Falsche Entscheidung - die Quittung folgt in Form eines Faustschlages in den Magen. Zweite Chance - der Film wird zurückgespult. Der Protagonist steht wieder vor dem Regal mit den Schokoladetafeln. Dieses Mal entscheidet er sich gegen das Billigprodukt, das deshalb so günstig ist, weil Kinder ausgebeutet werden. Er kauft sich eine Fair-Trade-Schokolade. Der schwarze Knabe quittiert den Entscheid dieses Mal mit einem Handschlag. Der Slogan «Sei kein Arschloch» wird eingeblendet. Dann läuft der Abspann.


«Das kannst du auch»

Eine Minute dauert der Clip. Das war die Vorgabe. Seine Aussage ist plakativ, sogar provokativ. Das gibt auch Peter Balicki zu. «Ich will eine Botschaft vermitteln. Provokative Gesten bleiben bei den Leuten länger haften», sagt der Macher des Clips. Der Erfolg gibt dem 17-jährigen Kantonsschüler aus Weiningen recht. Mit seinem Beitrag am «Helvetas Clip Award» zum Thema «No fair - no deal» hat er den Publikumspreis gewonnen. Sein Videoclip wurde von allen Beiträgen im Internet am häufigsten angeschaut.

Gestern wurde Balicki für seine Leistung ausgezeichnet. Beim internationalen Kurzfilmfestivals «Shnit» in Bern wurden die 20 besten Clips des Helvetas-Wettbewerbs gezeigt. Für Balicki war es nicht die erste Preisverleihung. Vor knapp zwei Wochen gewann er am Ostschweizer Kurzfilmwettbewerb den ersten Preis in der Kategorie U20. Balicki drehte einen fünfminütigen Film über die Verschwendung von Wasser.

Die Rechnung - Ein Kurzfilm für den 2. Ostschweizer Filmwettbewerb

Zwei Preise innerhalb weniger Tage, das kommt auch für Balicki überraschend. Mit dem Filmen hat der Schüler erst dieses Jahr so richtig begonnen. «DVD sammeln ist eine Leidenschaft von mir, sagt er. Dabei habe er gemerkt, dass ihn das Bonusmaterial, der Blick hinter die Kulissen fast genau so interessiere wie die Filme selber. «Irgendwann habe ich mir gesagt, das kannst du auch», so Balicki. Er habe sich eine Kamera zugelegt und sich intensiv mit der Filmerei auseinandergesetzt.

Der Reiz der Herausforderung

Doch das genügte ihm nicht. «Ich wollte es schwarz auf weiss, dass ich Talent zum Filmen habe», sagt Balicki. Ihn habe die Herausforderung gereizt, sich mit anderen zu messen und von einer Jury bewertet zu werden.

Auf die Wettbewerbe hat sich Balicki genau so akribisch vorbereitet, wie er beim Drehen und bei der Nachbearbeitung des Materials zu Werke ging. «Ich habe versucht, alles über die Wettbewerbe zu erfahren. Welche Clips in den letzten Jahren eingereicht wurden, wer in der Jury sitzt und welche Präferenzen die Mitglieder haben», so Balicki. Er habe versucht herauszufinden, für welches Publikum er drehe.

Das Filmen zum Beruf machen

Angst, dass er durch die Ausrichtung auf den Publikumsgeschmack seine Kreativität zu stark einschränkt, hat Balicki keine. «Filme, die nur Kunst sein wollen, gefallen mir nicht. Als Künstler muss man sich seines Publikums bewusst sein», sagt Balicki. Zudem könnte man argumentieren, dass die Teilnahme an einem Wettbewerb mit vorgegebenem Thema bereits eine Einschränkung sei. Diesen Eindruck habe er nicht. «Letztlich bin ich immer noch frei, meine eigene Bildsprache zu entwickeln. Egal, was es für Vorgaben gibt», hält er fest.

Die Filmerei hat ihn mittlerweile so gepackt, dass sich Balicki vorstellen kann, sein Hobby zum Beruf zu machen. «Nach der Matur will ich bei einer Produktionsfirma reinschnuppern, um herauszufinden, ob mir der Beruf liegt», sagt er.

Seine bisherigen Gehversuche im Filmbusiness seien interessant gewesen. Beim Filmemachen habe er nie das Gefühl, dass er am Arbeiten sei. «Zudem haben die Preise gezeigt, dass ich die Filmerei nicht ganz falsch angehe.»