Photo15
Er schaute sich über 6000 Facebook-Profile an

Einer von rund 125 Fotografen, die an der Photo15 in Zürich ausstellen, ist auch der Schlieremer Timur Geyran. Fast 200 Porträts gehören zu seinem Projekt «The Face Book», davon plant er, rund 160 zu zeigen.

Senada Haralcic
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Timur Geyran fotografiert Menschen, die kaum Emotionen zeigen. Timur Geyran

Timur Geyran fotografiert Menschen, die kaum Emotionen zeigen. Timur Geyran

Timur Geyran

Auf den ersten Blick wirken alle Bilder von Timur Geyran etwas einheitlich: Einzelne Personen stehen vor einem dunklen Hintergrund, tragen schwarze Kleidung und schauen direkt zum Betrachter. Keiner der Porträtierten lacht oder weint. Geyran ging es darum, seine Modelle ohne «aktive Emotionen» zu fotografieren. Jeder Betrachter soll selbst, mit seiner eigenen Fantasie, die Geschichte in den Gesichtern deuten. «Vielleicht lässt das Gesicht auch einen tieferen Einblick in den Menschen zu, ohne dass sie dabei vordergründig eine besondere Mimik zeigen», sagt der Fotograf.

Zuerst eine Diplomarbeit

Grösste Werkschau

Vom 9. bis 13. Januar findet in fünf Industriehallen auf dem Maag Areal in Zürich die Photo15 statt. Mit einer Ausstellungsfläche von über 3 500 Quadratmetern ist sie die grösste Werkschau für Fotografie in der Schweiz. Jährlich zeigen rund 125 Fotografen ihre Arbeiten aus den vergangen zwölf Monaten. Zwei Fotografen sind aus dem Limmattal. An die Photo14 im vergangenen Jahr strömten über 23 000 Besucher. (SEN)

Um solche Gesichter zu finden, ging Geyran jedoch weder auf die Strasse noch kontaktierte er spezielle Modelagenturen. Er suchte – wie der Name seines Projekts «The Face Book» verrät, auf dem sozialen Netzwerk Facebook. Zuerst startete er selbst einen Aufruf auf seinem Profil. Dann stöberte er bei den Freundeslisten seiner Facebook-Freunde. «Irgendwann habe ich dann rund 6000 Profile durchgeschaut», erzählt der Fotograf lachend. Aber es habe sich gelohnt. Denn dabei sei er auf viele, sehr interessante Personen gestossen.

Menschen interessieren Geyran ganz besonders. Oft beobachtet er etwa am Bahnhof das Verhalten einzelner Personen. «Es ist faszinierend zu sehen, was die Menschen ausstrahlen, wenn sie beispielsweise nachdenken», sagt er. Deswegen könne er es kaum erwarten, die Besucher der Photo15 zu beobachten, wenn sie bei seinen Bildern stehenbleiben, um sie zu studieren. Denn das Projekt sei für ihn mit der aktuellen Ausstellung noch nicht abgeschlossen, sagt Geyran. «Ich will auf jeden Fall noch mehr interessante Menschen für mein ‹Face Book› finden.»

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