Dietikon
Er weiss, was aus Nietzsches Regenschirm wurde — ein Erzähltheater im Stadtkeller

Der Schauspieler Bodo Krumwiede ist auf Einladung des Vereins Theater Dietikon mit dem Erzähltheater «Nietzsches Regenschirm» nach dem Buch von Thomas Hürlimann im Stadtkeller zu Gast.

Daniel Diriwächter
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Szene aus «Nietzsches Regenschirm» mit dem Schauspieler Bodo Krumwiede als Erzähler: Das Stück wird nächsten Freitag in Dietikon aufgeführt.

Szene aus «Nietzsches Regenschirm» mit dem Schauspieler Bodo Krumwiede als Erzähler: Das Stück wird nächsten Freitag in Dietikon aufgeführt.

Rudolph Jula

«Ich habe meinen Regenschirm vergessen», ein Satz, der tatsächlich in Fragmenten von Friedrich Nietzsche, dem weltberühmten Philosophen, gefunden wurde. Eine triviale Feststellung, die überraschte, weil dieser sie überhaupt niedergeschrieben hat. Genau dieser Schirm avancierte zum Hauptthema im Buch «Nietzsches Regenschirm» des Schweizer Schriftstellers Thomas Hürlimann. Vor fünf Jahren ist der Text erschienen und drei Jahre später wurde er für die Bühne adaptiert. Nun ist das Erzähltheater im Stadtkeller Dietikon zu sehen.

Möglich machen das der deutsche Schauspieler und Wahlzürcher Bodo Krumwiede und der Regisseur Rudolph Jula. Letzterer erhielt das Buch persönlich von Hürlimann als Geschenk. Obwohl Jula üblicherweise im Filmgeschäft arbeitet, erkannte er das Potenzial des Textes für die Bühne. Er wandte sich an Krumwiede, der damals Xavier de Maistres Roman «Nächtliche Expedition um mein Zimmer» als Theatersolo aufführte. «Wir kannten uns, aber wir hatten noch nie zusammengearbeitet. Aber schnell bemerkte ich, dass ein Stück basierend auf Hürlimanns Text wegen der theatralen Situation möglich ist», sagt Krumwiede. Also machten sie sich gemeinsam an die Bearbeitung.

Natürlich geht es in «Nietzsches Regenschirm» um mehr als einen Regenschutz. Konkret wird darin der Schirm im Sommer 1881 zur farbenreichen Projektionsfläche für philosophische Denkräume, wenn sich Friedrich Nietzsche zu einer Wanderung bei Sils Maria aufmacht. Siebeneinhalb Jahre später bricht der grosse Denker in Turin zusammen – und verliert den Schirm. Hürlimann kreierte mit dieser Geschichte eine Art Überleitung zur Philosophie des Nihilisten. Aber nicht nur: Der Autor lässt eigene Gedanken und Erfahrungen einfliessen, was dem Stoff eine zusätzliche Dynamik verleiht.

Bewegte Bilder aus dem Engadin

Vor rund zwei Jahren feierte die Bühnenadaption in Zürich als Co-Produktion des Sogar-Theaters, dem Kulturraum Thalwil und der Actaeon-Produktion von Oliver Rico und Krumwiede die Premiere. Der Schauspieler begibt sich darin als Ich-Erzähler auf die Reise, und für die Inszenierung ist Jula verantwortlich. Lob gab es von Beginn weg: Der mehrfach preisgekrönte Autor Hürlimann zeigte sich begeistert von der Bearbeitung, wie Krumwiede sagt. Und es sollte nicht nur bei diesen Zürcher Auftritten bleiben. «Ziel war es, das Stück auch in Zukunft an verschiedenen Orten aufzuführen».

Wussten Sie, dass ein Schirm früher ein Zeichen hohen Ranges war?

(Quelle: Bodo Krumwiede Schauspieler)

Krumwiede wird während der rund einstündigen Dauer des Stücks nicht nur erzählen, er wird auch von Bildern begleitet, die Regisseur Jula im Engadin, dem geliebten Rückzugsort Nietzsches, aufgenommen hat. «Es stehen zwei Leinwände auf der Bühne, zwischen denen ich mich bewege. Wichtig war es, dass das Stück keinesfalls wie ein Dia-Vortrag anmutet», sagt Krumwiede. Deswegen werden die Bildaufnahmen etwas «verschleiert» zu sehen sein.

Die Aufführungen von «Nietzsches Regenschirm» würden seine Liebe zur Literatur beleben, sagt der Schauspieler. «Friedrich Nietzsche hat mich in meinen 20ern stark beeinflusst.» Rund 40 Jahre später wieder mit dem Philosophen konfrontiert zu werden, berühre ihn sehr.

Und interessant sei auch der Schirm selbst, den er auf der Bühne dabei habe. «Wussten Sie, dass ein Schirm früher ein Zeichen hohen Ranges war? Auch das wird im Stück erklärt», sagt er lächelnd.

Nietzsches Regenschirm

Freitag, 7. März, 20.15 Uhr

Stadtkeller, Dietikon

Nicht auf Rosen gebettet, aber glücklich

Krumwiede freut sich auf die Aufführung in Dietikon. Fast zehn Jahre ist es her, seit er das letzte Mal im Stadtkeller auftrat. Als freischaffender Schauspieler ist er viel in der Theaterszene unterwegs. «Mein erstes und bislang einziges Engagement als festes Ensemblemitglieder war beim Theater 58», erzählt er. Dort habe er sich seine Sporen verdient. Doch er bevorzugt die Selbstständigkeit. Dies in einem Beruf, in welchem es ohnehin schwer ist, zu bestehen. «Klar, ich bin nicht auf Rosen gebettet, aber ich fühle mich frei auf diesem Weg», sagt Krumwiede.

Ursprünglich aus Deutschland, schätzt Krumwiede die Arbeit in der Schweiz. «Hier ist selbst die Off-Szene sehr gut organisiert», hält er fest. Zumal er nicht nur auf das Theater abonniert ist. In TV- und Filmproduktionen ist er ebenfalls zu sehen und Regie führte er auch schon. Selbst Krumwiedes Stimme ist gefragt: Für die Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte liest er Bücher ein. Aber auch kommerzielle Aufnahmen für Verlage gehören zu seinen Aufträgen.

Doch das Spielen auf der Bühne ist die Königsdisziplin seines Metiers. Nun macht er Halt in Dietikon. «Ich bin gespannt, wie das Stück im Limmattal ankommen wird.»

Am Freitag, 7. Februar, 20.15 Uhr, Stadtkeller