Jürg Meier

Er soll der Stadthalle in Dietikon Glück bringen

Jürg Meier vor der Stadthalle Dietikon im Fondli-Quartier: «Kritik muss man ernst, aber nicht persönlich nehmen.»

Jürg Meier vor der Stadthalle Dietikon im Fondli-Quartier: «Kritik muss man ernst, aber nicht persönlich nehmen.»

Jürg Meier, der neue Genossenschaftspräsident, will mehr Limmattaler Firmen in die Halle im Fondli-Quartier holen.

In den letzten Jahren war es nicht immer lustig, Präsident der Genossenschaft Stadthalle Dietikon zu sein. Reto Siegrist, der dieses Amt nach zwölf Jahren im Dezember abgegeben hat, kann davon ein Liedchen singen. Vor allem wegen der Vermietpraxis und der Preispolitik stand er regelmässig in der Kritik und musste sich immer wieder rechtfertigen. Die Halle sei zu teuer, hiess es, sie werde an die Falschen vermietet, die Veranstaltungen würden das Quartier stören oder dem Image Dietikons schaden. Damit wurde zum Beispiel auf die Hanfmesse Cannatrade angespielt oder auf einen Kampfsportanlass, der wegen befürchteter Ausschreitungen kurzfristig abgesagt wurde. Die Kritik sei zwar nicht der Grund gewesen, wieso er sich entscheiden habe, aufzuhören, sagte Siegrist im Interview mit der Limmattaler Zeitung, kurz bevor er als Präsident zurücktrat. Doch sie habe durchaus an ihm genagt.

Nun hat Siegrist das Zepter an Jürg Meier übergeben. Dieser schaut den Herausforderungen gelassen entgegen. «Kritik muss man ernst, aber nicht persönlich nehmen», sagt er. Er könne damit gut umgehen und versuche, für jedes Problem eine möglichst verträgliche Lösung zu finden.

Eine «besonnene Persönlichkeit»

Dass Jürg Meier die richtigen Entscheidungen treffen wird, glaubt auch Reto Siegrist. Sein Nachfolger sei eine «besonnene Persönlichkeit» und kenne Dietikon sehr gut, sagt er: «Ich bin sicher, dass seine ruhige und sehr überlegte Art auch helfen wird, allfällige Angriffe zu parieren.» Ähnlich klingt Stadtpräsident Otto Müller, der Jürg Meier schon lange kennt: Er sei gut vernetzt in Dietikon und werde die Aufgaben und Herausforderungen, die sich ihm stellen, sicher gut meistern.

Tatsächlich könnte Jürg Meier – 60 Jahre alt, Leiter Unternehmenssicherheit bei den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ), verheiratet, zwei erwachsene Söhne – als neuer Präsident durchaus ein Glücksfall für die Stadthalle sein: Er ist nicht nur ein Ur-Dietiker, er ist, wie schon sein Vorgänger, auch ein Vereinsmensch. Bis vor einem Jahr war Jürg Meier Präsident des Turnvereins KTV Dietikon, 24 Jahre lang war er in der Feuerwehr, davon sechs Jahre als Kommandant. Zudem hat er auch lange das Kartell der Dietiker Ortsvereine – sozusagen der Dachverband – geleitet. Weil er auch Bindeglied sein will zwischen der Stadthalle und den Vereinen, dürfte ihm dies besonders zugutekommen.

Zudem hat Jürg Meier, schon seit er 18 Jahre alt war, eine besondere Beziehung zur Stadthalle. Damals, 1972, zwei Jahre nach der Eröffnung, begann er als Bühnenmeister in der Stadthalle zu arbeiten, war für Licht und Ton zuständig. Technik faszinierte ihn. «Ich war praktisch jedes Wochenende dort», erinnert er sich. Nach ein paar Jahren gab er die Aufgabe wieder ab, damit er sich auf die Feuerwehr konzentrieren konnte, der er mittlerweile beigetreten war.

Doch das Schicksal wollte es, dass Jürg Meier trotzdem mit der Stadthalle verbunden blieb: Denn in seiner Funktion als Feuerwehrmann erlebte er den einschneidendsten Moment in deren Geschichte, als sie 2001 niederbrannte. «Das war ein grosser Schock für mich», sagt er. Es habe wehgetan, das Gebäude lichterloh brennen zu sehen: «Das war schliesslich unsere Halle.»

Er will wissen, was läuft

Der Brand war jedoch weder das Ende der Halle, noch das Ende der Geschichte, die Jürg Meier mit ihr verbindet. Sie wurde wieder aufgebaut und im Jahr 2006 wurde Jürg Meier Mitglied des Vorstands. Weil er sich aber «noch mehr engagieren» wollte, trat er vier Jahre später der Betriebskommission bei, wo er als Hallenchef unter anderem wieder für die Technik verantwortlich war. Dass er diese Aufgabe auch jetzt als Präsident weiterhin behält, ist typisch für Jürg Meier: Er ist praktisch veranlagt, will anpacken, «wissen, was in der Halle läuft», wie er sagt.

Doch er hat auch strategische Ideen für die Zukunft. So wolle er vermehrt Limmattaler KMU ansprechen und die kleineren Räume in der Halle für Seminare und Sitzungen vermieten. Zwar seien Hochzeitsgesellschaften, von denen man sehr viele als Kunden habe, sehr erwünscht und finanziell durchaus lukrativ. Doch: «Ich will den Kreis der Kunden ausdehnen.»

Eine grosse Herausforderung für Jürg Meier wird sein, die Halle rentabel betreiben und sie gleichzeitig auch den Dietiker Vereinen zu einem erschwinglichen Preis anbieten zu können. FDP-Gemeinderat Martin Romer, der sich in den letzten Monaten öfters kritisch zur Halle geäussert hatte, sagt denn auch, er hoffe, dass die Dietiker Vereine sie bald günstiger mieten können: «Unser Vereinsleben soll auch in Dietikon stattfinden können.» Der Grundtarif sei trotz leichter Anpassungen immer noch zu hoch. Zudem müsse es gelingen, durch die Auswahl von Anlässen Lösungen zu finden, die für das Quartier in Bezug auf Lärm und Littering verträglicher seien, sagt Romer, der betont, er wünsche Jürg Meier alles Gute.

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