Oberengstringen
Er verabreicht den Stoff der Hoffnung: Dieser Hausarzt impft ab heute

Der Oberengstringer Hausarzt Walter Schweizer gehört zu den ersten sechs Medizinern, die im Limmattal impfen dürfen.

Sibylle Egloff
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Über den Mittag werden in den kommenden zwei Wochen 100 Risikopatienten in Walter Schweizers Praxis in Oberengstringen gegen das Coronavirus geimpft. (Symbolbild)

Über den Mittag werden in den kommenden zwei Wochen 100 Risikopatienten in Walter Schweizers Praxis in Oberengstringen gegen das Coronavirus geimpft. (Symbolbild)

KEYSTONE/DPA-Zentralbild/PATRICK PLEUL

Heute kann Walter Schweizer damit beginnen, seine Patientinnen und Patienten gegen das Coronavirus zu impfen. Der Oberengstringer Mediziner gehört zu den 165 auserwählten Zürcher Hausärzten, die den Moderna-Impfstoff als erste verabreichen dürfen. Seine Praxis ist eine von sechs im Limmattal, die von der Zürcher Ärztegesellschaft dazu auserkoren wurde und bei der Kantonsapotheke 100 Impfdosen bestellen konnte. Die Organisation berücksichtigte dabei Hausarztpraxen, die mehr als 200 Risikopatienten behandeln, also Patienten über 75 Jahre oder mit schweren Vorerkrankungen. Zudem wurde auf eine gute regionale Verteilung geachtet.

«Vergangenen Dienstag haben wir 10 Ampullen mit 100 Impfdosen erhalten», sagt Schweizer. Er ist froh, dass er nun über den Stoff der Hoffnung verfügt. «Ich freue mich, dass meine Praxisassistentinnen und ich den Patienten mitteilen können, dass wir eine Lösung haben.»

Moderna-Impfstoff ist ideal für Gebrauch in Praxen

Da der Moderna-Impfstoff normal im Kühlschrank gelagert werden könne und nicht wie der Biontech-Impfstoff, auf minus 80 Grad gekühlt werden müsse, sei er ideal für die Anwendung in Hausarztpraxen, findet Schweizer. Praktisch sei zudem die Dosierung. Biontech liefere aufs Mal 1000 Impfdosen, die aufgetaut innerhalb von zwei bis drei Tagen verbraucht werden müssen, während der Moderna-Impfstoff einen Monat lang im Kühlschrank haltbar sei.

Letzte Woche bot Schweizer die ersten 100 Risikopatientinnen und -patienten auf, die nun diese und nächste Woche über den Mittag zwischen 11.30 und 13 Uhr gepikst werden. «Wir werden pro Mittag zehn Personen impfen», sagt der Hausarzt. Der Stadtzürcher ist 66 Jahre alt und führt die Praxis in Oberengstringen seit 34 Jahren. «Viele meiner Patientinnen und Patienten sind mit mir alt geworden», sagt er und lacht. Deshalb betreue er auch weit über 200 betagte Menschen. «Das war vermutlich ausschlaggebend dafür, dass die Praxis ausgewählt wurde.»

Mittlerweile ist aus der Ein-Mann-Praxis die medizinische Gemeinschaftspraxis Engstringen geworden, die Schweizer mit zwei Kolleginnen führt. «Wir teilen uns die Infrastruktur, das Personal und die Miete. Juristisch ist jeder von uns aber voneinander losgelöst», erklärt Schweizer. Die Zusammenarbeit sei so gut, dass die Kolleginnen ihm zusammen mit dem Praxispersonal beim Impfmarathon über den Mittag helfen. Die Ärztinnen erhalten in einem zweiten Schritt des Zürcher Hausarzt-Impfprogramms am 9. Februar je 100 Impfdosen. «Mit den insgesamt 300 Dosen können wir in den nächsten vier Wochen viele unsere Risikopatienten versorgen», sagt Schweizer.

Einige auf der Impfliste sind noch unschlüssig

Dass er bei der Auswahl der ersten 100 Impfberechtigten Gott spielt, findet er nicht. «Ende 2020 habe ich mich so gefühlt, als wir für die ersten Termine im Impfzentrum drei Patienten auswählen mussten. Das hat mich aufgeregt.» Aktuell sieht er es gelassener. «Bald werden wir mehr Moderna-Impfstoff erhalten und haben mehr Möglichkeiten.» Reklamiert hätten die noch nicht ausgewählten Patientinnen und Patienten bisher nicht. Einige auf der Impfliste seien sogar noch unschlüssig. «Die Impfwilligkeit ist mehrheitlich da, es gibt wenig Impfverweigerer, jedoch einige, die Bedenken haben.» Sie hätten Angst, dass die Impfung ihnen schaden könne. «Viele wollen wissen, ob ich mich auch impfen lasse. Wenn ich das bejahe, beruhigt das viele.»

Dass es in den kommenden Wochen zusätzlich zum normalen Tagesgeschäft wegen den mittäglichen Impfterminen noch stressiger in der Praxis zu- und hergeht, stört Schweizer nicht. «Ich bin dankbar, dass wir diese Chance bekommen. Wenn man sich anschaut, wie viel Elend dieses Virus weltweit auslöst, muss man doch alles Mögliche tun, um die Situation zu verbessern.»