Bezirksgericht Dietikon
Er wollte einen Vorschuss und drohte, mit der Pistole vorbeizukommen

Vor Bezirksgericht Dietikon beteuerte der 50-Jährige seine Unschuld, doch das nützte nichts: Es verurteilte den Fürsorgeempfänger, weil er vom Sozialamt mit Waffengewalt einen Vorschuss von 200 Franken gefordert hatte.

Attila Szenogrady
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Ein Mann wollte einen Vorschuss vom Sozialamt und drohte am Telefon, er werde ansonsten mit der Pistole vorbeikommen. (Symbolbild)

Ein Mann wollte einen Vorschuss vom Sozialamt und drohte am Telefon, er werde ansonsten mit der Pistole vorbeikommen. (Symbolbild)

Keystone

Weil ihm ein finanzieller Vorschuss verweigert worden war, hat ein Sozialhilfeempfänger aus Dietikon den Behörden gedroht, mit der Pistole vorbeizukommen. Der eingeklagte Vorfall ereignete sich am vergangenen 13. Januar.

Damals telefonierte ein heute über 50-jähriger mazedonischer Fürsorgeempfänger mit der Sozialabteilung der Stadt Dietikon und verlangte von seinem Betreuer einen Vorschuss von 200 Franken.

Der Sozialarbeiter traf noch keine Entscheidung und wandte sich an seine Chefin. Diese lehnte ab und teilte dies dem mazedonischen Familienvater kurz darauf telefonisch mit.

Sozialarbeiterin rief Polizei

Der Beschuldigte reagierte aufgebracht und führte aus, dass er am nächsten Tag den Vorschuss abholen würde. Dazu werde er eine Pistole mitnehmen, kündigte er an.

Eine Drohung, welche die Sozialarbeiterin sehr ernst nahm und sogleich die Polizei einschaltete. Wenig später tauchten mehrere Beamte der Kantonspolizei Zürich am Nachmittag am Wohnort des Sozialhilfeempfängers auf und nahmen den Mann - er lag gerade im Bett - fest.

Dann durchsuchten sie die Wohnung nach einer Waffe, wurden aber nicht fündig.
Der Mazedonier verbrachte danach 12 Tage in Untersuchungshaft und sah sich bereits am 5. Februar 2014 mit einer Anklage der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis konfrontiert.

Diese verlangte wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 30 Franken sowie eine Busse von 700 Franken.

Unschuld beteuert

Heute musste sich der Vater von zwei erwachsenen Söhnen vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten.

Bei der Befragung zur Person kam heraus, dass der mit Trainerhosen und Badelatschen erschienene Mann schon seit 2005 vom Sozialamt Dietikon unterstützt wird. Wobei er zusammen mit seiner Ehefrau monatlich 1500 Franken erhält. Zudem werden Wohnung und die Krankenkasse von der Gemeinde bezahlt.

In der Sache beteuerte er seine Unschuld und warf der Sozialarbeiterin ein egoistisches Verhalten vor. Sie habe schlichtweg gelogen, sagte er teils in gebrochenem Deutsch, teils in seiner Heimatsprache der Albanisch-Dolmetscherin. Wieso die Frau die Polizei benachrichtigt habe, könne er sich nicht erklären, führte er aus.

Zum Schluss versuchte der Beschuldigte, seine Ehefrau als Entlastungszeugin in den Prozess einzubringen. Ein hoffnungsloses Unterfangen, da die Mutter weder schreiben kann noch Deutsch versteht.

Eine erhebliche Drohung

Das Gericht folgte zum Schluss den belastenden Aussagen der beiden Angestellten des Sozialamtes. Diese seien selbstkritisch und glaubhaft ausgefallen, erklärte der Einzelrichter. Im Gegensatz zu den widersprüchlichen Angaben des Beschuldigten, der eine erhebliche Drohung von sich gegeben habe.

Er habe die Grenze einer zulässigen Unmutsäusserung überschritten. Da aber bloss ein Versuch vorlag, kam das Gericht zu einer milderen Strafe. Es setzte eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 30 Franken sowie eine Busse von 400 Franken fest.

Die Verfahrenskosten von mindestens 1500 Franken muss infolge der Armut des Verurteilten der Steuerzahler tragen.