftsschützers übernommen. Vor allem auch darum, weil sich die Gemeinden vor unkalkulierbaren Sanierungskosten fürchten, wurden im Kanton Zürich bisher nur wenige Gemeindedeponien überbaut.

Im Limmattal stehen denn auch nur vereinzelt Gebäude auf alten Gemeindedeponien. «Dabei handelt es sich mehrheitlich um Fabrikareale, Gewerbegebäude und Sportanlagen», wie Markus Pfanner, Sprecher der kantonalen Baudirektion erklärt. In der Regel befinden sich zudem die alten Gemeindedeponien noch heute ausserhalb der Bauzone.

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