Die reformierte Kirche in Dietikon ist nicht nur ein beliebter Konzertsaal, sondern auch die Heimspielstätte für das 2011 gegründete Streichorchester Dietikon. Am Sonntag spielte das aus 22 Musikerinnen und Musiker bestehende Ensemble sein zehntes Konzert. Das Jubiläum lockte viele Menschen in das Gotteshaus, unter ihnen auch Stadtpräsident Roger Bachmann.

Auf dem Programm standen grosse Meister und unbekannte Werke. Im Mittelpunkt: die «Sinfonia Concertante per il Fagotto solo» des Komponisten Franz Anton Hoffmeister aus dem Jahr 1800. Ein Werk, das erst im August 2017 in der Musikabteilung der Staatsbibliothek Berlin wieder entdeckt wurde. «Diese Sinfonie war ausschlaggebend für unser diesjähriges Programm», sagte Christa Jordi, Präsidentin des Streichorchesters.

Nicht nur, dass das Ensemble mit einer Schweizer Erstaufführung aufwarten konnte, die Sinfonie ist auch ein Fagottkonzert und bot dem Fagottisten Mihaly Fliegauf eine willkommene Plattform als Gastmusiker. Fliegauf war es auch, der Jordi auf die musikalische Neuentdeckung aufmerksam machte. So entstand der Konzertabend, an dem auch weniger bekannte Werke von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart präsentiert wurden.

Bereits bei den ersten Klängen der «Cassation Divertimento G-Dur» von Haydn lauschte das Publikum gebannt dem Streichorchester. Der Komponist schrieb das Werk 1754, aber erst 1833 erschien es im Druck. Der erste warme Applaus für das Orchester und den erfahrenen Dirigenten Günther Stückle liess nicht lange auf sich warten und ebnete den Weg für den Auftritt von Fliegauf.

Der in Budapest geborene Fagottist, der auch an der Musikschule Dietikon unterrichtet, spielte sein Instrument virtuos, beweglich und in Harmonie mit dem Orchester. Später sagte Konzertbesucherin Hanni Schibli aus Dietikon: «Fliegauf spielt wie ein Tänzer.» Hoffmeisters Stück muss sich überdies nicht verstecken hinter den Kompositionen seiner Zeitgenossen Haydn und Mozart, die im Anschluss gespielt wurden.

«Stark gespielt»

Die anschliessend dargebotene «Lambacher Sinfonie G-Dur KV 45 a», die Mozart mit nur zwölf Jahren komponierte, war das letzte Stück im Programm. Die Sinfonie gilt wahrscheinlich als Schenkung und Anerkennung für die Gastfreundschaft im Benediktiner Kloster Lambach. Dort war Mozart mit seinem Vater oft zu Gast. Das rund einstündige Konzert schloss mit Haydns «Finale Presto» aus «Cassation Divertimento G-Dur» als Zugabe.

«Ein solches Konzert kann anstrengend sein, aber es verlief alles planmässig und es war wunderschön», sagte Jordi nach dem Konzert. Das Publikum war ebenfalls begeistert. Darunter Vittorio Ferlin aus Altstetten, der zum ersten Mal einem Konzert des Streichorchesters beiwohnte: «Es hat mir sehr gut gefallen. Das Orchester hat stark und gekonnt gespielt.»