Tennis

Er vermisst den Spitzensport nicht - an Turnieren wird er trotzdem teilnehmen

Hat sich umorientiert: Tom Cecchetto bei einem Training, das er in den Sommermonaten im Limmattal erteilte.

Hat sich umorientiert: Tom Cecchetto bei einem Training, das er in den Sommermonaten im Limmattal erteilte.

Tom Cecchetto spielt weiter, obwohl er nicht mehr Profi werden will. Die neuen ITF-Regeln sind dafür mitverantwortlich. Für ihn steht jetzt das Studium im Fokus.

Knapp anderthalb Jahre ist es mittlerweile her, seit Tom Cecchetto in die USA umgezogen ist. Der beim TC Weiherdorf in Urdorf spielende Stalliker hat sich dort damals an der University of Southern Mississippi (USM) in Hattiesburg eingeschrieben, um zu studieren, aber auch, um einer Profikarriere als Tennisspieler nachzugehen.

An der Universität ist er immer noch. Doch das Ziel, Profi zu werden, hat er aufgegeben. Zwar spielt er weiterhin mit dem Team der USM, mit dem er letztes Jahr an der College-Meisterschaft NCAA Conference Championship bis in die Halbfinals kam. Doch Profi will er nicht mehr werden. «Den Entscheid dazu habe ich alleine Mitte Januar gefällt», sagt Cecchetto. Seine Familie wurde von seinem Entschluss ebenfalls überrascht. «Aber wir respektieren das natürlich», sagt Vater Roland Cecchetto. «Wir haben ihm gesagt, dass wir ihn auf seinem Weg weiterhin unterstützen. Zumal er sich mit dem Tennis auf diesem Niveau ja nach wie vor sein Studium finanziert. Und ich denke, sein Aufenthalt in den USA ist so oder so eine gute Lebensschule.»

Seiner Familie und seinem Coach mitzuteilen, dass er keine Profikarriere mehr anstrebe, habe ihn viel Mut gekostet, so Tom Cecchetto. «Aber ich bin froh, dass ich es gemacht habe.» Was allerdings nicht heisst, dass er sich vom Studium zurückzieht, im Gegenteil: «Ich fokussiere mich jetzt voll und ganz auf die Schule», so Cecchetto. «Ich möchte so schnell wie möglich mit der Schule fertig werden, um in die Arbeitswelt einzusteigen.»

Er findet neue Regeln unfair

Cecchetto hat den Traum einer Profikarriere also aufgegeben. Aber wieso kam er gerade jetzt zu diesem Entscheid? «Ich habe schon länger überlegt, ob es wirklich das ist, was ich in meinem Leben machen will», sagt Cecchetto. «Ich will meinen Körper und meinen Kopf nicht mehr diesen extremen Belastungen aussetzen. Es ist ein sehr harter Sport, der mir unglaublich viel beigebracht hat, aber auch sehr viel Energie erfordert.» Auch eine Rolle gespielt habe dabei eine Änderung des Internationalen Tennisverbandes.

«Die neuen ITF-Regeln, die nur noch ein 24er-Qualfikationstableau erlauben und auf ein neues Rankingsystem zurückgreifen, machen vielen jungen Spielern einen riesigen Strich durch die Rechnung, vor allem jenen Spielern, die ans College gehen», sagt Cecchetto. «Es ist praktisch unmöglich, überhaupt in ein Quali-Tableau aufgenommen zu werden, da die ITF den Fokus jetzt mehr auf die Top-100 der Junioren setzen will.» Cecchetto findet die neue Regelung unfair, «... vor allem gegenüber Spielern wie mir, die nebst dem Sport auch noch eine schulische Ausbildung machen wollen und dadurch nicht so viele Turniere spielen können.»

Begeisterung fürs Tennis bleibt

An Cecchettos Begeisterung fürs Tennis habe sich jedoch nichts geändert. «Auch wenn ich jetzt nicht mehr Profi als oberstes Ziel definiert habe: Ich liebe diesen Sport noch immer», sagt Cecchetto. «Ich habe immer noch riesige Freude auf dem Tennisplatz.»

Cecchetto glaubt sogar, dass er ein bisschen besser spielt als vor ein paar Monaten. «Nicht, weil wir unfassbar viel trainiert haben, sondern weil ich mir selber weniger Druck mache. Ich versuche einfach, jede Sekunde zu geniessen.»

Entzugserscheinungen hat Cecchetto nicht – zumindest noch nicht. «Ich muss sagen, dass ich den Spitzensport nicht vermisse. Es fühlt sich unglaublich gut und erfrischend an, nicht mehr 100 und mehr Prozent geben zu müssen, nicht mehr jeden einzelnen Tropfen Energie auszuschöpfen und nicht mehr immer wieder den inneren Schweinehund überwinden zu müssen.»

Trotzdem: Nur zum Plausch wird Cecchetto in Zukunft nicht spielen: «Im Sommer werde ich beim TC Wettswil Interclub spielen. Und wohl auch das eine oder andere Preisgeldturnier bestreiten«, fügt er an.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1